Lexikon der Begriffe
5-HT2A-Rezeptor
Subtyp der Serotoninrezeptoren, dessen Aktivierung maßgeblich für die halluzinogene Wirkung von LSD, Psilocin und Meskalin verantwortlich ist.
Abduzensparese
Lähmung des VI. Hirnnervs, durch die das Auge nicht mehr ausreichend nach außen bewegt werden kann; Folge sind häufig horizontale Doppelbilder.
Abmahnung
Außergerichtliche Aufforderung, ein rechtswidriges Verhalten, etwa einen Wettbewerbsverstoß, zu unterlassen, in der Regel verbunden mit dem Verlangen nach einer strafbewehrten Unterlassungserklärung.
Absence
Generalisierter epileptischer Anfall mit kurzer Bewusstseinspause von wenigen Sekunden, oft begleitet von Lidzucken. Er ist im EEG durch typische Spike-Wave-Muster nachweisbar.
Absetzsyndrom
Vorübergehende körperliche und psychische Beschwerden nach abruptem Absetzen oder starker Dosisreduktion eines Medikaments. Bei Antidepressiva ist es kein Zeichen einer Abhängigkeit.
Absichtslosigkeit
Erstes Stadium des Transtheoretischen Modells, in dem die Person keinen Änderungsbedarf sieht und keine Veränderung beabsichtigt.
Abwehrhierarchie
Ordnung der Abwehrmechanismen nach ihrem Reifegrad, von psychotischen und unreifen bis zu reifen Formen, die die Realitätswahrnehmung kaum verzerren.
ACE-Hemmer
Blutdrucksenkende Arzneimittel (z. B. Ramipril, Enalapril), die das Angiotensin-Converting-Enzym hemmen und so das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System beeinflussen.
Acetaldehyd
Giftiges Zwischenprodukt des Alkoholabbaus, das durch die Alkoholdehydrogenase entsteht und durch die Aldehyddehydrogenase zu Essigsäure weiter abgebaut wird.
Acetylcholin
Neurotransmitter, der unter anderem für Gedächtnis, Aufmerksamkeit und die Signalübertragung im parasympathischen Nervensystem wichtig ist.
Acetylcholinesterasehemmer
Antidementiva, die das Enzym Acetylcholinesterase hemmen und dadurch die Konzentration des Neurotransmitters Acetylcholin erhöhen.
Acetylcystein
Wirkstoff, der als Antidot bei Paracetamol-Vergiftung eingesetzt wird, indem er die Entgiftung des lebertoxischen Abbauprodukts unterstützt.
Adhärenz
Ausmaß, in dem ein Patient eine gemeinsam mit dem Behandler vereinbarte Therapie, z. B. eine Medikamenteneinnahme, tatsächlich umsetzt.
ADI-R
Diagnostisches Interview für Autismus, revidiert. Ein strukturiertes Elterninterview zur Erhebung der Entwicklungsgeschichte und autismustypischer Symptome.
ADOS
Diagnostische Beobachtungsskala für autistische Störungen. Ein standardisiertes Verfahren, das soziale Interaktion, Kommunikation und Spielverhalten in halbstrukturierten Situationen erfasst.
Affektarmut
Verminderung der Anzahl gezeigter Gefühle; der Patient wirkt gleichgültig, emotional unbeteiligt und wenig schwingungsfähig.
Affektinkontinenz
Mangelnde Kontrolle der Affekte: Bei geringem Anlass überschießen die Affekte und können vom Betroffenen nicht beherrscht werden.
Affektive Instabilität
Rasch wechselnde, oft heftige Stimmungsschwankungen von kurzer Dauer, die häufig durch äußere, insbesondere zwischenmenschliche Ereignisse ausgelöst werden; Kernmerkmal der Borderline-Persönlichkeitsstörung.
Affektlabilität
Rascher Wechsel der Stimmung, oft schon durch geringe Anlässe ausgelöst.
Affektregulation
Fähigkeit, Art, Intensität und Dauer eigener Gefühle wahrzunehmen und zu beeinflussen. Defizite der Affektregulation gelten als zentraler Faktor bei selbstverletzendem Verhalten.
Affektstarre
Verminderte affektive Modulationsfähigkeit: Der Betroffene verharrt in einer bestimmten Stimmung, unabhängig von der äußeren Situation.
Affektverflachung
Verminderung von Anzahl und Intensität gezeigter Gefühle. Die Betroffenen wirken gleichgültig und emotional unbeteiligt; sie gilt als typisches Negativsymptom.
Agoraphobie
Phobische Störung mit Angst vor Situationen wie Menschenmengen, öffentlichen Plätzen oder Reisen, aus denen eine Flucht schwierig erscheint, und daraus folgendem Vermeidungsverhalten.
Agranulozytose
Hochgradige Verminderung der neutrophilen Granulozyten im Blut (in der Regel unter 500/µl). Sie geht mit einer schweren Abwehrschwäche und Gefahr lebensbedrohlicher Infektionen einher.
Akathisie
Extrapyramidal-motorische Nebenwirkung, vor allem von Antipsychotika, mit quälender innerer Unruhe, Unfähigkeit zum Stillsitzen und ständigem Bewegungsdrang. Sie kann das Suizidrisiko erhöhen und erfordert eine ärztliche Medikationsprüfung.
Akinese
Bewegungsarmut mit verminderter Mimik und Gestik, z. B. als extrapyramidal-motorische Nebenwirkung von Antipsychotika.
Akrozyanose
Bläulich-livide Verfärbung der Körperenden wie Hände, Füße, Nase oder Ohren infolge einer gestörten peripheren Durchblutung.
Akustische Halluzination
Wahrnehmung von Geräuschen, Musik oder Stimmen ohne entsprechenden äußeren Reiz, die für real gehalten werden kann.
Akute Belastungsreaktion
Vorübergehende Störung als Reaktion auf eine außergewöhnliche körperliche oder seelische Belastung, die innerhalb von Minuten beginnt und meist innerhalb von Stunden oder Tagen abklingt (ICD-10 F43.0).
Akute Dystonie
Frühdyskinesie mit plötzlich einsetzenden, anhaltenden Muskelkontraktionen, vor allem im Kopf-, Hals- und Schlundbereich. Sie tritt meist kurz nach Beginn oder Erhöhung einer Antipsychotikabehandlung auf.
Akute schizophreniforme psychotische Störung
Akute psychotische Störung (ICD-10 F23.2), bei der die Symptomkriterien einer Schizophrenie erfüllt sind, die jedoch weniger als einen Monat andauert.
Akutes Koronarsyndrom
Sammelbegriff für die akut lebensbedrohlichen Phasen der koronaren Herzkrankheit, insbesondere instabile Angina pectoris und Myokardinfarkt.
Akute vorübergehende psychotische Störung
Gruppe psychotischer Störungen (ICD-10 F23) mit akutem Beginn innerhalb von zwei Wochen, typischen polymorphen oder schizophrenieähnlichen Bildern und meist vollständiger Rückbildung innerhalb weniger Wochen bis Monate.
Alkoholentzugssyndrom
Symptomkomplex nach Reduktion oder Beendigung eines länger dauernden Alkoholkonsums, unter anderem mit Tremor, Schwitzen, Unruhe, Angst und Schlafstörungen; schwere Verläufe mit Krampfanfällen oder Delir möglich.
Alpha-2-Rezeptor
Adrenerger Rezeptor, der präsynaptisch als Bremse die Freisetzung von Noradrenalin und Serotonin hemmt. Seine Blockade steigert die Ausschüttung dieser Transmitter.
Alternativpsychose
Psychose, die im Wechsel mit dem Anfallsgeschehen auftritt, d. h. in Phasen der Anfallsfreiheit.
Altersregression
Hypnotische Technik, bei der die Person suggestiv in frühere Lebensabschnitte zurückgeführt wird, um damalige Erlebnisse wiederzuerleben.
Altgedächtnis
Gedächtnis für länger zurückliegende Erlebnisse und erworbenes Wissen, etwa biografische Daten.
Ambivalenz
Gleichzeitiges Bestehen widersprüchlicher Gefühle, Wünsche oder Intentionen, das häufig als quälend erlebt wird.
AMDP-System
Standardisiertes Verfahren zur Erhebung und Dokumentation des psychopathologischen Befundes. Es wurde von der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie entwickelt.
Amtsvormundschaft
Vormundschaft, die vom Jugendamt ausgeübt wird, wenn kein geeigneter ehrenamtlicher oder beruflicher Vormund bestellt ist.
Anamnese
Systematische Erhebung der Vorgeschichte einer Patientin oder eines Patienten, einschließlich aktueller Beschwerden, früherer Erkrankungen und biografischer Angaben.
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
Mindestens zwei Jahre anhaltende, zuvor nicht bestehende Persönlichkeitsänderung nach einer Belastung katastrophalen Ausmaßes wie Folter oder Geiselhaft (ICD-10 F62.0).
Angemessenes Mittel
Einschränkende Voraussetzung des § 34 Satz 2 StGB; die Notstandshandlung muss nach Art und Umfang geeignet, erforderlich und rechtlich vertretbar sein, um die Gefahr abzuwenden.
Anhaltende Trauerstörung
In der ICD-11 eingeführte Diagnose (6B42) für eine intensive, über mindestens sechs Monate andauernde Trauerreaktion mit Sehnsucht nach dem Verstorbenen. Sie geht mit deutlicher Funktionsbeeinträchtigung einher und überschreitet kulturelle Normen.
Anhaltende wahnhafte Störung
Störung (ICD-10 F22) mit einem oder mehreren verwandten Wahninhalten, die mindestens drei Monate bestehen, ohne dass die Kriterien einer Schizophrenie erfüllt sind.
Anhedonie
Verlust der Fähigkeit, Freude oder Interesse an üblicherweise angenehmen Tätigkeiten zu empfinden. Sie ist ein Hauptsymptom der depressiven Episode.
Anlage I BtMG
Liste der nicht verkehrsfähigen Betäubungsmittel, z. B. LSD und Psilocybin, mit denen ohne Ausnahmeerlaubnis des BfArM weder gehandelt noch therapeutisch umgegangen werden darf.
Anlage zu § 12 HWG
Liste von Krankheiten, auf deren Erkennung oder Behandlung sich Publikumswerbung nicht beziehen darf. Dazu gehören unter anderem meldepflichtige Infektionskrankheiten, bösartige Neubildungen und Suchtkrankheiten mit Ausnahme der Nikotinabhängigkeit.
Anorexia nervosa
Essstörung (ICD-10 F50.0) mit absichtlich herbeigeführtem oder aufrechterhaltenem Gewichtsverlust, Körperschemastörung und endokrinen Störungen.
Anosognosie
Organisch bedingtes Nichterkennen der eigenen Erkrankung oder Funktionsstörung.
Anpassungsstörung
Zustand subjektiven Leidens und emotionaler Beeinträchtigung (ICD-10 F43.2) nach einer entscheidenden Lebensveränderung oder einem belastenden Lebensereignis. Er beginnt meist innerhalb eines Monats nach dem Ereignis.
Antagonist
Substanz, die an einen Rezeptor bindet, ohne ihn zu aktivieren, und dadurch die Wirkung anderer Substanzen aufhebt.
Anterograde Amnesie
Unfähigkeit, ab einem bestimmten Zeitpunkt neue Gedächtnisinhalte zu speichern, sodass Erinnerungslücken für die nachfolgende Zeit entstehen.
Antiandrogene
Arzneimittel wie Cyproteronacetat, die die Wirkung männlicher Sexualhormone hemmen und das sexuelle Verlangen dämpfen. Sie sind verschreibungspflichtig.
Anticholinerges Syndrom
Vergiftungsbild durch Blockade muskarinischer Acetylcholinrezeptoren mit zentralen Symptomen wie Verwirrtheit und Halluzinationen sowie peripheren Zeichen wie trockener Haut, Mydriasis, Tachykardie und Harnverhalt.
Anticholinerge Wirkung
Hemmung der Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin an muskarinischen Rezeptoren. Sie führt unter anderem zu Mundtrockenheit, Obstipation, Harnverhalt, Sehstörungen und Tachykardie.
Anticholinergikum
Wirkstoff, der die Wirkung des Neurotransmitters Acetylcholin an muskarinischen Rezeptoren hemmt. Typische Nebenwirkungen sind Mundtrockenheit, Harnverhalt und Verwirrtheit.
Anticraving-Mittel
Medikamente, die das Verlangen nach einer Substanz vermindern und so zur Rückfallprophylaxe beitragen, bei Alkoholabhängigkeit vor allem Acamprosat und Naltrexon.
Antidementiva
Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung von Demenzerkrankungen, vor allem Acetylcholinesterasehemmer und Memantin.
Antiretrovirale Therapie
Medikamentöse Kombinationsbehandlung der HIV-Infektion, die die Virusvermehrung unterdrückt. Sie senkt unter anderem das Risiko einer HIV-assoziierten Demenz.
Antragsdelikt
Straftat, die nur verfolgt wird, wenn der Verletzte oder ein anderer Berechtigter einen Strafantrag stellt.
Apathie
Ausgeprägter Mangel an Interesse, Antrieb und emotionaler Beteiligung, der ohne die für eine Depression typische gedrückte Stimmung auftreten kann.
Aphasie
Erworbene zentrale Sprachstörung, z. B. nach Schlaganfall, mit Beeinträchtigung von Sprachverständnis und/oder Sprachproduktion.
Apothekenpflicht
Gesetzliche Vorgabe nach § 43 AMG, dass bestimmte Arzneimittel berufs- oder gewerbsmäßig nur in Apotheken an Verbraucher abgegeben werden dürfen.
Approbation
Staatliche Zulassung zur uneingeschränkten Ausübung eines akademischen Heilberufs, etwa als Ärztin oder Psychotherapeutin. Sie berechtigt zum Führen der jeweils geschützten Berufsbezeichnung.
Apraxie
Unfähigkeit, zielgerichtete Bewegungen oder Handlungen auszuführen, obwohl Kraft, Beweglichkeit und Verständnis der Aufgabe erhalten sind.
Argyll-Robertson-Phänomen
Reflektorische Pupillenstarre mit fehlender Lichtreaktion bei erhaltener Naheinstellungsreaktion. Sie ist typisch für die Neurosyphilis.
Artifizielle Störung
Absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen körperlicher oder psychischer Symptome ohne erkennbaren äußeren Vorteil. Vermutetes Ziel ist die Einnahme der Krankenrolle (ICD-10 F68.1).
Arzneimittelgesetz (AMG)
Bundesgesetz, das Herstellung, Zulassung, Abgabe und Überwachung von Arzneimitteln regelt, einschließlich Apotheken- und Verschreibungspflicht.
Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV)
Rechtsverordnung zum Arzneimittelgesetz, die in ihrer Anlage festlegt, welche Stoffe und Zubereitungen verschreibungspflichtig sind, und Form und Inhalt einer Verschreibung regelt.
Ärztliche Psychotherapeutin / ärztlicher Psychotherapeut
Ärztin oder Arzt, die oder der psychotherapeutisch tätig ist und die Bezeichnung „Psychotherapeut“ mit dem Zusatz „ärztlich“ führen kann.
Arztvorbehalt
Gesetzliche Regelung, nach der bestimmte heilkundliche Tätigkeiten ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten sind.
Asperger-Syndrom
Tiefgreifende Entwicklungsstörung mit qualitativer Beeinträchtigung der sozialen Interaktion sowie eingeschränkten, stereotypen Interessen, ohne wesentliche Sprach- oder Intelligenzentwicklungsverzögerung (ICD-10 F84.5).
Aspiration
Eindringen von Flüssigkeit, Nahrung oder Mageninhalt in die Atemwege, besonders gefährlich bei Bewusstseinsstörung.
Ataxie
Störung der Bewegungskoordination, etwa als unsicherer, breitbeiniger Gang oder als Rumpfinstabilität.
Atemdepression
Gefährliche Abschwächung des Atemantriebs mit verminderter Atemfrequenz und -tiefe, etwa durch zentral dämpfende Substanzen.
Atypischer Autismus
Tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich vom frühkindlichen Autismus durch einen Beginn nach dem dritten Lebensjahr oder durch nicht in allen Bereichen erfüllte Kriterien unterscheidet (ICD-10 F84.1).
Aufbewahrungsfrist
Gesetzlich festgelegter Zeitraum, in dem die Patientenakte aufzubewahren ist; nach § 630f Abs. 3 BGB zehn Jahre nach Abschluss der Behandlung.
Auffassungsstörung
Beeinträchtigung der Fähigkeit, Wahrnehmungen oder Gesagtes in ihrer Bedeutung zu erfassen, miteinander zu verbinden und einzuordnen.
Aura
Subjektiv bewusst erlebte Anfangsphase eines fokalen epileptischen Anfalls bei erhaltenem Bewusstsein, z. B. mit Geruchs-, Magen- oder Déjà-vu-Empfindungen.
Auskunftsanspruch nach § 1686 BGB
Recht eines Elternteils, bei berechtigtem Interesse vom anderen Elternteil Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes zu verlangen, soweit dies dem Kindeswohl nicht widerspricht.
Ausschleichen
Schrittweise Verringerung der Dosis eines Medikaments über einen längeren Zeitraum, um Entzugs- und Rebound-Symptome zu vermeiden.
Autismus (nach Bleuler)
Rückzug in die eigene Innenwelt mit Verlust des Kontakts zur Realität und zu anderen Menschen. Bleuler verstand ihn als Grundsymptom der Schizophrenie.
Autoinduktion
Ein Arzneimittel beschleunigt durch Enzyminduktion seinen eigenen Abbau, typisch bei Carbamazepin.
Automatismen
Unwillkürliche, mehr oder weniger koordinierte Bewegungen wie Schmatzen, Kauen oder Nesteln während eines Anfalls mit Bewusstseinsstörung.
AV-Block
Verzögerung oder Unterbrechung der Erregungsleitung vom Herzvorhof auf die Herzkammern. Höhergradige Formen können zu bedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen.
Aversivmittel
Medikament, das bei Konsum einer Substanz unangenehme Körperreaktionen auslöst und dadurch vom Konsum abschrecken soll, zum Beispiel Disulfiram bei Alkoholabhängigkeit.
Awareness (Gewahrsein)
Gestalttherapeutischer Begriff für die bewusste, unmittelbare Wahrnehmung des eigenen Erlebens, Fühlens und Handelns im gegenwärtigen Moment.
Babinski-Zeichen
Dorsalflexion der Großzehe beim Bestreichen des lateralen Fußsohlenrands als Hinweis auf eine Schädigung der Pyramidenbahn.
Baby Blues
Vorübergehendes, sehr häufiges Stimmungstief in den ersten Tagen nach der Entbindung mit Weinerlichkeit und Stimmungslabilität. Es gilt nicht als behandlungsbedürftige psychische Störung.
Befugnisnorm
Rechtsvorschrift, die ein bestimmtes Handeln erlaubt (hier die Weitergabe geschützter Informationen), ohne es zwingend vorzuschreiben.
Behandlungsvorbehalt nach § 24 IfSG
Gesetzliche Regelung, nach der bestimmte meldepflichtige übertragbare Krankheiten ausschließlich von Ärztinnen und Ärzten behandelt werden dürfen.
Benehmen
Form der Behördenbeteiligung, bei der die entscheidende Behörde einer anderen Stelle Gelegenheit zur Stellungnahme geben und diese berücksichtigen muss. An deren Zustimmung ist sie jedoch nicht gebunden.
Benigne Regression
Nach Balint gutartige, therapeutisch nutzbare Regression, die vom Wunsch nach Anerkennung getragen ist und einen Neubeginn in der Beziehungsfähigkeit ermöglicht.
Benzodiazepin-Entzugssyndrom
Nach Absetzen oder Dosisreduktion von Benzodiazepinen auftretendes Syndrom mit Angst, Unruhe, Schlafstörungen und Wahrnehmungsstörungen, in schweren Fällen mit Krampfanfällen und Delir.
Benzodiazepin-Rezeptoragonisten
Sammelbezeichnung für Benzodiazepine und Z-Substanzen, die an der Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors wirken.
Berufsbezeichnungsschutz
Gesetzliche Regelung, nach der eine bestimmte Berufsbezeichnung nur von Personen mit einer festgelegten Qualifikation geführt werden darf, unabhängig davon, wer die Tätigkeit ausüben darf.
Berufsgeheimnisträger
Person, die aufgrund ihres Berufs zur Verschwiegenheit über anvertraute Geheimnisse verpflichtet ist. Die strafrechtlich erfassten Gruppen sind in § 203 StGB aufgezählt.
Beschränkte Geschäftsfähigkeit
Rechtsstellung Minderjähriger zwischen dem vollendeten 7. und 18. Lebensjahr; nicht lediglich rechtlich vorteilhafte Geschäfte bedürfen der Zustimmung des gesetzlichen Vertreters.
Betäubungsmittelrezept
Amtliches, nummeriertes Formular, auf dem Betäubungsmittel der Anlage III BtMG verschrieben werden müssen.
Betreuungsgericht
Abteilung des Amtsgerichts, die u. a. über die Bestellung rechtlicher Betreuer und die Genehmigung freiheitsentziehender Unterbringungen und Maßnahmen entscheidet.
Beweislastumkehr
Rechtliche Regel, nach der nicht der Anspruchsteller, sondern die Gegenseite eine bestimmte Tatsache beweisen muss bzw. eine für sie nachteilige Vermutung widerlegen muss.
Bewusstseinseinengung
Qualitative Bewusstseinsstörung, bei der das Erleben auf wenige Inhalte fokussiert ist und die Wahrnehmung der übrigen Umwelt eingeschränkt ist.
Bewusstseinstrübung
Qualitative Bewusstseinsstörung mit verminderter Klarheit des Erlebens und Denkens, oft mit Desorientierung. Sie ist typisch für organische Störungen wie das Delir.
Beziehungsideen
Gedanken, dass belanglose Ereignisse oder das Verhalten anderer eine besondere Bedeutung für die eigene Person haben, ohne dass bereits Wahngewissheit besteht.
Biperiden
Anticholinergikum, das zur Behandlung neuroleptikabedingter extrapyramidaler Störungen wie Frühdyskinesien und Parkinsonoid eingesetzt wird.
Bipolare affektive Störung
Affektive Störung mit wiederholten Episoden, in denen Stimmung und Aktivität deutlich gestört sind, teils im Sinne einer Manie oder Hypomanie, teils im Sinne einer Depression (ICD-10 F31).
Body-Mass-Index
Maßzahl zur Bewertung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße, berechnet als Gewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Größe in Metern.
Borderline-Persönlichkeitsorganisation
Von Kernberg beschriebenes Strukturniveau mit Identitätsdiffusion, unreifen Abwehrmechanismen wie Spaltung und weitgehend erhaltener Realitätsprüfung.
Bouffée délirante
Französischer Begriff für eine akut einsetzende, rasch wechselnde wahnhafte Psychose; in der ICD-10 unter F23.0 bzw. F23.1 eingeordnet.
Bradykardie
Verlangsamte Herzfrequenz unter 60 Schlägen pro Minute.
Bradypnoe
Krankhaft verlangsamte Atemfrequenz.
Brudzinski-Zeichen
Reflektorisches Anziehen der Beine bei passiver Kopfbeugung als Zeichen einer meningealen Reizung.
Buprenorphin
Partieller Opioidagonist, der ärztlich zur Substitution und zur Behandlung des Opioidentzugs eingesetzt wird und dem Betäubungsmittelrecht unterliegt.
Camberwell Family Interview
Halbstrukturiertes Interview mit Angehörigen zur Bestimmung des Expressed-Emotion-Status. Es wird in Abwesenheit des Patienten geführt und anhand von Tonaufnahmen ausgewertet.
Change Talk
In der Motivierenden Gesprächsführung jede Klientenäußerung, die für eine Veränderung spricht, etwa Wunsch, Fähigkeit, Gründe, Notwendigkeit oder Verpflichtung zur Veränderung.
Cholinerger Rebound
Nach abruptem Absetzen anticholinerg wirkender Substanzen, etwa trizyklischer Antidepressiva, auftretende Gegenregulation mit Übelkeit, Schwitzen, Unruhe und Schlafstörungen.
Ciclosporin
Immunsuppressivum, das unter anderem nach Organtransplantationen zur Verhinderung einer Abstoßungsreaktion eingesetzt wird.
Clearance
Maß für die Fähigkeit eines Organs, meist der Niere, ein bestimmtes Blutvolumen pro Zeiteinheit von einem Stoff zu befreien.
Clomethiazol
Verschreibungspflichtiges sedierendes und antikonvulsives Medikament, das zur Behandlung des Alkoholentzugssyndroms und -delirs vorwiegend stationär eingesetzt wird.
Clozapin
Atypisches Antipsychotikum, das bei therapieresistenter Schizophrenie eingesetzt wird. Wegen des Agranulozytoserisikos ist es nur unter engmaschigen Blutbildkontrollen zugelassen.
Coping
Überwiegend bewusste kognitive und verhaltensbezogene Bemühungen, belastende innere oder äußere Anforderungen zu bewältigen.
CPAP-Therapie
Nächtliche Atemtherapie mit kontinuierlichem positivem Atemwegsdruck über eine Maske, der die oberen Atemwege offen hält. Sie gilt als Standardtherapie der mittel- bis schwergradigen obstruktiven Schlafapnoe.
Dämmerzustand
Qualitative Bewusstseinsstörung mit Einengung des Bewusstseins, bei der äußerlich geordnetes Handeln möglich ist und meist eine anschließende Amnesie besteht.
Dantrolen
Direkt am Skelettmuskel wirkendes Muskelrelaxans. Es wird bei maligner Hyperthermie und beim malignen neuroleptischen Syndrom eingesetzt.
Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
EU-Verordnung zum Schutz personenbezogener Daten, die u. a. Gesundheitsdaten als besonders schutzwürdig einstuft und Betroffenenrechte wie das Recht auf Löschung regelt.
Debriefing
Einmalige, strukturierte Gesprächsintervention kurz nach einem Trauma, bei der das Ereignis detailliert nacherzählt wird; als Routinemaßnahme zur Prävention nicht empfohlen.
Deeskalation
Gesamtheit verbaler und nonverbaler Interventionen, die eine Zuspitzung aggressiven Verhaltens verhindern oder eine bestehende Erregung abbauen sollen, ohne Zwang anzuwenden.
Dehydratation
Verminderung des Körperwassers, z. B. durch Erbrechen, Durchfall, Fieber, Schwitzen oder zu geringe Trinkmenge.
Déjà-vu-Erlebnis
Gedächtnistäuschung, bei der eine neue Situation fälschlich als bereits erlebt empfunden wird; typische Aura bei Temporallappenepilepsie.
Delir
Akut auftretendes, meist organisch bedingtes Syndrom mit Störungen von Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Orientierung, Wahrnehmung, Psychomotorik und Schlaf-Wach-Rhythmus. Es erfordert eine dringende ärztliche Abklärung.
Delirium tremens
Alkoholentzugsdelir mit Bewusstseinsstörung, Desorientierung, Halluzinationen, Tremor und vegetativer Entgleisung; ein lebensbedrohlicher Notfall.
Demaskierung
Sichtbarwerden einer bereits bestehenden, zuvor durch ein Medikament unterdrückten Symptomatik nach Dosisreduktion oder Absetzen.
Depersonalisation
Störung des Ich-Erlebens, bei der die betroffene Person sich selbst, ihren Körper oder Körperteile als fremd, unwirklich oder verändert erlebt.
Depersonalisations-/Derealisationssyndrom
Störung (ICD-10 F48.1) mit anhaltender oder wiederkehrender Entfremdung von sich selbst und/oder der Umwelt. Die Einsicht in die Unwirklichkeit dieses Erlebens bleibt erhalten.
Depressive Episode (F32)
Affektive Störung mit gedrückter Stimmung, Interessen- oder Freudverlust und Antriebsminderung über mindestens zwei Wochen, begleitet von weiteren Symptomen wie Schlafstörungen oder Schuldgefühlen.
Depressive Pseudodemenz
Kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen im Rahmen einer Depression, die eine Demenz vortäuschen und sich mit Besserung der Depression meist zurückbilden.
Depressiver Stupor
Maximalform der depressiven psychomotorischen Hemmung mit weitgehender Bewegungs- und Reaktionslosigkeit sowie Mutismus.
Derealisation
Störung des Erlebens, bei der die Umgebung als unwirklich, fremdartig, entfernt oder verändert wahrgenommen wird. Die Einsicht in die Abnormität dieses Erlebens bleibt meist erhalten.
Dermatozoenwahn
Wahnhafte Überzeugung, von Parasiten oder kleinen Tieren in oder auf der Haut befallen zu sein. Typisch ist das Vorzeigen vermeintlicher Beweise in Behältnissen.
Desintegrative Störung des Kindesalters
Tiefgreifende Entwicklungsstörung, bei der es nach mindestens zwei Jahren normaler Entwicklung zu einem deutlichen Verlust bereits erworbener Fähigkeiten in mehreren Bereichen kommt (F84.3).
Desorientierung
Mangelhaftes oder fehlendes Wissen um Zeit, Ort, Situation oder die eigene Person. Sie wird nach den betroffenen Qualitäten unterschieden.
Diabetische Ketoazidose
Akute, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung bei absolutem Insulinmangel. Sie geht mit Hyperglykämie, Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper und Flüssigkeitsverlust einher.
Diabetische Polyneuropathie
Schädigung mehrerer peripherer Nerven als Folge eines Diabetes mellitus. Sie verursacht häufig brennende Schmerzen und Missempfindungen, vor allem an den Füßen.
Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT)
Von Marsha Linehan entwickelte, verhaltenstherapeutisch fundierte Behandlung für Menschen mit schweren Störungen der Emotionsregulation, die Veränderungsstrategien mit Akzeptanz und Achtsamkeit verbindet.
Differenzialdiagnose
Abgrenzung von Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik, um die zutreffende Diagnose zu stellen.
Digoxin
Herzglykosid zur Behandlung von Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern mit geringer therapeutischer Breite.
Diskrepanzkriterium
Diagnostische Forderung, dass eine Leistung deutlich unter dem Niveau liegt, das aufgrund von Alter und allgemeiner Intelligenz zu erwarten wäre.
Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2) mit Missachtung sozialer Normen und der Gefühle anderer, geringer Frustrationstoleranz, Neigung zu Aggression und fehlendem Schuldbewusstsein.
Dissoziation
Teilweiser oder vollständiger Verlust der normalen Integration von Erinnerungen, Identitätsbewusstsein, Empfindungen und Kontrolle von Körperbewegungen, häufig als Reaktion auf überwältigende Belastung.
Dissoziative Amnesie
Psychogener Erinnerungsverlust, meist für belastende oder traumatische Ereignisse, ohne organische Ursache.
Dissoziative Fugue
Zielgerichtete Ortsveränderung über die alltägliche Umgebung hinaus mit Amnesie und äußerlich geordnetem Verhalten im Zusammenhang mit seelischer Belastung (ICD-10 F44.1).
Dissoziativer Anfall
Anfallsartiges Ereignis, das einem epileptischen Anfall ähneln kann, aber nicht auf epileptischer Hirnaktivität beruht, sondern psychisch bedingt ist (ICD-10 F44.5).
Dissoziativer Stupor
Psychogen bedingter Stupor ohne erklärende körperliche oder andere psychische Erkrankung, meist in Zusammenhang mit belastenden Ereignissen (ICD-10 F44.2).
Distanzierungsfähigkeit
Fähigkeit einer suizidalen Person, sich glaubhaft und verlässlich von suizidalen Handlungen abzugrenzen. Fehlt sie, spricht dies für akute Suizidgefahr.
Distanzlosigkeit
Fehlendes Gespür für angemessene soziale Nähe und Grenzen, etwa durch unbefangenes Zugehen auf und Körperkontakt mit fremden Personen.
Disulfiram-Alkohol-Reaktion
Unverträglichkeitsreaktion bei Alkoholkonsum unter Disulfiram durch Anreicherung von Acetaldehyd, unter anderem mit Flush, Tachykardie, Übelkeit und Blutdruckabfall, im Extremfall mit Kreislaufversagen.
Dokumentationspflicht
Gesetzliche Pflicht des Behandelnden nach § 630f BGB, eine Patientenakte zu führen und darin alle wesentlichen Behandlungsmaßnahmen, Befunde und Aufklärungen zeitnah festzuhalten.
Dopaminagonist
Arzneistoff, der Dopaminrezeptoren direkt stimuliert. Dopaminagonisten werden unter anderem beim Morbus Parkinson und beim Restless-Legs-Syndrom eingesetzt.
Doppeln
Psychodramatische Technik, bei der ein Mitspieler unausgesprochene Gefühle und Gedanken des Protagonisten in der Ich-Form äußert.
Doppelte Buchführung
Nebeneinander von wahnhaftem Erleben und zutreffender Orientierung in der realen Welt, typisch bei schizophrenen Psychosen.
Double Depression
Zusammentreffen einer chronischen leichten depressiven Verstimmung (Dysthymia) mit einer zusätzlich auftretenden depressiven Episode; Sonderform der chronischen Depression.
Doxylamin
Sedierendes Antihistaminikum, das als frei verkäufliches Schlafmittel angeboten wird und stark anticholinerg wirkt.
Drama-Dreieck
Von Stephen Karpman beschriebenes Modell psychologischer Spiele mit den Rollen Verfolger, Retter und Opfer, zwischen denen die Beteiligten wechseln.
Drei-Stufen-Theorie
Vom BGH entwickelte Abstufung, wann bei gemeinsamer Sorge die Einwilligung des anwesenden Elternteils genügt und wann die Zustimmung des anderen Elternteils sicher feststehen muss.
Dysarthrie
Störung der Sprechmotorik mit verwaschener, undeutlicher Artikulation.
Dysexekutives Syndrom
Störung der höheren Kontrollfunktionen wie Planen, Problemlösen, Handlungsüberwachung und flexibles Umstellen. Sie tritt typischerweise nach Schädigung des präfrontalen Kortex auf.
Dysgeusie
Störung der Geschmackswahrnehmung, etwa ein anhaltender bitterer oder metallischer Geschmack.
Dysmorphophobie
Ältere Bezeichnung für die übermäßige Furcht bzw. Überzeugung, körperlich entstellt oder hässlich zu sein. Nach ICD-10 wird die nicht wahnhafte Form unter F45.2, die wahnhafte Form unter F22.8 verschlüsselt.
Dyspareunie
Schmerzen im Genitalbereich während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Sie können bei Frauen und Männern auftreten.
Dysphorie
Missmutige, mürrische und übellaunige Verstimmung, häufig mit Gereiztheit verbunden.
Dyssomnie
Nach ICD-10 primär psychogene Schlafstörung, bei der Dauer, Qualität oder Zeitpunkt des Schlafs gestört sind, etwa Insomnie, Hypersomnie oder Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus.
Dysthymia
Anhaltende affektive Störung (F34.1) mit chronischer, über mehrere Jahre bestehender depressiver Verstimmung, die meist nicht die Kriterien einer leichten oder mittelgradigen rezidivierenden depressiven Störung erfüllt.
Ebstein-Anomalie
Angeborene Fehlbildung des Herzens mit Verlagerung der Trikuspidalklappe in die rechte Herzkammer.
Echolalie
Unmittelbares oder zeitlich verzögertes, meist sinnentleertes Nachsprechen gehörter Wörter oder Sätze.
Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS)
Selbstbeurteilungsfragebogen mit zehn Fragen zum Screening auf eine Depression in der Zeit nach der Geburt.
EEG
Elektroenzephalographie: Ableitung der elektrischen Hirnaktivität über Elektroden an der Kopfhaut. Sie dient unter anderem dem Nachweis epilepsietypischer Potenziale.
Ehegattennotvertretungsrecht
Seit 2023 in § 1358 BGB geregeltes, zeitlich befristetes Recht eines Ehegatten, den anderen in Gesundheitsangelegenheiten zu vertreten. Voraussetzung ist, dass dieser wegen Bewusstlosigkeit oder Krankheit seine Angelegenheiten nicht selbst besorgen kann.
Eigenschutz
Grundsatz der Notfallversorgung, nach dem Helfende sich zuerst selbst vor Gefahren schützen, bevor sie Hilfe leisten.
Ein-Jahres-Regel
Konventionelles Kriterium zur Abgrenzung der Lewy-Körperchen-Demenz von der Parkinson-Demenz, das sich auf den zeitlichen Abstand zwischen Beginn der Demenz und Beginn der Parkinson-Motorik stützt.
Einklemmung
Verlagerung von Hirngewebe durch erhöhten Hirndruck, zum Beispiel in das Hinterhauptsloch, mit lebensbedrohlicher Kompression des Hirnstamms.
Einsichtsfähigkeit
Fähigkeit einer Person, Bedeutung, Tragweite und Folgen einer Entscheidung zu erfassen. Bei Minderjährigen hängt sie von der individuellen geistigen und sittlichen Reife ab.
Einwilligung
Zustimmung der Patientin oder des Patienten bzw. eines Berechtigten zu einer Behandlungsmaßnahme, die nach § 630d BGB eine ordnungsgemäße Aufklärung voraussetzt.
Einwilligungsfähigkeit
Fähigkeit eines Patienten, Art, Bedeutung und Tragweite einer medizinischen Maßnahme zu erfassen und eine eigenverantwortliche Entscheidung darüber zu treffen.
Ejaculatio praecox
Vorzeitiger Samenerguss, bei dem die Ejakulation nicht ausreichend kontrolliert werden kann und vor oder kurz nach Beginn des Geschlechtsverkehrs eintritt (ICD-10 F52.4).
Elektiver Mutismus
Emotional bedingte Störung (ICD-10 F94.0), bei der ein Kind in bestimmten Situationen konsequent nicht spricht, obwohl es in anderen Situationen sprechen kann.
Elektrokonvulsionstherapie (EKT)
Biologisches Behandlungsverfahren, bei dem unter Narkose und Muskelrelaxation ein generalisierter Krampfanfall elektrisch ausgelöst wird. Es wird vor allem bei schweren, therapieresistenten Depressionen eingesetzt.
Elterliche Sorge
Pflicht und Recht der Eltern, für ihr minderjähriges Kind zu sorgen; sie umfasst die Personensorge und die Vermögenssorge (§ 1626 BGB).
Elterntraining
Strukturiertes, meist verhaltenstherapeutisch fundiertes Programm, in dem Eltern Erziehungsstrategien wie positive Verstärkung, klare Regeln und konsequente Reaktionen erlernen, um problematisches Verhalten ihres Kindes zu verringern.
Emotionale Überinvolviertheit
EE-Komponente, die übermäßige Besorgnis, Überbehütung, Aufopferung und dramatisierende emotionale Reaktionen eines Angehörigen gegenüber dem Patienten beschreibt.
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung mit Neigung zu impulsivem Handeln und launenhafter Stimmung. Der Borderline-Typ ist zusätzlich durch instabile Beziehungen, chronische Leere und Selbstverletzungen gekennzeichnet.
Endometriose
Gutartige Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Typisch sind zyklusabhängige Unterleibsschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.
Engwinkelglaukom
Form des grünen Stars, bei der der Abfluss des Kammerwassers im Kammerwinkel behindert ist. Pupillenerweiternde Substanzen können einen akuten Augeninnendruckanstieg auslösen.
Enkopresis
Wiederholtes willkürliches oder unwillkürliches Absetzen von Stuhl an dafür nicht vorgesehenen Stellen nach dem Alter, in dem üblicherweise Stuhlkontrolle besteht, ohne organische Ursache.
Enthemmung
Verlust der Fähigkeit, sozial unangemessene Impulse und Verhaltensweisen zu kontrollieren, etwa durch Distanzlosigkeit oder taktlose Äußerungen.
Entwertung
Abwehrvorgang, bei dem eine Person oder ihre Leistungen herabgesetzt und als wertlos erlebt werden, oft als Gegenpol zur Idealisierung.
Entzugskrampfanfall
Generalisierter epileptischer Anfall, der durch das abrupte Absetzen zentral dämpfender Substanzen wie Benzodiazepine oder Alkohol ausgelöst wird.
Entzugssyndrom
Gruppe körperlicher und psychischer Symptome, die nach Absetzen oder Reduktion einer wiederholt konsumierten Substanz auftreten; nach ICD-10 als F1x.3 verschlüsselt.
Enzephalitis
Entzündung des Hirngewebes, häufig viral bedingt. Sie geht mit Fieber, Bewusstseinsstörung, Wesensänderung, neurologischen Ausfällen oder Krampfanfällen einher.
Enzyminduktion
Steigerung der Aktivität arzneimittelabbauender Enzyme, meist in der Leber. Dadurch sinken die Plasmaspiegel und die Wirkung betroffener Arzneimittel.
Epigastrische Aura
Aura mit einem aus der Magengegend aufsteigenden Übelkeits-, Druck- oder Wärmegefühl; typisch für Anfälle aus dem mesialen Temporallappen.
Erektionsstörung
Wiederholte Unfähigkeit, eine für befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu erreichen oder aufrechtzuerhalten. Nach ICD-10 wird die nichtorganische Form als Versagen genitaler Reaktionen (F52.2) verschlüsselt.
Erhaltungstherapie
Fortführung der antidepressiven Behandlung nach Abklingen der Symptome über mehrere Monate, um einen Rückfall in dieselbe Episode zu verhindern.
Erogene Zone
Körperregion, die nach psychoanalytischer Auffassung in einer bestimmten Entwicklungsphase vorrangig Quelle lustvoller Erregung ist.
Ersatzhandlungstäter
Person, die sexuelle Übergriffe auf Kinder begeht, ohne eine primäre pädophile Präferenz zu haben, etwa aus Mangel an altersgemäßen Partnern oder im Rahmen anderer Störungen.
Erwartungsangst
Angst vor dem erneuten Auftreten einer Angstattacke („Angst vor der Angst“), häufig bei der Panikstörung zwischen den Attacken.
Erweiterter Suizid
Tötung einer oder mehrerer nahestehender Personen, häufig der eigenen Kinder, im Zusammenhang mit der eigenen Selbsttötung, oft aus wahnhaft oder depressiv motivierter Fürsorge.
Erworbene Mikrozephalie
Zurückbleiben des Kopfumfangs hinter der Altersnorm nach zunächst normalem Kopfumfang bei Geburt, als Ausdruck eines gestörten Hirnwachstums.
Evokation
Element der Grundhaltung der Motivierenden Gesprächsführung, bei dem die eigenen Gründe, Werte und Fähigkeiten des Klienten für eine Veränderung hervorgelockt werden, statt sie von außen vorzugeben.
Exposition mit Reaktionsmanagement
Verhaltenstherapeutische Methode bei Zwangsstörungen. Der Patient setzt sich angstauslösenden Situationen aus und unterlässt dabei die gewohnten Zwangshandlungen.
Expressed Emotion (EE)
Konzept zur Erfassung der emotionalen Haltung von Angehörigen gegenüber einem psychisch kranken Familienmitglied. Ein hoher EE-Status gilt als Prädiktor für Rückfälle.
Exsikkose
Austrocknung des Körpers durch Flüssigkeitsmangel, die zu Kreislaufversagen, Nierenschädigung und Verwirrtheit führen kann.
Face-to-face-Kontakt
Im EE-Konzept die Zeit, die Patient und Angehöriger pro Woche im direkten persönlichen Kontakt miteinander verbringen. Mehr als etwa 35 Stunden pro Woche gilt bei hohem EE-Status als zusätzlicher Risikofaktor.
Facharztstandard bzw. fachlicher Standard
Nach § 630a Abs. 2 BGB geschuldeter, zum Zeitpunkt der Behandlung allgemein anerkannter fachlicher Sorgfaltsmaßstab.
Fachkreise (HWG)
Nach § 2 HWG Angehörige der Heilberufe oder des Heilgewerbes, Gesundheitseinrichtungen und Personen, die beruflich mit Arzneimitteln oder Medizinprodukten umgehen. Werbung an sie unterliegt weniger strengen Beschränkungen als Publikumswerbung.
Fahrlässige Körperverletzung
Straftat nach § 229 StGB, bei der eine Person durch Außerachtlassen der gebotenen Sorgfalt die Gesundheit eines anderen schädigt.
Familienskulptur
Aktionsorientierte systemische Methode, bei der ein Familienmitglied die anderen im Raum aufstellt. So werden Beziehungen, Nähe und Distanz nonverbal dargestellt.
FAST-Schema
Merkhilfe zur Schlaganfallerkennung durch Laien: Face, Arms, Speech, Time. Ein positiver Befund erfordert den sofortigen Notruf.
Fazialisparese
Lähmung der vom Nervus facialis versorgten Gesichtsmuskulatur, zum Beispiel ein herabhängender Mundwinkel.
Febrile (perniziöse) Katatonie
Lebensbedrohliche Verlaufsform eines katatonen Syndroms mit hohem Fieber, Stupor oder Erregung und schwerer vegetativer Entgleisung. Sie wurde bereits vor Einführung der Antipsychotika beschrieben.
Feindseligkeit (Expressed Emotion)
EE-Komponente, bei der der Patient als Person generalisiert abgewertet oder abgelehnt wird, statt dass nur einzelne Verhaltensweisen kritisiert werden.
Ferritin
Eisenspeicherprotein, dessen Konzentration im Blut als Maß für die Eisenreserven des Körpers dient. Ein erniedrigter Wert weist auf einen Eisenmangel hin.
Fetischistischer Transvestitismus
Störung der Sexualpräferenz, bei der das Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung hauptsächlich der sexuellen Erregung dient (ICD-10 F65.1).
Fixierung
Starke Bindung der Libido an eine bestimmte frühere Entwicklungsstufe, zu der bei späteren Belastungen eine Regression erfolgen kann.
Flexibilitas cerea
Wächserne Biegsamkeit; die Gliedmaßen lassen sich gegen einen leichten, gleichmäßigen Widerstand wie Wachs in Positionen bringen, in denen sie verbleiben.
Fluency Shaping
Therapieansatz beim Stottern, der eine neue, flüssigere Sprechweise, etwa durch weiche Stimmeinsätze und gedehntes Sprechen, systematisch einübt.
Flumazenil
Kompetitiver Antagonist an der Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors; Gegenmittel bei Benzodiazepin- und Z-Substanz-Vergiftungen.
Fokus
In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie der umschriebene, aktuell wirksame unbewusste Konflikt, auf den sich die Behandlung konzentriert.
Folie à deux
Französische Bezeichnung für die induzierte wahnhafte Störung, bei der zwei eng verbundene Personen denselben Wahn teilen.
Forcierte Normalisierung
Auftreten psychischer Störungen, insbesondere Psychosen, bei Normalisierung des EEG und Anfallsfreiheit; klinisch auch Alternativpsychose genannt.
Forschungskriterien der ICD-10
Präzisere, operationalisierte Diagnosekriterien der ICD-10 (Diagnostic Criteria for Research), die vor allem in Studien und strukturierter Diagnostik verwendet werden.
Frascati-Kriterien
International verwendete Forschungskriterien von 2007 zur Einteilung HIV-assoziierter neurokognitiver Störungen in ANI, MND und HAD.
Frei flottierende Angst
Angst, die nicht an bestimmte Objekte oder Situationen gebunden ist, sondern anhaltend und ungerichtet besteht; typisch für die generalisierte Angststörung.
Freiheitsentziehende Unterbringung
Aufenthalt in einer geschlossenen Einrichtung, die die Bewegungsfreiheit gegen den Willen der betroffenen Person einschränkt. Sie bedarf bei Minderjährigen der familiengerichtlichen Genehmigung.
Fremdanamnese
Erhebung der Krankheitsvorgeschichte durch Befragung von Angehörigen oder anderen Bezugspersonen statt des Patienten selbst.
Fremdeln
Normales Entwicklungsphänomen etwa ab dem 6. bis 8. Lebensmonat, bei dem ein Säugling auf unbekannte Personen mit Zurückhaltung oder Angst reagiert.
Frontalhirnkontusion
Prellungsherd mit Gewebsschädigung im Stirnhirn infolge eines Schädel-Hirn-Traumas. Häufige Ursache einer frontalen Wesensänderung.
Frontalhirnsyndrom
Folge einer Schädigung des Stirnhirns mit Antriebsstörung, Enthemmung, Distanzlosigkeit, Kritik- und Urteilsschwäche sowie Persönlichkeitsveränderung.
Frontallappenepilepsie
Fokale Epilepsieform mit Anfallsursprung im Stirnhirn, deren Anfälle häufig im Schlaf auftreten und mit heftigen, stereotypen Bewegungen einhergehen. Sie wird leicht mit Parasomnien verwechselt.
Frontotemporale Demenz
Neurodegenerative Demenzform mit bevorzugter Atrophie des Frontal- und Temporallappens. Sie beginnt oft im mittleren Lebensalter mit Persönlichkeitsveränderungen oder Sprachstörungen.
Frühdyskinesie
Akut auftretende, unwillkürliche Muskelverkrampfung, besonders an Augen, Zunge, Schlund und Hals. Sie tritt in den ersten Tagen einer Behandlung mit Dopaminantagonisten auf.
Frühwarnzeichen
Meist unspezifische psychische und Verhaltensänderungen, die einem psychotischen Rezidiv vorausgehen, z. B. Schlafstörungen, Unruhe oder Rückzug.
Fütterstörung
Im frühen Kindesalter beginnende Störung mit Nahrungsverweigerung oder extrem wählerischem Essverhalten ohne organische Ursache, oft verbunden mit unzureichender Gewichtszunahme.
GABA-A-Rezeptor
Ionenkanal-Rezeptor für den hemmenden Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure; Angriffspunkt von Benzodiazepinen, Z-Substanzen und Alkohol.
Gastrokolischer Reflex
Reflektorische Steigerung der Dickdarmbewegung nach Nahrungsaufnahme, die etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Essen Stuhldrang auslösen kann.
GBL (Gamma-Butyrolacton)
Industrielles Lösungsmittel, das im Körper rasch zu GHB verstoffwechselt wird und deshalb missbräuchlich als Rauschmittel konsumiert wird.
Gedankeneingebung
Ich-Störung, bei der die betroffene Person ihre Gedanken als von außen eingegeben und nicht als eigene erlebt. Sie gilt als Symptom ersten Ranges der Schizophrenie.
Gedeihstörung
Unzureichende Gewichts- und Längenzunahme eines Säuglings oder Kleinkindes im Vergleich zur Altersnorm, die organische oder psychosoziale Ursachen haben kann.
Gefährdungseinschätzung
Strukturierte fachliche Bewertung, ob und in welchem Ausmaß gewichtige Anhaltspunkte auf eine Gefährdung des Kindeswohls hinweisen.
Gefahrenabwehrprüfung
Charakter der Heilpraktikerüberprüfung: Sie stellt fest, ob von der Tätigkeit eine Gefahr für die Volksgesundheit ausgeht, und prüft keinen Ausbildungsstand im Sinne einer Fachprüfung.
Gefahr im Verzug
Situation, in der ein Abwarten bis zur regulären Entscheidung zu einem Schaden führen würde; sie erlaubt ausnahmsweise ein eigenständiges Handeln.
Geformtes Hämatom
Bluterguss, der die Form des verursachenden Gegenstands oder der Hand erkennen lässt, z. B. Griffmarken, Striemen oder Abdruck eines Gürtels.
Gefühl der Gefühllosigkeit
Subjektiv erlebter, quälender Verlust der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Das Symptom ist typisch für schwere depressive Episoden.
Gegenwärtige Gefahr
Zustand, in dem der Eintritt eines Schadens unmittelbar bevorsteht oder bei ungestörtem Fortgang der Dinge ohne sofortiges Handeln sehr wahrscheinlich ist.
Gekreuzte Transaktion
Transaktion, bei der die Antwort aus einem anderen als dem angesprochenen Ich-Zustand kommt oder sich an einen anderen Ich-Zustand richtet. Dadurch wird die Kommunikation typischerweise gestört.
Gemeinsame Entscheidungsfindung
Partizipatives Vorgehen (Shared Decision Making), bei dem Behandler und Patient Behandlungsentscheidungen auf Grundlage gemeinsam besprochener Informationen treffen.
Gemischte affektive Episode
Gleichzeitiges Vorliegen oder rascher Wechsel manischer und depressiver Symptome innerhalb einer Episode.
Gemischte Episode
Affektive Episode von mindestens zwei Wochen Dauer, in der manische bzw. hypomanische und depressive Symptome gleichzeitig vorliegen oder rasch, meist innerhalb von Stunden, wechseln.
Generalisierte Angststörung
Angststörung nach ICD-10 F41.1 mit anhaltender, frei flottierender Angst und Sorgen über alltägliche Ereignisse, begleitet von vegetativen Symptomen.
Generalisierter tonisch-klonischer Anfall
Epileptischer Anfall mit Bewusstseinsverlust, initialer Versteifung (tonische Phase) und anschließenden rhythmischen Zuckungen (klonische Phase) beider Körperhälften.
Genogramm
Grafische Darstellung einer Familie über mehrere Generationen mit standardisierten Symbolen. Sie zeigt Personen, Lebensdaten, wichtige Ereignisse und Beziehungsmuster.
Gesamtvertretung
Grundsatz, nach dem gemeinsam sorgeberechtigte Eltern ihr Kind rechtlich nur gemeinschaftlich vertreten (§ 1629 Abs. 1 BGB).
Geschäftsunfähigkeit
Fehlende Fähigkeit, wirksame Willenserklärungen abzugeben; Willenserklärungen Geschäftsunfähiger sind nichtig (§§ 104, 105 BGB).
Geschlechtsidentität
Das innere, subjektive Erleben, einem bestimmten Geschlecht anzugehören. Es kann vom bei Geburt zugewiesenen Geschlecht abweichen.
Gesichtsfeldausfall
Teilweiser Verlust des Gesichtsfelds, zum Beispiel als homonyme Hemianopsie. Er kann bei Durchblutungsstörungen der Sehbahn oder der Sehrinde auftreten.
Gestufte Exposition
Verhaltenstherapeutisches Verfahren, bei dem sich ein Patient schrittweise und wiederholt angstauslösenden Situationen aussetzt, ohne sie zu vermeiden, bis die Angst nachlässt.
Gestützte Kommunikation
Methode, bei der eine Hilfsperson Hand oder Arm einer nicht sprechenden Person beim Tippen führt. Sie gilt als widerlegt, da die Äußerungen nachweislich von der Hilfsperson beeinflusst werden.
Geteilte Aufmerksamkeit (Joint Attention)
Fähigkeit, die Aufmerksamkeit gemeinsam mit einer anderen Person auf einen Gegenstand zu richten, etwa durch Zeigen oder Blickfolgen. Sie entwickelt sich normalerweise gegen Ende des ersten Lebensjahres.
GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure)
Zentral dämpfende Substanz, die in niedriger Dosis euphorisierend und enthemmend, in höherer Dosis sedierend bis narkotisch wirkt. Als Natriumoxybat ist sie zur Behandlung der Narkolepsie zugelassen.
Glossopharyngealkrampf
Zungen-Schlund-Krampf als Form der akuten Dystonie mit Verkrampfung von Zungen- und Schlundmuskulatur. Er kann zu Sprech- und Schluckstörungen sowie Atemnot führen.
Glukagon
Blutzuckersteigerndes Hormon, das bei schwerer Hypoglykämie als Notfallmedikament injiziert oder nasal verabreicht werden kann.
Grand-mal-Anfall
Generalisierter tonisch-klonischer epileptischer Anfall mit Bewusstseinsverlust, Muskelversteifung und anschließenden rhythmischen Zuckungen.
Gruppendelinquenz
Strafbares oder normverletzendes Verhalten, das gemeinsam mit einer Gruppe Gleichaltriger begangen wird; typisch für die Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen.
Hakim-Trias
Klassische Symptomkombination des Normaldruckhydrozephalus aus Gangstörung, Demenz bzw. kognitiver Beeinträchtigung und Harninkontinenz.
Halbwertszeit
Zeit, in der die Konzentration eines Wirkstoffs im Blut auf die Hälfte abgesunken ist. Sie bestimmt unter anderem, wie schnell nach dem Absetzen Wirkungsverlust und Absetzsymptome auftreten.
Hämodialyse
Blutreinigungsverfahren, bei dem gelöste Stoffe über eine Membran außerhalb des Körpers aus dem Blut entfernt werden.
Hangover-Effekt
Fortbestehende sedierende Wirkung eines Schlafmittels am Folgetag mit Müdigkeit und eingeschränkter Leistungsfähigkeit.
Harnverhalt
Unfähigkeit, die gefüllte Harnblase spontan zu entleeren. Er kann medikamentös, etwa durch anticholinerg wirkende Substanzen, ausgelöst werden.
Hebephrene Schizophrenie
Unterform der Schizophrenie mit Beginn meist im Jugendalter, gekennzeichnet durch flachen und inadäquaten Affekt, ungeordnetes Denken und läppisches, enthemmtes Verhalten.
Heilkunde im Umherziehen
Ausübung der Heilkunde ohne feste Niederlassung, bei der die behandelnde Person ohne vorherige Bestellung Patientinnen und Patienten aufsucht und ihre Leistungen anbietet. Hausbesuche auf Anforderung gehören nicht dazu.
Heilmittelwerbegesetz (HWG)
Bundesgesetz, das die Werbung für Arzneimittel, Medizinprodukte sowie für Verfahren und Behandlungen im Gesundheitswesen regelt. Es soll Patientinnen und Patienten vor irreführender und unsachlicher Gesundheitswerbung schützen.
Heilversprechen
Werbeaussage, die einen sicheren Behandlungserfolg zusichert oder suggeriert. Sie gilt nach § 3 HWG als irreführende Werbung und ist unzulässig.
Heller-Syndrom
Historische Bezeichnung (Dementia infantilis) für eine desintegrative Störung, bei der nach normaler Entwicklung bis mindestens zum zweiten Lebensjahr ein Verlust erworbener Fähigkeiten eintritt (ICD-10 F84.3).
Hepatotoxizität
Schädigende Wirkung eines Stoffes auf die Leber.
Herz-Lungen-Wiederbelebung
Notfallmaßnahme aus Herzdruckmassage und, falls möglich, Beatmung bei Kreislaufstillstand. Sie soll die Sauerstoffversorgung des Gehirns bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes sichern.
Herzübung
Vierte Grundübung des autogenen Trainings der Unterstufe mit der Formel „Herz schlägt ruhig und gleichmäßig“.
Hilfs-Ich
Im Psychodrama ein Mitspieler, der Rollen bedeutsamer Personen oder innerer Anteile des Protagonisten übernimmt und ihn im Spiel unterstützt.
HIV-assoziierte neurokognitive Störung
Durch die HIV-Infektion des Gehirns verursachte kognitive Beeinträchtigung. Sie reicht von unbemerkten Testauffälligkeiten bis zur Demenz (HAND).
Hochpotente Antipsychotika
Antipsychotika mit starker Dopamin-D2-Rezeptor-Blockade und ausgeprägter antipsychotischer Wirkung bereits in niedriger Dosis, zum Beispiel Haloperidol. Sie verursachen häufiger extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen.
Hochpotentes Antipsychotikum
Antipsychotikum mit starker Dopamin-D2-Blockade und ausgeprägter antipsychotischer Wirkung bereits in niedriger Dosis, z. B. Haloperidol. Es ist mit einem erhöhten Risiko extrapyramidalmotorischer Nebenwirkungen verbunden.
Horrortrip
Umgangssprachliche Bezeichnung für eine akute Halluzinogenintoxikation mit ausgeprägter Angst, Panik und bedrohlich erlebten Wahrnehmungsveränderungen.
Hospital-Hopper-Syndrom
Wiederholter Wechsel zwischen Kliniken mit vorgetäuschten oder selbst erzeugten Beschwerden. Es ist in der ICD-10 unter F68.1 eingeschlossen.
Hyperakusis
Krankhafte Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen; häufiges Wahrnehmungssymptom im Benzodiazepinentzug.
Hyperemesis gravidarum
Übermäßiges, anhaltendes Erbrechen in der Schwangerschaft mit Gewichtsverlust und Störungen des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts.
Hyperforin
Inhaltsstoff des Johanniskrauts, der die Wiederaufnahme mehrerer Neurotransmitter hemmt und Leberenzyme induziert.
Hyperglykämie
Erhöhter Blutzuckerspiegel. Sie zeigt sich unter anderem durch starken Durst, vermehrtes Wasserlassen und Müdigkeit.
Hypericin
Roter Farbstoff des Johanniskrauts mit photosensibilisierender Wirkung.
Hypericum perforatum
Botanischer Name des Echten Johanniskrauts. Seine Extrakte werden als pflanzliches Antidepressivum eingesetzt.
Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens
ICD-10-Kategorie F90.1 für das gemeinsame Vorliegen einer hyperkinetischen Störung und einer Störung des Sozialverhaltens.
Hypermnesie
Gesteigerte Erinnerungsfähigkeit, bei der Gedächtnisinhalte ungewöhnlich lebhaft und detailreich abgerufen werden.
Hyperoralität
Gesteigertes orales Verhalten, etwa übermäßiges Essen, Heißhunger auf Süßes oder das In-den-Mund-Nehmen nicht essbarer Gegenstände.
Hyperprolaktinämie
Erhöhter Spiegel des Hypophysenhormons Prolaktin im Blut. Sie kann Libido- und Potenzstörungen, Milchfluss und Zyklusstörungen verursachen und tritt häufig unter dopaminblockierenden Antipsychotika auf.
Hyperreflexie
Krankhaft gesteigerte Muskeleigenreflexe, häufig mit verbreiterten Reflexzonen oder Klonus.
Hypersomnie
Zustand übermäßiger Schlafneigung während des Tages oder verlängerter Übergangszeit zum vollen Wachzustand nach dem Aufwachen, der nicht durch unzureichende Schlafdauer erklärbar ist.
Hypertensive Krise
Akuter, starker Blutdruckanstieg mit Beschwerden wie Kopfschmerz, Übelkeit oder Sehstörungen. Bei Organschäden wie Hirnblutung spricht man von einem hypertensiven Notfall.
Hyperthermie
Erhöhung der Körperkerntemperatur, hier durch gestörte Wärmeregulation und vermehrte Muskelaktivität bedingt.
Hyperthyreose
Überfunktion der Schilddrüse mit vermehrter Hormonproduktion, die zu Unruhe, Herzrasen, Schwitzen, Gewichtsverlust und Angst führen kann.
Hyperventilationstetanie
Durch übermäßiges Atmen ausgelöste Übererregbarkeit von Nerven und Muskeln mit Kribbeln und Verkrampfungen, etwa der Pfötchenstellung der Hände.
Hypnagoge Halluzination
Sinnestäuschung im Übergang vom Wachen zum Schlafen. Sie kann auch bei Gesunden vorkommen und hat für sich allein keinen Krankheitswert.
Hypochondrische Störung
Somatoforme Störung nach ICD-10 (F45.2), bei der eine anhaltende, nicht wahnhafte Überzeugung oder Angst besteht, an einer ernsthaften körperlichen Krankheit zu leiden. Unauffällige Untersuchungsbefunde beruhigen die Betroffenen nicht dauerhaft.
Hypoglykämie
Erniedrigter Blutzuckerspiegel, der zu Unruhe, Schwitzen, Verwirrtheit, Aggressivität und bis zur Bewusstlosigkeit führen kann.
Hypokaliämie
Erniedrigte Kaliumkonzentration im Blut (unter etwa 3,5 mmol/l). Sie kann Muskelschwäche, Obstipation und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen verursachen.
Hypomanie
Abgeschwächte Form der Manie mit anhaltend leicht gehobener Stimmung, gesteigertem Antrieb und vermindertem Schlafbedürfnis über mehrere Tage, ohne psychotische Symptome und ohne schwere soziale Beeinträchtigung.
Hyponatriämie
Erniedrigte Natriumkonzentration im Blut. Sie kann zu Übelkeit, Verwirrtheit, Krampfanfällen und Bewusstseinsstörungen führen.
Hypophosphatämie
Erniedrigter Phosphatspiegel im Blut. Er kann unter anderem Muskelschwäche, Herz- und Ateminsuffizienz sowie Bewusstseinsstörungen verursachen.
Hypothermie
Absinken der Körperkerntemperatur unter etwa 35 °C. Bei Anorexia nervosa ist sie Ausdruck eines stark reduzierten Energiestoffwechsels.
Hypothetisieren
Systemisches Prinzip, nach dem die Therapeutin fortlaufend vorläufige Annahmen über die Funktion eines Symptoms im System bildet. Diese Annahmen werden im Gespräch überprüft und gegebenenfalls verworfen.
Hypothyreose
Unterfunktion der Schilddrüse mit verminderter Hormonproduktion. Sie verursacht unter anderem Antriebsminderung, Müdigkeit, Kälteintoleranz, Gewichtszunahme und Libidoverlust und kann eine Depression nachahmen.
Hypoxie
Mangelnde Sauerstoffversorgung des Gewebes, bei einer Opioidüberdosis typischerweise infolge der Atemdepression.
Ich-dyston
Bezeichnung für Erleben, das von der betroffenen Person als nicht zu sich gehörig, fremd und unsinnig empfunden wird, typisch für Zwangsgedanken.
Ichdystone Sexualorientierung
ICD-10-Diagnose F66.1, bei der die sexuelle Orientierung selbst nicht gestört ist, die betroffene Person sich aber wegen begleitender psychischer Probleme eine andere Orientierung wünscht.
Ich-Funktionen
Psychische Fähigkeiten des Ich, etwa Realitätsprüfung, Urteilsvermögen, Impulskontrolle, Affektregulation und Abwehr. Ihr Zustand bestimmt maßgeblich die Ich-Stärke.
Ich-Ideal
Teil des Über-Ichs, der die verinnerlichten Idealvorstellungen und Vorbilder enthält, an denen sich das Ich misst.
Ich-Stärke
Psychoanalytischer Begriff für die Fähigkeit des Ich, Triebimpulse, Affekte und Anforderungen der Realität zu integrieren. Er umfasst unter anderem Realitätsprüfung, Impulskontrolle, Angst- und Frustrationstoleranz.
Ich-Störung
Störung des Erlebens der Abgrenzung zwischen eigener Person und Umwelt, etwa Gedankeneingebung, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung oder Fremdbeeinflussungserleben.
Ich-Zustände
In der Transaktionsanalyse zusammenhängende Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens. Unterschieden werden Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich.
Idealisierung
Abwehrvorgang, bei dem eine Person übermäßig positiv und frei von Mängeln wahrgenommen wird; häufig im Wechsel mit Entwertung.
Ideenflucht
Formale Denkstörung mit beschleunigtem Gedankengang, bei dem der Patient ständig von einem Gedanken zum nächsten springt und das Ziel des Gedankengangs verliert; typisch für die Manie.
Illusion
Wahrnehmungsstörung, bei der ein real vorhandener Sinnesreiz verfälscht wahrgenommen oder umgedeutet wird.
Illusionäre Verkennung
Wahrnehmungsstörung, bei der ein real vorhandener Reiz falsch gedeutet wird, etwa ein Mantel im Dunkeln als Person.
Immaterielle Interessen
Nicht vermögensbezogene, etwa persönliche oder emotionale Belange von Angehörigen. Ein Beispiel ist der Wunsch, die Umstände des Todes eines nahestehenden Menschen nachzuvollziehen.
Immersionsverbrühung
Verbrühung durch Eintauchen eines Körperteils in heiße Flüssigkeit, typischerweise mit scharfer, gleichmäßiger Begrenzung und ohne Spritzer.
Imperative Stimmen
Akustische Halluzinationen, die dem Betroffenen Befehle erteilen. Sie gelten als Hinweis auf eine erhöhte Selbst- und Fremdgefährdung.
Impulskontrollstörung
Wiederholte Unfähigkeit, einem Impuls zu einer schädlichen Handlung zu widerstehen, etwa zu Glücksspiel, Kaufen oder sexuellem Verhalten. Sie kann unter dopaminergen Medikamenten auftreten.
Indexpatient
In der systemischen Therapie das Familienmitglied, das die Symptome zeigt und meist der Anlass für die Behandlung ist. Das Symptom wird als Ausdruck des gesamten Systems verstanden.
Induzierte wahnhafte Störung
Wahnhafte Störung (ICD-10 F24), bei der eine Person mit enger emotionaler Bindung den Wahn einer psychotisch erkrankten Person übernimmt. Auch als Folie à deux bezeichnet.
Infantizid
Tötung eines Kindes, insbesondere eines Säuglings. Im Wochenbett ist das Risiko bei psychotischen Störungen der Mutter erhöht.
Inklusivum
In der ICD-10 aufgeführter Begriff, der ausdrücklich unter einer bestimmten Kategorie zu verschlüsseln ist, etwa ein älteres Synonym oder eine verwandte Zustandsbeschreibung.
Innerfamiliärer sexueller Missbrauch
Sexueller Missbrauch eines Kindes oder Jugendlichen durch ein Familienmitglied oder eine Person aus dem engen häuslichen Umfeld, etwa einen Elternteil oder Stiefelternteil.
Inobhutnahme
Vorläufige Schutzmaßnahme des Jugendamts nach § 42 SGB VIII. Ein Kind oder Jugendlicher wird bei dringender Gefahr für sein Wohl vorübergehend außerhalb der Familie untergebracht.
INR
International Normalized Ratio. Standardisierter Laborwert zur Kontrolle der Blutgerinnung unter Vitamin-K-Antagonisten.
Insoweit erfahrene Fachkraft
Speziell qualifizierte Fachkraft im Kinderschutz, die Berufsgeheimnisträger und Einrichtungen bei der Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung berät. Ihre Beratung erfolgt in der Regel anonymisiert oder pseudonymisiert.
Intellektualisierung
Abwehrmechanismus, bei dem konflikthafte Themen abstrakt und rational behandelt werden, um die damit verbundenen Gefühle zu vermeiden.
Interozeptive Exposition
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der angstbesetzte Körperempfindungen absichtlich ausgelöst werden. Der Patient soll so erfahren, dass diese Empfindungen ungefährlich sind.
Intoxikation
Vergiftung durch Aufnahme einer Substanz in einer Menge, die zu körperlichen oder psychischen Funktionsstörungen führt.
Introvertiertheit
Nach innen gerichtete Grundhaltung mit Zurückhaltung im sozialen Kontakt und vorrangiger Beschäftigung mit der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt.
Intrusion
Sich unwillkürlich aufdrängende, belastende Erinnerungen an ein traumatisches Ereignis, etwa in Form von Bildern, Gedanken oder Nachhallerinnerungen.
Irreführende Werbung
Werbung, die durch unwahre oder zur Täuschung geeignete Angaben falsche Vorstellungen über Wirkung, Erfolg oder Qualifikation hervorruft. Im Heilwesen ist sie nach § 3 HWG verboten und nach § 14 HWG strafbar.
Isolierung des Affekts
Abwehrmechanismus, bei dem eine Vorstellung bewusst bleibt, aber von dem zugehörigen Gefühl getrennt wird.
Jackson-Anfall
Fokaler motorischer Anfall, bei dem sich die Zuckungen entsprechend der Anordnung im motorischen Kortex fortschreitend auf benachbarte Körperregionen ausbreiten.
Jamais-vu-Erlebnis
Gedächtnistäuschung, bei der eine vertraute Situation als fremd und nie erlebt empfunden wird.
Jedermannsdelikt
Straftatbestand, der von jeder Person verwirklicht werden kann und keine besondere Täterstellung, etwa als Arzt oder Angehöriger, voraussetzt.
Kassenzulassung
Zulassung zur vertragsärztlichen bzw. vertragspsychotherapeutischen Versorgung nach § 95 SGB V, die zur Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung berechtigt.
Katalepsie
Katatones Symptom, bei dem passiv vorgegebene Körperhaltungen auch bei Unbequemlichkeit über lange Zeit beibehalten werden.
Katalogstraftat
Straftat, die in einer gesetzlichen Aufzählung ausdrücklich genannt ist und dadurch besondere Rechtsfolgen auslöst, etwa die Anzeigepflicht nach § 138 StGB.
Katalogtat
Straftat, die in einer abschließenden gesetzlichen Aufzählung genannt ist, etwa in § 138 StGB, und an die besondere Rechtsfolgen wie eine Anzeigepflicht geknüpft sind.
Katastrophisieren
Kognitive Verzerrung, bei der aus einem harmlosen Reiz die schlimmstmögliche Folge abgeleitet wird. Ein Beispiel ist der Gedanke, ein Kopfschmerz bedeute einen Hirntumor.
Kindeswohlgefährdung
Gegenwärtige, in einem solchen Maß vorhandene Gefahr für das körperliche, geistige oder seelische Wohl eines Kindes, dass sich bei weiterer Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt.
Kleines Sorgerecht
Mitentscheidungsbefugnis eines Stiefelternteils in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes nach § 1687b BGB.
Kleptomanie
Störung der Impulskontrolle mit wiederholtem Stehlen von Gegenständen, die weder dem persönlichen Gebrauch noch der Bereicherung dienen. Typisch sind Spannung vor und Befriedigung während bzw. nach der Tat (ICD-10 F63.2).
Kognitive Fluktuation
Spontane, deutliche Schwankungen von Aufmerksamkeit, Wachheit und kognitiver Leistungsfähigkeit innerhalb von Stunden oder Tagen.
Kognitive Verzerrungen
Systematisch verzerrte Denkmuster. Im Kontext sexueller Übergriffe sind es etwa Rechtfertigungen oder Verharmlosungen, die die Hemmschwelle für eine Tat senken.
Kombinationsbehandlung
Gleichzeitige Anwendung von Psychotherapie und Pharmakotherapie, die insbesondere bei mittelgradigen und schweren depressiven Episoden empfohlen wird.
Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen
ICD-10-Kategorie F92 für das gemeinsame Auftreten von anhaltend dissozialem, aggressivem oder aufsässigem Verhalten mit deutlichen Symptomen von Depression, Angst oder anderen emotionalen Störungen.
Kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten
Kategorie der ICD-10 (F81.3) für die gleichzeitige deutliche Beeinträchtigung von Rechen- sowie Lese- oder Rechtschreibfertigkeiten, die nicht durch Intelligenzminderung oder unangemessene Beschulung erklärbar ist.
Kommentierende Stimmen
Akustische Halluzinationen in Form von Stimmen, die das Verhalten der betroffenen Person begleitend bewerten oder beschreiben. Sie gelten nach ICD-10 als charakteristisches Symptom der Schizophrenie.
Komplexe schlafbezogene Verhaltensweisen
Handlungen wie Schlafwandeln, Essen oder Autofahren im nicht vollständig wachen Zustand mit anschließender Erinnerungslücke; bekannte Nebenwirkung von Z-Substanzen.
Komplex-fokaler Anfall
Ältere Bezeichnung für einen fokalen Anfall mit Bewusstseinsstörung, häufig mit Automatismen und anschließender Amnesie.
Konfabulation
Ausfüllen von Gedächtnislücken mit erfundenen Inhalten, die der Betroffene selbst für wahr hält.
Konversionsbehandlung
Maßnahme, die auf die Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität gerichtet ist. In Deutschland ist sie bei Minderjährigen gesetzlich verboten.
Konzentrationsstörung
Verminderte Fähigkeit, die Aufmerksamkeit über längere Zeit auf eine Tätigkeit oder einen Gegenstand gerichtet zu halten.
Körperdysmorphe Störung
Anhaltende, übermäßige Beschäftigung mit einem vermeintlichen oder geringfügigen Makel des äußeren Erscheinungsbildes. In der ICD-10 ist sie der hypochondrischen Störung (F45.2) zugeordnet.
Korsakow-Syndrom
Amnestisches Syndrom mit schwerer Störung des Kurzzeit- und Neugedächtnisses, Desorientierung und Konfabulationen, meist infolge eines Thiaminmangels bei Alkoholabhängigkeit.
K.-o.-Tropfen
Umgangssprachliche Bezeichnung für Substanzen wie GHB, die Betroffenen heimlich verabreicht werden, um sie zu betäuben und wehrlos zu machen.
Krankenrolle
Soziale Rolle einer als krank anerkannten Person, die mit Zuwendung, Versorgung und Entlastung von Pflichten verbunden ist. Ihr Erlangen gilt als vermutetes Ziel bei der artifiziellen Störung.
Krankheitswahn
Wahnhafte, unkorrigierbare Überzeugung, an einer schweren Krankheit zu leiden (hypochondrischer Wahn). Er tritt z. B. bei schwerer Depression mit psychotischen Symptomen, Schizophrenie oder wahnhafter Störung auf.
Kreatinkinase (CK)
Enzym der Muskelzellen. Eine starke Erhöhung im Blut weist auf eine Schädigung oder einen Zerfall von Muskelgewebe hin.
Kreuz-Stern-System
Verschlüsselungssystem der ICD-10. Die Grunderkrankung erhält ein Kreuz (†), die Manifestation in einem Organsystem einen Stern (*), z. B. B22† und F02.4*.
Kreuztoleranz
Toleranz gegenüber einer Substanz, die sich auch auf andere Substanzen mit gleichem Wirkmechanismus erstreckt.
Krisenintervention
Zeitlich begrenzte, auf die akute Situation ausgerichtete Hilfe bei psychischen Krisen. Ziel ist es, die Betroffenen zu stabilisieren, Gefährdungen abzuwenden und Ressourcen zu aktivieren.
Krisenplan
Gemeinsam mit dem Patienten erstellte schriftliche Vereinbarung, die individuelle Frühwarnzeichen, Ansprechpartner und Maßnahmen für den Fall einer drohenden Krise festlegt.
KVT-I
Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie; mehrkomponentiges Verfahren mit Schlafhygiene, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion, Entspannung und kognitiven Techniken.
Längere depressive Reaktion
Unterform der Anpassungsstörung (F43.21) mit leichtem depressivem Zustand als Reaktion auf eine länger anhaltende Belastung. Die Dauer beträgt höchstens zwei Jahre.
Latenzzeit
Entwicklungsabschnitt zwischen dem Untergang des Ödipuskomplexes und der Pubertät, in dem sexuelle Triebregungen zurücktreten.
Lebensskript
In der Transaktionsanalyse ein in der Kindheit unter dem Einfluss der Eltern entwickelter, weitgehend unbewusster Lebensplan. Er bestimmt spätere Entscheidungen und Beziehungsmuster mit.
Leichtfertigkeit
Gesteigerte Form der Fahrlässigkeit, bei der jemand in besonders grobem Maß die erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt.
Leistungsknick
Deutlicher, oft schleichender Abfall der schulischen, beruflichen oder sozialen Leistungsfähigkeit gegenüber dem früheren Niveau.
Letalität
Anteil der an einer bestimmten Erkrankung Erkrankten, die an dieser Erkrankung versterben.
Lewy-Körperchen-Demenz
Neurodegenerative Demenzform mit Ablagerungen von Alpha-Synuklein (Lewy-Körperchen) in Nervenzellen. Sie ist gekennzeichnet durch kognitive Fluktuationen, optische Halluzinationen und ein Parkinson-Syndrom.
Lichttherapie
Behandlung mit hellem, UV-gefiltertem Weißlicht, meist etwa 10.000 Lux am Morgen, die vor allem bei saisonal abhängiger Depression über die Beeinflussung der zirkadianen Rhythmik wirkt.
Liquorablassversuch
Diagnostische Entnahme einer größeren Liquormenge durch Lumbalpunktion, um zu prüfen, ob sich Gang und Kognition dadurch bessern.
Lithiumintoxikation
Vergiftung durch erhöhte Lithiumserumspiegel mit Symptomen wie grobschlägigem Tremor, Erbrechen, Durchfall, Ataxie, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfällen.
Lorazepam
Verschreibungspflichtiges Benzodiazepin mit angstlösender, sedierender und antikonvulsiver Wirkung, das in der Akutbehandlung katatoner Zustände eingesetzt wird.
LSD (Lysergsäurediethylamid)
Halbsynthetisches, bereits im Mikrogrammbereich wirksames Halluzinogen, das tiefgreifende Veränderungen von Wahrnehmung, Denken und Erleben hervorruft.
Lungenembolie
Verschluss einer Lungenarterie, meist durch ein verschlepptes Blutgerinnsel, mit plötzlicher Atemnot, Brustschmerz und Tachykardie; lebensbedrohlicher Notfall.
Lustprinzip
Nach Freud das Bestreben des psychischen Apparats, Unlust zu vermeiden und Triebbefriedigung unmittelbar zu erreichen; es kennzeichnet das Es.
Luzides Intervall
Symptomfreie Zwischenphase zwischen einem Ereignis, z. B. einer Anfallsserie, und dem Auftreten neuer Symptome.
Magisches Denken
Überzeugung, durch Gedanken, Worte oder Handlungen Ereignisse auf nicht kausal erklärbare Weise beeinflussen zu können.
Magnetischer Gang
Gangbild, bei dem die Füße kaum vom Boden abgehoben werden und wie am Boden festgeklebt wirken. Er ist typisch für den Normaldruckhydrozephalus.
Maligne Hyperthermie
Genetisch bedingte, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung der Skelettmuskulatur, ausgelöst durch bestimmte Narkosemittel. Sie geht mit Muskelrigidität und rasch ansteigender Körpertemperatur einher.
Maligne Regression
Von Michael Balint beschriebene destruktive Form der Regression. Der Patient verharrt dabei in Abhängigkeit und fordert anhaltend Bedürfnisbefriedigung vom Therapeuten, ohne einen therapeutischen Neubeginn zu erreichen.
Malignes neuroleptisches Syndrom
Seltene, potenziell tödliche Nebenwirkung von Neuroleptika. Sie ist gekennzeichnet durch Rigor, Hyperthermie, autonome Instabilität, Bewusstseinsstörung und eine erhöhte Kreatinkinase.
Manische Episode
Affektive Störung (ICD-10 F30) mit gehobener oder gereizter Stimmung, gesteigertem Antrieb, vermindertem Schlafbedürfnis, Rededrang und oft Selbstüberschätzung, die mindestens eine Woche anhält.
MAO-Hemmer
Antidepressiva, die das Enzym Monoaminoxidase hemmen und so den Abbau von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin vermindern. Ein Beispiel ist Tranylcypromin.
Mathematische Basiskompetenzen
Grundlegende Fähigkeiten wie Mengenerfassung, Zählen, Zahlverständnis und Stellenwertverständnis, auf denen das Erlernen der Grundrechenarten aufbaut.
MDMA
3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin, Wirkstoff von „Ecstasy“; Amphetaminderivat mit stimulierender und entaktogener Wirkung.
MECP2
Gen auf dem X-Chromosom, das ein für die Regulation der Genaktivität in Nervenzellen wichtiges Protein kodiert. Mutationen darin sind die Hauptursache des Rett-Syndroms.
MECP2-Gen
Auf dem X-Chromosom gelegenes Gen, dessen Mutationen die häufigste Ursache des Rett-Syndroms sind.
Meningismus
Schmerzhafte Nackensteifigkeit bei passiver Kopfbeugung als Zeichen einer Reizung der Hirnhäute.
Merkfähigkeit
Fähigkeit, sich neue Eindrücke über einen kurzen Zeitraum von etwa zehn Minuten zu merken und sie anschließend wiederzugeben.
Metabolisches Syndrom
Kombination aus abdomineller Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und gestörtem Glukosestoffwechsel. Es erhöht das Risiko für Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Methodenrestriktion
Suizidpräventive Strategie, bei der der Zugang zu häufig genutzten Suizidmitteln wie Medikamenten, Schusswaffen oder gefährlichen Orten eingeschränkt wird.
Methylphenidat
Psychostimulans zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, das als Betäubungsmittel nur auf ärztliches Betäubungsmittelrezept verschrieben werden darf.
Mikrozephalie
Abnorm kleiner Kopfumfang, der beim Rett-Syndrom durch eine nach anfänglich normalem Wachstum einsetzende Verlangsamung des Kopfwachstums entsteht.
Mini-Mental-State-Examination (MMSE)
Standardisierter kognitiver Kurztest mit maximal 30 Punkten zum Screening auf kognitive Beeinträchtigungen, insbesondere bei Verdacht auf Demenz.
Miosis
Verengung der Pupillen. Stecknadelkopfgroße Pupillen sind ein typisches Zeichen der Opioidwirkung.
Mirtazapin
Noradrenerg und spezifisch serotonerg wirksames Antidepressivum (NaSSA) mit ausgeprägt sedierender Wirkung. Zu den Nebenwirkungen gehören Gewichtszunahme, Müdigkeit und die Auslösung oder Verstärkung eines Restless-Legs-Syndroms.
Mischintoxikation
Vergiftung durch den gleichzeitigen Konsum mehrerer psychotroper Substanzen, deren Wirkungen sich gegenseitig verstärken können.
Mischkonsum
Gleichzeitige oder zeitnahe Einnahme mehrerer psychotroper Substanzen, deren Wirkungen sich verstärken oder unvorhersehbar verändern können.
Mitbewegungen
Unwillkürliche Begleitbewegungen von Gesicht, Kopf oder Körper, die beim Stottern während der Sprechunflüssigkeiten auftreten.
Monoaminooxidase
Enzym, das Monoamine wie Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Tyramin abbaut. Es kommt in den Formen MAO-A und MAO-B vor.
Morbus Hirschsprung
Angeborenes Fehlen von Nervenzellen in einem Abschnitt der Darmwand, das zu schwerer chronischer Verstopfung führt und organisch behandelt werden muss.
Moria
Krankhaft heitere, läppische Gestimmtheit mit Neigung zu flachen Witzeleien (Witzelsucht). Sie tritt typischerweise bei Frontalhirnschädigungen auf.
Motivierende Gesprächsführung
Von Miller und Rollnick entwickelter klientenzentrierter, zugleich zielorientierter Gesprächsstil (Motivational Interviewing), der die eigene Veränderungsmotivation des Klienten durch Erkunden und Auflösen von Ambivalenz stärkt.
Multisystemische Therapie
Intensives, aufsuchendes Behandlungsprogramm für Jugendliche mit schwerem dissozialem Verhalten, das gleichzeitig an Familie, Schule, Gleichaltrigen und Nachbarschaft ansetzt.
Münchhausen-by-proxy-Syndrom
Form der Kindesmisshandlung, bei der eine Bezugsperson bei einem Kind Krankheitssymptome vortäuscht oder herbeiführt und so medizinische Behandlungen veranlasst. International wird es auch als fabricated or induced illness bezeichnet.
Muskelrelaxation
Herabsetzung des Muskeltonus; bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen eine Wirkung, die bei älteren Menschen zu Gangunsicherheit und Stürzen beitragen kann.
Mutismus
Verstummen bzw. Nichtsprechen bei intakten Sprechorganen und erhaltener Sprachfähigkeit.
Mutmaßlicher Wille
Wille, den eine Person nach ihren früheren Äußerungen, Wertvorstellungen und Lebensumständen vermutlich hätte. Er ist maßgeblich, wenn sie sich selbst nicht mehr äußern kann.
Mutter-Kind-Einheit
Stationäres psychiatrisches Behandlungsangebot, in dem Mütter gemeinsam mit ihrem Säugling aufgenommen werden, um Behandlung und Mutter-Kind-Beziehung gleichzeitig zu fördern.
Mydriasis
Erweiterung der Pupillen.
Myoglobinurie
Ausscheidung des Muskelfarbstoffs Myoglobin mit dem Urin. Sie färbt den Urin dunkel und kann die Nieren schädigen.
Myoklonie
Plötzliche, kurze, unwillkürliche Zuckung eines Muskels oder einer Muskelgruppe.
Myoklonien
Plötzliche, kurze, unwillkürliche Zuckungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen.
Nachhallzustand (Flashback)
Kurzzeitiges, unwillkürliches Wiedererleben von Wahrnehmungsveränderungen eines früheren Rausches ohne erneute Substanzeinnahme, typisch nach Halluzinogenkonsum.
Naloxon
Kurz wirksamer Opioidantagonist, der zur ärztlichen Notfallbehandlung von Opioidintoxikationen eingesetzt wird. In Deutschland ist er verschreibungspflichtig.
Namentliche Meldung
Meldung an das Gesundheitsamt unter Angabe personenbezogener Daten des Betroffenen, z. B. Name, Geburtsdatum und Anschrift.
NaSSA
Abkürzung für noradrenerges und spezifisch serotonerges Antidepressivum. Hauptvertreter ist Mirtazapin.
Neglect
Vernachlässigung einer Raum- oder Körperhälfte trotz intakter Sinnesorgane. Ursache ist meist eine rechtsparietale Hirnschädigung.
Nephrogener Diabetes insipidus
Unfähigkeit der Niere, den Harn zu konzentrieren, weil sie auf das antidiuretische Hormon nicht ausreichend anspricht; führt zu Polyurie und Polydipsie.
Nesteln
Ungerichtetes Zupfen und Hantieren an Kleidung oder Gegenständen; häufiger manueller Automatismus bei fokalen Anfällen mit Bewusstseinsstörung.
Neuralrohrdefekt
Angeborene Fehlbildung durch einen unvollständigen Verschluss des embryonalen Neuralrohrs, z. B. Spina bifida.
Neurasthenie
Störung (ICD-10 F48.0) mit anhaltender, abnormer Ermüdbarkeit nach geistiger oder geringer körperlicher Anstrengung. Begleitend treten unter anderem Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Reizbarkeit auf.
Neurodegenerative Erkrankung
Erkrankung mit fortschreitendem Untergang von Nervenzellen, etwa durch krankhafte Eiweißablagerungen. Sie ist nach heutigem Wissen nicht heilbar.
Neuroglukopenie
Mangelversorgung des Gehirns mit Glukose. Sie führt zu Konzentrationsstörungen, Verwirrtheit, Verhaltensänderungen, Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit.
Neuroleptika-Überempfindlichkeit
Schwere Unverträglichkeit gegenüber Antipsychotika mit ausgeprägtem Parkinsonismus, Verwirrtheit und Bewusstseinsminderung. Sie ist typisch für die Lewy-Körperchen-Demenz.
Neurosyphilis
Befall des zentralen Nervensystems durch Treponema pallidum. Sie kann sich als meningovaskuläre Syphilis, als Tabes dorsalis oder als progressive Paralyse äußern.
Neutralität (Allparteilichkeit)
Haltung, bei der sich die Therapeutin mit keinem Familienmitglied und keiner Sichtweise verbündet. Sie soll allen Beteiligten gleichermaßen zugewandt sein.
Neutrophile Granulozyten
Häufigste Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Sie dienen vor allem der Abwehr bakterieller Infektionen.
Nichtanzeige geplanter Straftaten
Straftatbestand nach § 138 StGB. Strafbar macht sich, wer glaubhaft von bestimmten geplanten schweren Straftaten erfährt und diese nicht rechtzeitig der Behörde oder dem Bedrohten anzeigt.
Nicht-konvulsiver Status epilepticus
Anhaltende epileptische Aktivität ohne ausgeprägte Krämpfe, die sich vor allem als Bewusstseinsstörung, Verwirrtheit oder Verhaltensänderung zeigt und im EEG nachweisbar ist.
Nichtnamentliche Meldung
Meldung nach Infektionsschutzgesetz ohne Angabe von Name und Anschrift der betroffenen Person. Sie dient vor allem der epidemiologischen Überwachung.
Nichtsuizidales selbstverletzendes Verhalten (NSSV)
Wiederholte, absichtliche und sozial nicht akzeptierte Schädigung des eigenen Körpergewebes ohne Absicht, zu sterben, etwa durch Schneiden, Ritzen oder Verbrennen.
Niedrigdosisabhängigkeit
Abhängigkeit von Benzodiazepinen oder Z-Substanzen bei Dauereinnahme therapeutischer Dosen, die sich vor allem beim Absetzen durch Entzugssymptome zeigt.
Nihilistischer Wahn
Wahnhafte Überzeugung, nicht mehr zu existieren, keine Organe mehr zu haben oder bereits tot zu sein. In ausgeprägter Form wird er als Cotard-Syndrom bezeichnet.
NMDA-Rezeptor
Glutamatrezeptor im zentralen Nervensystem, der an Lernen und Gedächtnis beteiligt ist. Seine Überaktivierung kann Nervenzellen schädigen.
Normaldruckhydrozephalus
Erweiterung der Hirnkammern bei im Mittel normalem Liquordruck, die zu Gangstörung, Harninkontinenz und kognitiven Störungen führt. Sie ist potenziell behandelbar.
Nosophobie
Ausgeprägte Angst, an einer bestimmten Krankheit zu leiden. Nach ICD-10-GM wird sie unter der hypochondrischen Störung (F45.2) verschlüsselt.
NSAR
Nichtsteroidale Antirheumatika; schmerzlindernde, entzündungshemmende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac, die die Bildung von Prostaglandinen hemmen.
Nystagmus
Unwillkürliche, rhythmische Zuckbewegungen der Augen.
Oberstufe des autogenen Trainings
Auf der Grundstufe aufbauende, meditativ-imaginative Übungsform des autogenen Trainings, bei der in tiefer Versenkung Farb-, Gegenstands- und Szenenerleben angeregt wird.
Obstipation
Verstopfung, also erschwerte oder seltene Darmentleerung. Sie ist eine typische Opioidwirkung, gegen die sich kaum Toleranz entwickelt.
Obstruktive Schlafapnoe
Schlafbezogene Atmungsstörung mit wiederholtem Verschluss der oberen Atemwege im Schlaf, die zu Atemaussetzern, Sauerstoffabfällen und Weckreaktionen führt. Typische Folgen sind Tagesschläfrigkeit und kardiovaskuläre Risiken.
Ödipuskomplex
Nach Freud die Gesamtheit liebevoller und feindseliger Wünsche des Kindes gegenüber den Eltern in der phallischen Phase.
Offenbarungsbefugnis
Rechtliche Grundlage, die eine Weitergabe geschützter Patientengeheimnisse erlaubt. Beispiele sind die Einwilligung des Patienten, gesetzliche Mitteilungsbefugnisse oder der rechtfertigende Notstand.
Okulogyre Krise
Anfallsartiger, unwillkürlicher Blickkrampf, bei dem die Augen meist nach oben gerichtet sind. Sie ist eine typische Form der akuten Dystonie unter Dopaminantagonisten.
Olfaktorische Halluzination
Geruchswahrnehmung ohne entsprechenden äußeren Reiz. Sie kommt unter anderem bei Schädigungen des Temporallappens vor.
o.n.A.
Abkürzung für „ohne nähere Angabe“. Sie kennzeichnet in der ICD Diagnosen, bei denen keine genauere Spezifizierung möglich oder angegeben ist.
Ophthalmoplegie
Lähmung einzelner oder mehrerer Augenmuskeln mit eingeschränkter Augenbeweglichkeit und häufig Doppelbildern.
Opioidantagonist
Substanz, die an Opioidrezeptoren bindet, ohne sie zu aktivieren, und dadurch die Wirkung von Opioiden aufhebt oder blockiert, zum Beispiel Naltrexon oder Naloxon.
Opportunistische Infektion
Infektion durch Erreger, die vorwiegend bei geschwächter Immunabwehr, etwa bei fortgeschrittener HIV-Infektion, eine Erkrankung hervorrufen.
Oppositionelles Verhalten
Anhaltend trotziges, ungehorsames und provokatives Verhalten gegenüber Erwachsenen und Autoritätspersonen, ohne schwere Verletzung der Rechte anderer.
Organische emotional labile Störung
Durch eine körperliche bzw. hirnorganische Erkrankung bedingte Störung mit Affektlabilität oder Affektinkontinenz, Ermüdbarkeit und körperlichen Missempfindungen (ICD-10 F06.6).
Organische Halluzinose
Durch eine nachweisbare zerebrale oder körperliche Erkrankung verursachte Störung mit anhaltenden oder wiederkehrenden Halluzinationen bei klarem Bewusstsein (ICD-10 F06.0).
Organische Persönlichkeitsstörung
Nach ICD-10 (F07.0) eine Persönlichkeitsveränderung infolge einer Hirnerkrankung oder -schädigung. Typisch sind Störungen von Affekt, Impulskontrolle, Antrieb und Sozialverhalten.
Orientierung zur eigenen Person
Wissen um die eigene Identität, etwa Name, Geburtsdatum und wichtige lebensgeschichtliche Gegebenheiten.
Orthostatische Hypotonie
Deutlicher Blutdruckabfall beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen, oft mit Schwindel oder Bewusstseinsverlust. Sie ist Ausdruck einer gestörten autonomen Kreislaufregulation.
Örtliche Orientierung
Wissen um den gegenwärtigen Aufenthaltsort, z. B. Stadt, Gebäude, Einrichtung oder Stockwerk.
Örtlicher Träger der Jugendhilfe
Kreis oder kreisfreie Stadt, die als öffentlicher Träger für die Kinder- und Jugendhilfe zuständig ist und hierfür ein Jugendamt unterhält.
Pädaudiologie
Fachgebiet der Medizin, das sich mit der Diagnostik und Behandlung von Hör-, Sprach- und Stimmstörungen im Kindesalter befasst.
Pädophilie
Störung der Sexualpräferenz (F65.4) mit sexueller Präferenz für Kinder, die sich meist in der Vorpubertät oder im frühen Stadium der Pubertät befinden.
Panikattacke
Abgegrenzte Episode intensiver Angst mit plötzlichem Beginn und ausgeprägten vegetativen Symptomen, die innerhalb von Minuten ihren Höhepunkt erreicht.
Pankreatitis
Entzündung der Bauchspeicheldrüse, typischerweise mit starken Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
Papageno-Effekt
Suizidpräventive Wirkung von Medienberichten, die Wege aus suizidalen Krisen und Hilfsangebote darstellen.
Paradoxe Reaktion
Arzneimittelwirkung, die der erwarteten Wirkung entgegengesetzt ist, etwa Erregung und Aggressivität statt Beruhigung unter Benzodiazepinen.
Paraphilie
Fachbegriff für eine Störung der Sexualpräferenz, bei der die sexuelle Erregung an ungewöhnliche Objekte, Situationen oder nicht einwilligungsfähige Personen gebunden ist, etwa Fetischismus, Exhibitionismus oder Pädophilie.
Parasomnie
Abnorme Episode oder Verhaltensweise, die während des Schlafs oder an der Schwelle zwischen Schlaf und Wachsein auftritt, zum Beispiel Schlafwandeln, Pavor nocturnus oder Albträume.
Parästhesie
Missempfindung wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder stromschlagartige Empfindungen ohne entsprechenden äußeren Reiz.
Parathymie
Inadäquater Affekt: Gefühlsausdruck und berichteter Erlebnisinhalt stimmen nicht überein, z. B. Lachen beim Bericht über bedrohliche Ereignisse.
parenteral
Unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts verabreicht, z. B. intravenös oder intramuskulär.
Parenterale Gabe
Verabreichung eines Arzneimittels unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts, etwa als Injektion in Muskel oder Vene.
Parkinsonoid
Medikamentös, vor allem durch Antipsychotika ausgelöstes Parkinson-ähnliches Syndrom mit Rigor, Tremor, Bewegungsarmut und Maskengesicht.
Partialtrieb
Einzelne Triebkomponente, etwa oral oder anal, die zunächst unabhängig nach Befriedigung strebt und später in die genitale Organisation integriert wird.
Partieller Dopaminagonist
Wirkstoff, der am Dopaminrezeptor nur eine teilweise Aktivierung bewirkt und je nach Dopaminspiegel stimulierend oder hemmend wirkt, z. B. Aripiprazol.
Passiver Todeswunsch
Wunsch, nicht mehr zu leben oder nicht mehr aufzuwachen, ohne Absicht oder Plan, das eigene Leben aktiv zu beenden; frühe Stufe im Kontinuum der Suizidalität.
Patientenakte
Gesamtheit der Aufzeichnungen über eine Behandlung, die der Behandelnde nach § 630f BGB in Papierform oder elektronisch zu führen hat.
Patientenverfügung
Schriftliche Festlegung eines einwilligungsfähigen Volljährigen, ob er für den Fall späterer Einwilligungsunfähigkeit in bestimmte Untersuchungen oder Behandlungen einwilligt oder sie untersagt.
Pavor nocturnus
Parasomnie mit nächtlichen Episoden äußerster Furcht und Panik aus dem Tiefschlaf, beginnend mit einem Panikschrei und begleitet von starker vegetativer Erregung. Für die Episode besteht meist eine Amnesie.
PDE-5-Hemmer
Verschreibungspflichtige Arzneistoffe wie Sildenafil oder Tadalafil, die das Enzym Phosphodiesterase-5 hemmen und so die Erektion fördern. Bei gleichzeitiger Einnahme von Nitraten sind sie kontraindiziert.
Peregrinierender Patient
Patientin oder Patient, die bzw. der mit vorgetäuschten oder selbst erzeugten Beschwerden von Klinik zu Klinik zieht. Der Begriff ist in der ICD-10 unter F68.1 eingeschlossen.
Periodische Beinbewegungen im Schlaf
Wiederholte, stereotype Bewegungen der Beine im Schlaf in Abständen von meist 20 bis 40 Sekunden. Sie treten häufig zusammen mit einem Restless-Legs-Syndrom auf.
Perniziöse Katatonie
Lebensbedrohliche Form der Katatonie mit Fieber, Muskelrigidität, vegetativer Entgleisung und gegebenenfalls Bewusstseinstrübung, auch febrile Katatonie genannt.
Personensorge
Teil der elterlichen Sorge nach § 1626 BGB, der u. a. die Entscheidung über medizinische und psychotherapeutische Behandlungen des Kindes umfasst.
Personensorgeberechtigte
Personen, denen nach bürgerlichem Recht die Personensorge für ein Kind zusteht, in der Regel die sorgeberechtigten Eltern oder ein Vormund.
Personenverkennung
Falsches Identifizieren vertrauter oder fremder Personen. In wahnhafter Form etwa als Überzeugung, eine nahestehende Person sei durch einen Doppelgänger ersetzt worden (Capgras-Syndrom).
Perzentilenkurve
Grafische Darstellung von Körpermaßen eines Kindes im Vergleich zu Altersgenossen, um Wachstum und Gewichtsentwicklung zu beurteilen.
Petechien
Punktförmige, nicht wegdrückbare Hautblutungen. In Verbindung mit Fieber sind sie ein Warnzeichen einer Meningokokken-Sepsis.
P-Glykoprotein
Transportprotein in Darm, Niere und Blut-Hirn-Schranke, das Arzneistoffe aus Zellen hinauspumpt. Es beeinflusst dadurch deren Aufnahme und Ausscheidung.
Phallische Phase
Psychosexuelle Entwicklungsphase etwa vom dritten bis fünften Lebensjahr, in der die Genitalregion zur führenden erogenen Zone wird.
Phasenprophylaxe
Langfristige medikamentöse Behandlung zur Vorbeugung erneuter manischer oder depressiver Episoden bei affektiven Störungen.
Phenprocoumon
Vitamin-K-Antagonist zur oralen Gerinnungshemmung (Antikoagulation). Die Therapie wird über den INR-Wert gesteuert.
Photosensibilisierung
Durch einen Stoff erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut. Sie führt bei UV-Exposition zu sonnenbrandähnlichen oder anderen Hautreaktionen.
Phototoxische Reaktion
Nicht immunologisch vermittelte Hautschädigung durch das Zusammenwirken eines lichtsensibilisierenden Stoffes mit UV-Licht.
Physostigmin
Hemmstoff der Acetylcholinesterase, der die Blut-Hirn-Schranke überwindet. Er wird als Antidot beim zentralen anticholinergen Syndrom eingesetzt.
Pica
Anhaltender Verzehr nicht essbarer Substanzen wie Erde, Farbschnipsel oder Papier jenseits des Alters, in dem dies entwicklungstypisch ist.
Pick-Krankheit
Historische Bezeichnung für eine Form der frontotemporalen Lobärdegeneration mit charakteristischen Einschlusskörperchen (Pick-Körper) in Nervenzellen.
Piloerektion
Aufrichten der Körperhaare durch Kontraktion kleiner Hautmuskeln („Gänsehaut“). Sie ist ein typisches vegetatives Zeichen des Opioidentzugs.
Poltern
Redeflussstörung mit überhöhter, unregelmäßiger Sprechgeschwindigkeit, die zum Verschlucken von Silben und zu eingeschränkter Verständlichkeit führt, meist bei geringem Störungsbewusstsein.
Polymorphes Zustandsbild
Psychotisches Bild mit rasch wechselnden Halluzinationen, Wahninhalten und Affekten, deren Art und Intensität sich von Tag zu Tag oder innerhalb eines Tages ändern.
Polysomnographie
Untersuchung im Schlaflabor mit gleichzeitiger Aufzeichnung von Hirnströmen, Augenbewegungen, Muskelaktivität, Atmung, Sauerstoffsättigung und Herzrhythmus während des Schlafs.
Postiktal
Die Phase unmittelbar nach einem epileptischen Anfall betreffend, z. B. mit Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder vorübergehenden neurologischen Ausfällen.
Postiktale Psychose
Psychotische Episode, die nach einer Anfallsserie und einem symptomfreien Intervall von bis zu etwa drei Tagen auftritt und sich meist innerhalb von Tagen bis Wochen zurückbildet.
Postkontusionelles Syndrom
Nach einem Schädel-Hirn-Trauma auftretendes Beschwerdebild mit Kopfschmerz, Schwindel, Erschöpfbarkeit, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen (ICD-10 F07.2).
Postmortale Schweigepflicht
Fortbestehen der Verschwiegenheitspflicht über Patientengeheimnisse nach dem Tod des Patienten. Eine Offenbarung richtet sich nach dessen ausdrücklichem oder mutmaßlichem Willen.
Postpartale Depression
Depressive Störung, die in den ersten Wochen bis Monaten nach der Entbindung beginnt und in Symptomatik und Schwere einer depressiven Episode entspricht.
Postpartale Psychose
Seltene, meist in den ersten Wochen nach der Entbindung rasch einsetzende psychotische Störung mit Wahn, Halluzinationen, affektiven Symptomen und oft Verwirrtheit. Sie stellt einen psychiatrischen Notfall dar.
Postpartale Thyreoiditis
Autoimmune Schilddrüsenentzündung im ersten Jahr nach einer Entbindung, die mit einer vorübergehenden Über- und/oder Unterfunktion der Schilddrüse einhergehen kann.
Postschizophrene Depression
Depressive Episode (ICD-10 F20.4), die im Anschluss an eine schizophrene Erkrankung auftritt, während noch einzelne, nicht mehr vorherrschende schizophrene Symptome bestehen.
Postvirales Ermüdungssyndrom
Chronisches Erschöpfungssyndrom, das häufig nach einer Virusinfektion beginnt. In der ICD-10-GM wird es unter G93.3 (Krankheiten des Nervensystems) verschlüsselt.
Potenziell inadäquate Medikation
Arzneimittel, deren Risiken bei älteren Menschen den zu erwartenden Nutzen häufig überwiegen und für die oft sicherere Alternativen bestehen.
Prämorbide Persönlichkeit
Persönlichkeit eines Menschen vor Beginn einer Erkrankung. Sie dient als Vergleichsmaßstab für krankheitsbedingte Wesensänderungen.
Pränataldiagnostik
Untersuchungen des ungeborenen Kindes während der Schwangerschaft, z. B. spezialisierter Ultraschall, zur Erkennung von Fehlbildungen.
Präsuizidales Syndrom
Von Erwin Ringel beschriebene psychische Verfassung vor einer suizidalen Handlung mit Einengung, gegen sich selbst gerichteter Aggression und Suizidphantasien.
Primäraffekt
Erste lokale Krankheitsmanifestation an der Eintrittsstelle eines Erregers, bei der Syphilis typischerweise ein schmerzloses, derbes Geschwür (Ulcus durum).
Primär progressive Aphasie
Neurodegenerative Erkrankung, bei der zunächst eine fortschreitende Sprachstörung im Vordergrund steht, während andere kognitive Funktionen anfangs relativ erhalten sind.
Primärprozess
Funktionsweise des Unbewussten, die nach dem Lustprinzip auf unmittelbare Befriedigung ausgerichtet ist und Mechanismen wie Verdichtung und Verschiebung nutzt.
PRISCUS-Liste
Deutsche Aufstellung potenziell inadäquater Arzneimittel für ältere Menschen mit Hinweisen auf Risiken und therapeutische Alternativen.
Problemlösetraining
Strukturiertes verhaltenstherapeutisches Vorgehen, bei dem schrittweise ein Problem definiert, Lösungen gesammelt und bewertet, eine Lösung umgesetzt und überprüft wird.
Prodrom
Unspezifisches Vorstadium mit Missstimmung oder Reizbarkeit, das einem Anfall Stunden bis Tage vorausgehen kann und selbst kein epileptischer Anfall ist.
Prodrug
Substanz, die selbst kaum wirksam ist und erst im Körper durch Stoffwechselprozesse in den eigentlichen Wirkstoff umgewandelt wird.
Progressive Muskelrelaxation
Entspannungsverfahren nach Jacobson, bei dem nacheinander Muskelgruppen bewusst angespannt und wieder entspannt werden.
Progressive Paralyse
Spätform der Neurosyphilis mit Befall des Hirnparenchyms, die zu Wesensänderung, psychotischen Symptomen und fortschreitender Demenz führt (Dementia paralytica).
Projektion
Abwehrmechanismus, bei dem eigene, nicht akzeptierte Wünsche, Gefühle oder Eigenschaften unbewusst einer anderen Person zugeschrieben werden.
Projektive Identifizierung
Unreifer Abwehrmechanismus, bei dem abgespaltene Selbstanteile in eine andere Person verlagert werden, die dadurch unter Druck gerät, diese Anteile zu erleben oder auszuagieren.
Prolaktin
Hormon des Hypophysenvorderlappens, dessen Blutspiegel nach bestimmten epileptischen Anfällen vorübergehend ansteigen kann.
Pronominalumkehr
Vertauschen von Personalpronomen, etwa wenn ein Kind von sich selbst als „du“ oder in der dritten Person spricht; typisch für den frühkindlichen Autismus.
Prostatahyperplasie
Gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse, die die Harnröhre einengen und zu Restharn und Harnverhalt führen kann.
Protagonist
Im Psychodrama die Person, deren Thema oder Lebenssituation szenisch auf der Bühne dargestellt und bearbeitet wird.
Pseudo-Bartter-Syndrom
Durch Erbrechen, Laxanzien- oder Diuretikamissbrauch ausgelöster sekundärer Hyperaldosteronismus mit Hypokaliämie und metabolischer Alkalose. Er ähnelt dem angeborenen Bartter-Syndrom.
Pseudobulbärer Affekt
Neurologisch bedingtes pathologisches Lachen oder Weinen ohne entsprechende innere Gestimmtheit, z. B. bei ALS, Multipler Sklerose oder nach Schlaganfällen.
Pseudoerinnerung
Erinnerung an ein Ereignis, das nicht oder nicht so stattgefunden hat, die von der betroffenen Person aber subjektiv als echt erlebt wird (auch False Memory genannt).
Pseudologia phantastica
Krankhaftes Erzählen erfundener, ausgeschmückter Geschichten, an die der Betroffene zeitweise selbst glaubt, ohne dass eine Gedächtnisstörung zugrunde liegt.
Pseudonymisierung
Verarbeitung personenbezogener Daten in der Weise, dass sie ohne zusätzliche, getrennt aufbewahrte Informationen keiner bestimmten Person mehr zugeordnet werden können.
Pseudopsychopathie
Historischer Begriff für eine durch Hirnschädigung erworbene, dissozial wirkende Persönlichkeitsveränderung. Er ist in der ICD-10 der organischen Persönlichkeitsstörung zugeordnet.
Psilocybin
Halluzinogener Inhaltsstoff bestimmter Pilze (z. B. Gattung Psilocybe), der im Körper zum eigentlich wirksamen Psilocin umgewandelt wird.
Psychische Misshandlung
Wiederholte Verhaltensmuster von Bezugspersonen wie Ablehnung, Ängstigen, Isolieren, Herabsetzen oder das Aussetzen gegenüber Partnerschaftsgewalt, die dem Kind vermitteln, wertlos oder ungeliebt zu sein, und seine Entwicklung gefährden.
PsychKG
Landesgesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen Krankheiten. Es regelt unter anderem die öffentlich-rechtliche Unterbringung bei erheblicher Selbst- oder Fremdgefährdung.
Psychoedukation
Strukturierte Vermittlung von Wissen über eine Erkrankung und ihre Behandlung an Patienten und Angehörige mit dem Ziel, Krankheitsverständnis und Selbstmanagement zu verbessern.
Psychologische Erste Hilfe
Niedrigschwellige Unterstützung unmittelbar nach belastenden Ereignissen mit Fokus auf Sicherheit, Beruhigung, Orientierung, Grundversorgung und sozialer Anbindung.
Psychologischer Psychotherapeut
Nach dem PsychThG von 1998 approbierte Berufsgruppe, die nach einem Psychologiestudium und einer mehrjährigen Ausbildung die Approbation erhielt.
Psychologisches Debriefing
Einmalige, strukturierte Nachbesprechung kurz nach einem traumatischen Ereignis mit detailliertem Durchsprechen des Erlebten. Als Routinemaßnahme zur Prävention von Traumafolgestörungen wird es nicht empfohlen.
Psychomotorische Hemmung
Verlangsamung von Bewegungen, Sprache und Reaktionen als Ausdruck einer Antriebsminderung. Sie ist typisch für schwerere depressive Zustände.
Psychomotorischer Erregungszustand
Akuter Zustand mit gesteigertem Antrieb, motorischer Unruhe und erhöhter Reizbarkeit, der mit Selbst- oder Fremdgefährdung einhergehen kann.
Psychosexuelle Entwicklung
Freuds Modell einer Abfolge von Entwicklungsphasen, die jeweils durch eine vorherrschende erogene Zone und typische Konflikte gekennzeichnet sind.
Psychostimulanzien
Substanzen, die zentralnervös anregend wirken, Wachheit und Konzentration steigern und bei ADHS zur Behandlung eingesetzt werden, z. B. Methylphenidat oder Amphetamin.
Psychotherapeutenkammer
Körperschaft des öffentlichen Rechts auf Landesebene, der approbierte Psychotherapeuten als Pflichtmitglieder angehören und die u. a. Berufsaufsicht und Weiterbildung regelt.
Psychotherapeutische Prüfung
Staatliche Prüfung am Ende des Masterstudiums Psychotherapie, deren Bestehen Voraussetzung für die Approbation nach dem PsychThG ist.
Psychotroper Wirkstoff
Substanz, die auf das Zentralnervensystem wirkt und Erleben, Stimmung, Wahrnehmung oder Verhalten verändert. Beispiele sind Benzodiazepine oder Z-Substanzen mit Abhängigkeitspotenzial.
Pyromanie
Störung der Impulskontrolle mit wiederholter Brandstiftung ohne verständliches Motiv und anhaltender Beschäftigung mit Feuer. Typisch sind Spannung vor und Erregung nach der Tat (ICD-10 F63.1).
QTc-Zeit
Frequenzkorrigierte Dauer von Erregung und Erregungsrückbildung der Herzkammern im EKG. Eine Verlängerung erhöht das Risiko gefährlicher Herzrhythmusstörungen.
QT-Zeit
Im EKG gemessene Zeit vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle. Sie entspricht der Erregungsdauer der Herzkammern.
Qualifizierter Entzug
Stationäre Entzugsbehandlung, die über die rein körperliche Entgiftung hinaus psychotherapeutische und motivationsfördernde Elemente umfasst.
Quasipsychotische Episode
Vorübergehender Zustand mit psychoseähnlichen Erlebnissen wie Illusionen, Halluzinationen oder wahnähnlichen Ideen, der die Kriterien einer psychotischen Störung nicht erfüllt.
Rapid Cycling
Verlaufstyp der bipolaren affektiven Störung mit mindestens vier depressiven, manischen, hypomanischen oder gemischten Episoden innerhalb von zwölf Monaten.
Rationalisierung
Abwehrmechanismus, bei dem für Verhalten oder Gefühle nachträglich logisch erscheinende Begründungen gefunden werden, die die eigentlichen, unbewussten Motive verdecken.
Ratlosigkeit
Psychopathologisches Symptom, bei dem die betroffene Person ihre Situation, ihr Erleben oder ihre Umgebung nicht mehr versteht und hilflos-staunend wirkt.
Reaktionsbildung
Abwehrmechanismus, bei dem ein unannehmbarer Impuls durch eine entgegengesetzte, häufig übersteigerte Haltung oder Verhaltensweise abgewehrt wird.
Reaktionsverhinderung
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der Betroffene nach der Konfrontation mit einem auslösenden Reiz auf neutralisierende Handlungen wie Kontrollieren, Rückversichern oder Waschen verzichten.
Reaktive Depression
Älterer Begriff für eine depressive Episode, die in zeitlichem Zusammenhang mit einem belastenden Ereignis auftritt. Nach ICD-10 wird sie bei erfüllten Kriterien unter F32 verschlüsselt.
Realitätsprüfung
Ich-Funktion, die es ermöglicht, innere Vorstellungen von äußerer Wirklichkeit zu unterscheiden. Bei Psychosen ist sie typischerweise aufgehoben.
Rebound-Insomnie
Vorübergehende Verstärkung der Schlafstörung über das Ausgangsniveau hinaus nach dem Absetzen eines Hypnotikums.
Rebound-Manie
Rasches Wiederauftreten einer manischen Episode nach plötzlichem Absetzen eines stimmungsstabilisierenden Medikaments.
Rebound-Phänomen
Verstärktes Wiederauftreten der ursprünglich behandelten Symptome, etwa Schlafstörung oder Angst, nach dem Absetzen eines Medikaments.
Rechtfertigender Notstand
Nach § 34 StGB gerechtfertigte Verletzung eines Rechtsguts, etwa der Schweigepflicht, zur Abwendung einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für ein höherrangiges Rechtsgut.
Red Flags
Warnzeichen, die auf eine ernsthafte körperliche Erkrankung hinweisen und eine umgehende ärztliche Abklärung erfordern.
Refeeding-Syndrom
Potenziell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung bei zu rascher Wiederernährung nach längerer Mangelernährung. Sie geht mit Elektrolytverschiebungen, Flüssigkeitsretention und kardialer Dekompensation einher.
Reflektierendes Zuhören
Gesprächstechnik, bei der der Therapeut die vermutete Bedeutung einer Klientenäußerung in eigenen Worten als Feststellung zurückspiegelt, um Verständnis zu zeigen und die Selbstexploration zu fördern.
Reframing
Systemische Technik der Umdeutung, bei der ein Verhalten oder Ereignis in einen neuen Bedeutungs- oder Kontextrahmen gestellt wird. Das Verhalten erhält dadurch eine andere, oft ressourcenorientierte Bedeutung.
Regression
Psychoanalytischer Begriff für das Zurückgehen auf frühere Entwicklungsstufen des Erlebens und Verhaltens. In der Therapie kann Regression gezielt gefördert werden, bei geringer Ich-Stärke birgt sie jedoch die Gefahr einer Destabilisierung.
Regression im Dienste des Ichs
Von Ernst Kris beschriebene kontrollierte, vorübergehende Regression, etwa bei kreativen Prozessen, die vom Ich gesteuert wird und nicht pathologisch ist.
REM-Rebound
Kompensatorische Zunahme von REM-Schlaf nach dessen vorheriger Unterdrückung, etwa durch Alkohol, Benzodiazepine oder bestimmte Antidepressiva. Er geht häufig mit lebhaften Träumen und Albträumen einher.
REM-Schlaf
Schlafstadium mit schnellen Augenbewegungen, lebhaftem Traumerleben und weitgehendem Verlust des Muskeltonus. Er überwiegt in der zweiten Nachthälfte.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Parasomnie, bei der die normale Muskelerschlaffung im REM-Schlaf fehlt, sodass Betroffene Trauminhalte durch Sprechen, Schlagen oder Treten ausagieren.
Renale Elimination
Ausscheidung eines Stoffes über die Nieren mit dem Urin.
Renarkotisierung
Erneutes Auftreten der Opioidwirkung, insbesondere der Atemdepression, nachdem die Wirkung eines kürzer wirksamen Antagonisten wie Naloxon abgeklungen ist.
Reorientierung
Technik, mit der eine dissoziierende Person über Sinnesreize, Ansprache oder Körperwahrnehmung in die Gegenwart zurückgeholt wird (auch Grounding genannt).
Respiratorische Alkalose
Anstieg des Blut-pH-Werts durch vermehrte Abatmung von Kohlendioxid, typischerweise bei Hyperventilation.
Restkategorie
Diagnostische Kategorie, die nur verwendet wird, wenn die Kriterien spezifischerer Diagnosen nicht erfüllt sind.
Restless-Legs-Syndrom
Neurologische Erkrankung mit Bewegungsdrang der Beine, meist begleitet von Missempfindungen, die in Ruhe und abends bzw. nachts auftreten und sich durch Bewegung bessern. Häufig resultieren Ein- und Durchschlafstörungen.
Retardpräparat
Arzneiform, die ihren Wirkstoff verzögert über einen längeren Zeitraum freisetzt und so die Wirkdauer verlängert.
Retrograde Amnesie
Erinnerungslücke für einen Zeitraum vor einem schädigenden Ereignis, etwa einem Schädel-Hirn-Trauma.
Rezidivierende kurze depressive Störung
Affektive Störung (F38.1) mit etwa monatlich auftretenden depressiven Episoden, die die Symptomkriterien einer depressiven Episode erfüllen, aber jeweils weniger als zwei Wochen dauern.
Rezidivprophylaxe
Vorbeugende Weiterbehandlung nach Abklingen einer Krankheitsepisode, um das Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern.
Rhabdomyolyse
Zerfall quergestreifter Muskelzellen mit Freisetzung von Myoglobin und Kreatinkinase ins Blut. Sie kann ein akutes Nierenversagen verursachen.
Rhinorrhö
Vermehrte wässrige Nasensekretion („laufende Nase“).
Ribot’sche Regel
Erfahrungsregel, nach der bei fortschreitenden Gedächtnisstörungen die zuletzt erworbenen Inhalte zuerst verloren gehen. Früh Erlerntes bleibt am längsten erhalten.
Richtlinienverfahren
Psychotherapieverfahren, die der Gemeinsame Bundesausschuss in der Psychotherapie-Richtlinie für die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt hat.
Rigor
Erhöhter Muskeltonus mit gleichbleibendem, wächsernem Widerstand bei passiver Bewegung der Gliedmaßen.
Risperidon
Atypisches Antipsychotikum. Es wird bei Kindern unter anderem zur kurzzeitigen Behandlung anhaltender schwerer Aggressivität eingesetzt; typische Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme und Prolaktinerhöhung.
Rollentausch
Psychodramatische Technik, bei der der Protagonist die Rolle seines Gegenübers übernimmt. Er erlebt die Situation dadurch aus dessen Perspektive.
Rote-Hand-Brief
Behördlich abgestimmtes Informationsschreiben pharmazeutischer Unternehmen an Fachkreise über neu erkannte, bedeutsame Arzneimittelrisiken.
Rückfallprophylaxe
Gesamtheit der Maßnahmen, die nach Entgiftung und Entwöhnung das Risiko eines erneuten Substanzkonsums verringern sollen.
Rückfallsignatur
Individuelles, bei einem Patienten wiederkehrendes Muster von Frühwarnzeichen, das sich vor einem Rezidiv zeigt.
Rücknahme der Erlaubnis
Behördliche Aufhebung einer erteilten Heilpraktikererlaubnis. Sie ist vorzunehmen, wenn nachträglich Tatsachen eintreten oder bekannt werden, die eine Versagung gerechtfertigt hätten.
Rumination
Wiederholtes Hochwürgen bereits geschluckter Nahrung, die erneut gekaut und wieder geschluckt oder ausgespuckt wird, ohne Übelkeit oder organische Ursache.
Rumpfataxie
Störung der Koordination der Rumpfmuskulatur mit Gang- und Standunsicherheit, meist infolge einer Schädigung des Kleinhirns oder seiner Bahnen.
Saisonales Muster
Verlaufsform affektiver Störungen, bei der depressive Episoden regelmäßig zu einer bestimmten Jahreszeit, meist im Herbst und Winter, beginnen und sich zu einer anderen Jahreszeit zurückbilden.
Schizoaffektive Störung
Episodische Störung (ICD-10 F25), bei der eindeutig schizophrene und eindeutig affektive Symptome gleichzeitig oder innerhalb weniger Tage in derselben Krankheitsepisode ausgeprägt vorhanden sind.
Schizoide Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Kühle, Rückzug von sozialen Kontakten und eingeschränkter Fähigkeit, Gefühle auszudrücken, ohne psychotische Symptome (ICD-10 F60.1).
Schizophrenes Residuum
Chronisches Stadium einer Schizophrenie mit überwiegend negativen Symptomen wie Affektverflachung, Antriebsminderung und Sprachverarmung.
Schizophrenia simplex
Seltene Schizophrenieform (ICD-10 F20.6) mit schleichend progredienter Negativsymptomatik und Leistungsabfall ohne vorausgehende eindeutige psychotische Symptome.
Schizophrenie-Spektrum
Gruppe von Störungen, die mit der Schizophrenie genetisch und psychopathologisch verwandt sind, etwa die schizotype Störung.
Schizophreniform
Einer Schizophrenie im klinischen Bild ähnlich, ohne dass die Diagnose einer Schizophrenie gestellt wird, etwa wegen einer nachgewiesenen organischen Ursache.
Schizophrenogene Mutter
Historisches, heute widerlegtes Konzept (Fromm-Reichmann), nach dem ein bestimmtes mütterliches Verhalten eine Schizophrenie verursache.
Schizotype Störung
Störung mit exzentrischem Verhalten sowie Anomalien des Denkens und der Affektivität, die schizophren wirken, ohne dass je eindeutige schizophrene Symptome aufgetreten sind (ICD-10 F21).
Schlafrestriktion
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der die Bettzeit vorübergehend auf die tatsächliche Schlafzeit begrenzt wird, um den Schlafdruck zu erhöhen.
Schütteltrauma-Syndrom
Durch heftiges Schütteln eines Säuglings verursachte Hirnverletzung mit subduralen und retinalen Blutungen sowie Enzephalopathie; häufig mit bleibenden Schäden oder tödlichem Verlauf.
Schwangerschaftsverhütungsprogramm
Behördlich vorgeschriebene Maßnahmen bei teratogenen Arzneimitteln wie Valproat, darunter Aufklärung, Schwangerschaftstests, zuverlässige Verhütung und jährliche Überprüfung der Behandlung.
Schwebende Unwirksamkeit
Zustand eines Rechtsgeschäfts, dessen Wirksamkeit von einer noch ausstehenden Genehmigung abhängt.
Schweigepflichtentbindung
Einwilligung des Patienten, mit der er den Behandelnden berechtigt, bestimmte geschützte Informationen an Dritte, etwa an mitbehandelnde Ärzte, weiterzugeben.
Screening
Suchtest zur frühen Erkennung von Verdachtsfällen, dessen auffälliges Ergebnis eine weiterführende Diagnostik erfordert.
Sedierung
Medikamentös bewirkte Beruhigung und Dämpfung bis hin zur Schläfrigkeit.
Sektorale Heilpraktikererlaubnis
Auf ein bestimmtes Fachgebiet beschränkte Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde nach dem Heilpraktikergesetz, etwa für Psychotherapie. Sie berechtigt nur zu Tätigkeiten innerhalb dieses Gebiets.
Selbstbestimmungsaufklärung
Aufklärung über Art, Risiken, Erfolgsaussichten und Alternativen einer Behandlung, die eine wirksame Einwilligung der Patientin oder des Patienten erst ermöglicht.
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Antidepressiva, die die Wiederaufnahme von Serotonin in die präsynaptische Nervenzelle hemmen, z. B. Fluoxetin, Sertralin oder Citalopram.
Sensate Focus
Von Masters und Johnson entwickeltes paartherapeutisches Stufenprogramm aus Berührungsübungen mit anfänglichem Koitusverbot, das Leistungsdruck abbauen und die sinnliche Wahrnehmung fördern soll.
Serial Sevens
Kurztest, bei dem fortlaufend 7 von 100 abgezogen wird. Er prüft Konzentration und Aufmerksamkeit und ist Bestandteil der Mini-Mental-State-Examination.
Serotonerges Syndrom
Potenziell lebensbedrohliche Überstimulation des Serotoninsystems mit Unruhe, Verwirrtheit, Fieber, Schwitzen, Tremor, Myoklonien und Hyperreflexie, häufig durch Kombination serotonerger Substanzen.
Serotoninsyndrom
Potenziell lebensbedrohliche Überstimulation serotonerger Rezeptoren, meist durch Kombination serotonerger Arzneimittel. Typisch sind Verwirrtheit, autonome Überaktivität und neuromuskuläre Übererregbarkeit.
Sexualisiertes Verhalten
Sexuell getöntes Verhalten oder Wissen eines Kindes, das deutlich über das für sein Alter und seinen Entwicklungsstand übliche Maß hinausgeht.
Sexuell übertragbare Krankheit
Infektionskrankheit, die überwiegend durch sexuelle Kontakte übertragen wird, z. B. Syphilis, Gonorrhö, Chlamydieninfektion oder HIV-Infektion.
Sharing
Abschlussphase im Psychodrama, in der die Gruppenmitglieder dem Protagonisten persönliche Erfahrungen und Gefühle mitteilen, die das Spiel bei ihnen ausgelöst hat. Bewertungen und Deutungen sind dabei nicht vorgesehen.
Sicherheitsverhalten
Verhaltensweisen, mit denen Betroffene befürchtete Katastrophen abwenden oder Angst kurzfristig reduzieren wollen, die die Angst langfristig jedoch aufrechterhalten.
Signalangst
Nach Freud eine vom Ich erzeugte Angst geringer Intensität, die auf eine drohende innere oder äußere Gefahr hinweist und Abwehrvorgänge auslöst.
Simulation
Bewusstes Vortäuschen oder Übertreiben von Krankheitssymptomen zur Erlangung eines erkennbaren äußeren Vorteils, etwa einer Rente oder der Vermeidung einer Strafverfolgung. Simulation ist keine psychische Störung im Sinne des ICD-10-Kapitels F.
Sinusbradykardie
Verlangsamter Herzschlag (in der Regel unter 60/min) bei regulärer Erregungsbildung im Sinusknoten.
Sinusvenenthrombose
Thrombotischer Verschluss venöser Blutleiter des Gehirns, der unter anderem im Wochenbett gehäuft auftritt. Typische Zeichen sind Kopfschmerzen, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen.
Sittliche Zuverlässigkeit
Persönliche Eignung, die die Gewähr dafür bietet, dass eine Person ihren Beruf ordnungsgemäß und ohne Gefährdung anderer ausübt. Sie fehlt insbesondere bei schweren strafrechtlichen oder sittlichen Verfehlungen.
Situative Orientierung
Fähigkeit, die gegenwärtige Situation zu erfassen, z. B. zu wissen, weshalb man sich an einem Ort befindet und welche Rolle die anwesenden Personen haben.
Skabies
Durch die Krätzmilbe verursachte, ansteckende Hauterkrankung mit starkem, nachts betontem Juckreiz und typischen Milbengängen, etwa in den Fingerzwischenräumen.
Skalierungsfrage
Frage, bei der der Klient seine Situation, seine Zuversicht oder seinen Fortschritt auf einer Skala, meist von 0 bis 10, einschätzt.
Skills
Erlernbare Fertigkeiten zur Regulation von Anspannung und Gefühlen, z. B. starke Sinnesreize, ursprünglich aus der dialektisch-behavioralen Therapie.
Skillstraining
Strukturiertes Training von Fertigkeiten zur Bewältigung von Anspannung und Gefühlen, etwa Stresstoleranz, Achtsamkeit und zwischenmenschliche Fertigkeiten, als Alternative zu selbstschädigendem Verhalten.
SNRI
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Sie erhöhen die Konzentration beider Botenstoffe im synaptischen Spalt, ohne wesentliche anticholinerge Wirkung.
Somatisierungsstörung
Somatoforme Störung mit multiplen, wiederholt auftretenden und häufig wechselnden körperlichen Symptomen über mindestens zwei Jahre ohne ausreichende organische Erklärung (ICD-10 F45.0).
Somatoforme autonome Funktionsstörung
Störung nach ICD-10 F45.3, bei der Körperbeschwerden eines vegetativ innervierten Organsystems, etwa des Herzens, wie bei einer körperlichen Erkrankung geschildert werden, ohne dass sich eine ausreichende organische Ursache findet.
Somatoforme Störung
Wiederholte Darbietung körperlicher Symptome mit hartnäckiger Forderung nach medizinischer Untersuchung trotz negativer Befunde. Die Symptome werden nicht bewusst erzeugt (ICD-10 F45).
Somnambulismus
Fachbegriff für Schlafwandeln: Zustand veränderter Bewusstseinslage, in dem Phänomene von Schlaf und Wachsein kombiniert sind und die Person aus dem Tiefschlaf heraus aufsteht und umhergeht.
Sorgeerklärung
Öffentlich zu beurkundende Erklärung nicht miteinander verheirateter Eltern, die elterliche Sorge gemeinsam übernehmen zu wollen (§§ 1626a ff. BGB).
Spaltung
Unreifer Abwehrmechanismus, bei dem gegensätzliche positive und negative Vorstellungen über das Selbst oder andere Menschen getrennt gehalten und nicht zu einem Gesamtbild verbunden werden.
Spätdyskinesie
Nach längerer Behandlung mit Dopaminantagonisten auftretende unwillkürliche Bewegungsstörung, häufig mit Schmatz-, Kau- und Zungenbewegungen. Sie kann irreversibel sein.
Spontanremission
Rückbildung einer Störung ohne gezielte Behandlung.
Squeeze-Technik
Verhaltenstherapeutische Übung, bei der der Ejakulationsreflex durch kurzen Druck unterhalb der Eichel unterbrochen wird, um die Ejakulationskontrolle zu trainieren.
SSRI
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; Antidepressiva, die gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzelle hemmen, z. B. Sertralin, Citalopram oder Paroxetin.
Stabile Seitenlage
Lagerung eines bewusstlosen, aber atmenden Menschen auf der Seite, damit die Atemwege frei bleiben und Erbrochenes abfließen kann.
Stadiengerechte Intervention
Therapeutisches Vorgehen, das an das jeweilige Stadium der Veränderungsbereitschaft eines Klienten angepasst ist, etwa Informationsvermittlung bei fehlender Änderungsabsicht und Handlungsplanung bei bestehender Änderungsabsicht.
Stadienmodell nach Pöldinger
Modell der suizidalen Entwicklung in drei Stadien: Erwägung, Ambivalenz mit häufigen Hilferufen und Entschluss, in dem Betroffene oft auffallend ruhig wirken.
Standardisierter Extrakt
Pflanzenauszug, dessen Herstellung und Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen festgelegt sind, um eine gleichbleibende Qualität zu sichern.
Status epilepticus
Lebensbedrohlicher, anhaltender epileptischer Anfall oder Serie von Anfällen ohne zwischenzeitliche Erholung des Bewusstseins.
Stauungspapille
Schwellung der Sehnervenpapille am Augenhintergrund als Zeichen eines erhöhten Hirndrucks.
Steady State
Fließgleichgewicht, bei dem sich Aufnahme und Elimination eines Arzneimittels die Waage halten und die Konzentration im Blut weitgehend konstant bleibt.
Stevens-Johnson-Syndrom
Seltene, lebensbedrohliche Arzneimittelreaktion mit Blasenbildung und Ablösung von Haut und Schleimhäuten, meist mit Fieber.
Stimmungsinkongruent
Bezeichnung für psychotische Inhalte, die nicht aus der vorherrschenden Stimmung ableitbar sind, z.B. Gedankeneingebung bei einer Manie.
Stimmungskongruenter Wahn
Wahninhalt, der zur vorherrschenden Stimmung passt, z.B. Schuld-, Verarmungs- oder Krankheitswahn bei schwerer Depression.
Stimmungslabilität
Rascher, oft durch geringe Anlässe ausgelöster Wechsel der Stimmungslage, etwa zwischen Traurigkeit und Heiterkeit.
Stimmungsstabilisierer
Arzneimittel zur Akutbehandlung und Rückfallverhütung affektiver Episoden bei bipolaren Störungen, z. B. Lithium, Valproat, Lamotrigin.
Stimuluskontrolle
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der ein Verhalten (hier das Sorgen) an festgelegte Zeiten oder Orte gebunden und dadurch begrenzt wird.
Störung des Sozialverhaltens
Psychische Störung des Kindes- und Jugendalters (ICD-10 F91), gekennzeichnet durch ein wiederholtes und anhaltendes Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens, das altersübliche soziale Erwartungen deutlich überschreitet.
Störung mit Krankheitswert
Psychische Störung, die über alltägliche Belastungen hinausgeht und behandlungsbedürftig ist; ihre Feststellung und Behandlung ist Ausübung der Heilkunde.
Stottermodifikation
Therapieansatz nach Van Riper, bei dem Betroffene lernen, Stotterereignisse angstfrei wahrzunehmen und sie in lockerere, weniger auffällige Unflüssigkeiten umzuformen.
Stottern
Redeflussstörung mit unwillkürlichen Wiederholungen, Dehnungen oder Blockierungen von Lauten und Silben, die den Sprechfluss deutlich beeinträchtigen.
Stroke Unit
Spezialisierte Schlaganfallstation zur Akutdiagnostik und Akuttherapie mit kontinuierlicher Überwachung der Vitalfunktionen.
Strukturniveau
Ausmaß der Verfügbarkeit psychischer Funktionen wie Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, Kommunikation und Bindung. In der OPD wird es von gut integriert bis desintegriert eingestuft.
Struma
Vergrößerung der Schilddrüse, umgangssprachlich Kropf.
Stupor
Zustand weitgehender Bewegungs- und Reaktionslosigkeit mit Mutismus bei meist erhaltenem Bewusstsein.
Subarachnoidalblutung
Blutung in den mit Liquor gefüllten Raum zwischen Arachnoidea und Pia mater, meist durch Ruptur eines Hirnarterienaneurysmas. Leitsymptom ist ein plötzlicher Vernichtungskopfschmerz.
Subdurales Hämatom
Blutansammlung zwischen harter Hirnhaut und Spinngewebshaut, häufig durch Einriss von Brückenvenen.
Subkortikale Demenz
Demenzform mit Schädigung vorwiegend tiefer Hirnstrukturen. Typisch sind Verlangsamung, Antriebsstörung und Aufmerksamkeitsdefizite bei geringer ausgeprägter Aphasie oder Agnosie.
Sublimierung
Reifer Abwehrmechanismus, bei dem Triebenergie auf sozial anerkannte, nicht unmittelbar triebhafte Ziele umgelenkt wird.
Substitutionsbehandlung
Ärztliche Behandlung einer Opioidabhängigkeit mit einem Ersatzopioid wie Methadon oder Buprenorphin.
Suggestivfrage
Frage, die eine bestimmte Antwort nahelegt oder bereits Informationen vorgibt und dadurch die Aussage der befragten Person beeinflussen kann.
Suizidalität
Gesamtheit aller Gedanken, Impulse und Handlungen, die auf eine Selbsttötung ausgerichtet sind, von Todeswünschen über konkrete Suizidpläne bis zum Suizidversuch.
Suizidvorbereitung
Konkrete Handlungen zur Umsetzung eines Suizids, etwa Sammeln von Tabletten oder Beschaffen von Mitteln, die auf eine stark erhöhte akute Suizidgefahr hinweisen.
Sulfonylharnstoffe
Orale Antidiabetika (z. B. Glibenclamid, Glimepirid), die die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse anregen. Wichtigste Nebenwirkung ist die Hypoglykämie.
Sustain Talk
Klientenäußerungen, die für die Beibehaltung des bisherigen Verhaltens sprechen; Gegenstück zum Change Talk.
Switch
Umschlagen einer depressiven in eine hypomanische oder manische Phase, etwa unter antidepressiver Behandlung bei bipolarer Störung.
Sympathomimetika
Substanzen, die die Wirkung des sympathischen Nervensystems nachahmen oder verstärken, etwa durch Freisetzung von Noradrenalin.
Sympathomimetisch
Wirkung, die der Aktivierung des sympathischen Nervensystems entspricht, etwa mit Pulsanstieg, Blutdruckanstieg und Pupillenerweiterung.
Symptomverschreibung
Paradoxe Intervention, bei der der Klient angewiesen wird, das Symptom absichtlich und gezielt zu zeigen. Dadurch soll der unwillkürliche Charakter des Symptoms aufgehoben werden.
Synästhesie
Verknüpfung verschiedener Sinnesqualitäten, etwa das Sehen von Farben beim Hören von Tönen. Unter Halluzinogenen häufig auftretendes Wahrnehmungsphänomen.
Synkope
Plötzlicher, kurz andauernder Bewusstseinsverlust durch eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns. Er kann unter anderem durch Herzrhythmusstörungen verursacht werden.
Tacrolimus
Immunsuppressivum zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation. Es wird über CYP3A4 abgebaut.
Tagesschläfrigkeit
Erhöhte Einschlafneigung während des Tages bis hin zum ungewollten Einschlafen. Sie ist von bloßer Müdigkeit oder Erschöpfung ohne Einschlaffähigkeit abzugrenzen.
Talk-down
Beruhigendes, orientierendes Gespräch in reizarmer Umgebung zur Begleitung von Menschen in einem substanzbedingten Angst- oder Erregungszustand. Ziel ist die Reduktion der Angst ohne medikamentöse Intervention.
Technik des leeren Stuhls
Gestalttherapeutische Methode, bei der der Klient eine vorgestellte Person oder einen inneren Anteil auf einem freien Stuhl direkt anspricht. Oft wechselt er dabei auch selbst in deren Rolle.
Temporallappenepilepsie
Fokale Epilepsie mit Anfallsursprung im Schläfenlappen. Sie geht häufig mit psychischen Begleitstörungen einher.
Teratogenität
Eigenschaft eines Stoffes, beim ungeborenen Kind Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen hervorzurufen.
Terminalschlaf
Tiefer Schlaf, in den Betroffene häufig im Anschluss an einen generalisierten tonisch-klonischen Anfall fallen.
Tetrabenazin
Wirkstoff, der die Speicherung von Dopamin und anderen Monoaminen in Nervenzellen hemmt (VMAT2-Hemmer). Er wird zur Behandlung hyperkinetischer Bewegungsstörungen wie Spätdyskinesien eingesetzt.
Textform
Gesetzliche Formvorschrift nach § 126b BGB, die eine lesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger verlangt, etwa Papier oder E-Mail, ohne eigenhändige Unterschrift.
Therapeutische Breite
Abstand zwischen der wirksamen und der toxischen Dosis eines Arzneimittels. Je geringer die therapeutische Breite, desto größer ist das Vergiftungsrisiko bei Überdosierung.
Therapieresistente Depression
Depression, die auf mindestens zwei ausreichend dosierte und ausreichend lange Behandlungen mit Antidepressiva nicht hinreichend angesprochen hat.
Therapieresistente Schizophrenie
Schizophrenie, bei der mindestens zwei ausreichend dosierte und lange genug durchgeführte Behandlungen mit unterschiedlichen Antipsychotika keine ausreichende Besserung erbracht haben.
Thiamin
Vitamin B1. Wasserlösliches Vitamin, das als Koenzym im Kohlenhydratstoffwechsel, insbesondere des Nervensystems, benötigt wird.
Thiaziddiuretika
Harntreibende Arzneimittel (z. B. Hydrochlorothiazid), die die Natriumrückresorption im distalen Tubulus der Niere hemmen; häufig bei Bluthochdruck eingesetzt.
Thrombolyse
Medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels, beim ischämischen Schlaganfall meist mit rt-PA (Alteplase), innerhalb eines engen Zeitfensters.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Psychoanalytisch begründetes Richtlinienverfahren, das sich auf aktuell wirksame unbewusste Konflikte konzentriert. Es findet meist im Sitzen mit einer Sitzung pro Woche statt.
Tiefgreifende Entwicklungsstörung
Gruppe von Störungen (ICD-10 F84) mit qualitativen Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie eingeschränkten, stereotypen Interessen und Aktivitäten, die das gesamte Funktionsniveau prägen.
Tiefschlaf
Stadium des Non-REM-Schlafs mit langsamen, hohen Hirnstromwellen und schwerer Erweckbarkeit. Er überwiegt im ersten Drittel der Nacht, aus ihm entstehen Schlafwandeln und Pavor nocturnus.
Titelmissbrauch (§ 132a StGB)
Straftatbestand des unbefugten Führens geschützter Titel, Berufsbezeichnungen oder Abzeichen, etwa der Bezeichnungen Arzt oder Psychotherapeut.
Todd-Parese
Vorübergehende Lähmung nach einem fokalen motorischen Anfall, die sich meist innerhalb von Stunden zurückbildet.
Toleranz
Nachlassen der Wirkung eines Stoffes bei wiederholter Einnahme, sodass für den gleichen Effekt höhere Dosen nötig werden.
Topisches Modell
Freuds frühes Modell des psychischen Apparats mit den Systemen Unbewusstes, Vorbewusstes und Bewusstes.
Torsade de pointes
Lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardie mit spindelförmig um die Grundlinie schwankenden QRS-Komplexen. Sie tritt typischerweise bei verlängerter QT-Zeit auf und kann in Kammerflimmern übergehen.
Transaktionales Stressmodell
Modell nach Lazarus, nach dem Stress aus der Bewertung einer Situation und der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten entsteht.
Transdermales therapeutisches System
Wirkstoffpflaster, das ein Arzneimittel über einen längeren Zeitraum kontinuierlich durch die Haut abgibt, etwa Fentanylpflaster zur Schmerztherapie.
Transgenerationale Weitergabe
Weitergabe von Beziehungsmustern, Aufträgen, Konflikten oder Verhaltensweisen über mehrere Generationen einer Familie, die oft unbewusst erfolgt.
Transiente globale Amnesie
Plötzlich auftretende, vorübergehende anterograde Amnesie von meist mehreren Stunden Dauer bei erhaltener persönlicher Identität. Sie bildet sich vollständig zurück.
Transitorische ischämische Attacke (TIA)
Vorübergehende, durch eine Durchblutungsstörung bedingte neurologische Funktionsstörung ohne bleibenden Gewebeschaden. Sie gilt als Warnzeichen eines drohenden Schlaganfalls.
Transsexualismus
Nach ICD-10 der anhaltende Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Er geht meist mit Unbehagen über das eigene anatomische Geschlecht und dem Wunsch nach körperangleichender Behandlung einher (F64.0).
Transtheoretisches Modell
Von Prochaska und DiClemente entwickeltes Modell der Verhaltensänderung, das Veränderung als Abfolge von Stadien beschreibt (Absichtslosigkeit, Absichtsbildung, Vorbereitung, Handlung, Aufrechterhaltung).
Trauerausschlusskriterium
Regel im DSM-IV, nach der depressive Symptome in den ersten zwei Monaten nach einem Todesfall in der Regel nicht als Major Depression diagnostiziert wurden. Sie wurde im DSM-5 gestrichen.
Trauerreaktion
Natürliche emotionale Reaktion auf den Verlust einer nahestehenden Person mit Schmerz, Sehnsucht und Traurigkeit. Sie hat in ihrer kulturell üblichen Form keinen Krankheitswert.
Traumakonfrontation
Therapeutische Technik, bei der sich die Patientin gezielt und kontrolliert mit Erinnerungen an das traumatische Ereignis auseinandersetzt, um dessen Verarbeitung zu ermöglichen.
Trennungsangst
Angst eines Kindes vor der Trennung von seinen Hauptbezugspersonen; als Störung gilt sie, wenn sie in Ausmaß und Dauer deutlich über das entwicklungstypische Maß hinausgeht.
Treponema pallidum
Spiralförmiges Bakterium, das die Syphilis (Lues) verursacht. Im Spätstadium kann es das Nervensystem befallen.
Tresorübung
Imaginative Distanzierungstechnik der Traumatherapie, bei der belastende Erinnerungen in der Vorstellung in einem sicheren Behälter verschlossen werden, um sie vorübergehend kontrollierbar zu machen.
Trichobezoar
Aus verschluckten Haaren gebildeter Fremdkörper im Magen oder Darm. Er kann zu Schmerzen, Erbrechen, Darmverschluss oder Perforation führen.
Trichophagie
Verschlucken ausgerissener Haare, das häufig zusammen mit einer Trichotillomanie auftritt.
Trichotillomanie
Störung der Impulskontrolle mit wiederholtem, nicht unterdrückbarem Ausreißen der eigenen Haare und deutlichem Haarverlust. Typisch sind Spannung vor und Erleichterung nach der Handlung (ICD-10 F63.3).
Triptane
Serotonin-5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten zur Behandlung akuter Migräneattacken, z. B. Sumatriptan.
TSH
Thyreoidea-stimulierendes Hormon der Hypophyse; zentraler Laborwert zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.
Tyramin
Biogenes Amin, das in gereiften und fermentierten Lebensmitteln vorkommt. Es setzt Noradrenalin frei und wird normalerweise durch die Monoaminooxidase abgebaut.
Überbehütung
Übermäßig kontrollierendes und fürsorgliches Verhalten, das die Selbstständigkeit des Betroffenen einschränkt. Es gilt als Merkmal emotionaler Überinvolviertheit.
Überlaufenkopresis
Einkoten infolge einer chronischen Stuhlverhaltung, bei der weicher Stuhl an verhärteten Stuhlmassen im Enddarm vorbei austritt.
Übertragung der Entscheidungsbefugnis
Familiengerichtliche Entscheidung nach § 1628 BGB, mit der bei Uneinigkeit der Eltern einem Elternteil die Entscheidung in einer bestimmten Angelegenheit zugewiesen wird.
Überwertige Idee
Eine emotional stark besetzte Überzeugung, die das Denken beherrscht, aber prinzipiell noch korrigierbar ist. Sie ist daher vom Wahn abzugrenzen.
Unerledigtes Geschäft (unfinished business)
Gestalttherapeutischer Begriff für nicht abgeschlossene Situationen und unausgedrückte Gefühle aus der Vergangenheit. Sie beeinflussen das gegenwärtige Erleben weiterhin.
Ungeschehenmachen
Abwehrmechanismus, bei dem durch eine Handlung oder einen Gedanken ein vorausgegangener, als bedrohlich erlebter Gedanke oder eine Handlung symbolisch aufgehoben werden soll.
Unterlassene Hilfeleistung
Straftat nach § 323c StGB. Sie begeht, wer bei Unglücksfällen, gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und zumutbar ist.
Unzinatusanfall
Fokaler Anfall aus der Uncusregion des Temporallappens mit meist unangenehmen Geruchs- oder Geschmackswahrnehmungen ohne äußeren Reiz.
U-Welle
Kleine Welle nach der T-Welle im EKG. Sie tritt bei Hypokaliämie besonders deutlich hervor.
Vaginismus
Unwillkürliche Verkrampfung der Muskulatur um den Scheideneingang, die das Einführen des Penis, eines Fingers oder eines Tampons verhindert oder schmerzhaft macht.
Valsalva-Manöver
Pressatmung gegen die geschlossene Stimmritze. Sie verändert den intrathorakalen Druck und kann zu Blutdruckschwankungen und Herzrhythmusveränderungen führen.
Vaskuläre Demenz
Demenz infolge zerebrovaskulärer Schädigungen, z. B. multipler Infarkte, häufig mit stufenweisem Verlauf und emotionaler Labilität.
Vegetative Übererregbarkeit
Gesteigerte Aktivität des autonomen Nervensystems mit Symptomen wie Schwitzen, Herzrasen, Mundtrockenheit, Schwindel oder Oberbauchbeschwerden.
Ventrikuloperitonealer Shunt
Operativ angelegtes Ventil-Schlauch-System, das Liquor aus den Hirnkammern in die Bauchhöhle ableitet.
Verbigeration
Stereotypes, sinnloses Wiederholen von Wörtern, Silben oder Sätzen.
Verdichtung
Primärprozesshafter Mechanismus, bei dem mehrere Vorstellungen in einer einzigen Vorstellung zusammengefasst werden, etwa in einem Traumbild.
Verfolgungswahn
Inhaltliche Denkstörung mit der unkorrigierbaren Überzeugung, beobachtet, verfolgt oder bedroht zu werden.
Vergehen
Rechtswidrige Tat, die im Mindestmaß mit einer geringeren Freiheitsstrafe als einem Jahr oder mit Geldstrafe bedroht ist (§ 12 Abs. 2 StGB). Davon abzugrenzen ist das Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr.
Vermeidungsverhalten
Gezieltes Ausweichen vor angstauslösenden Situationen oder Reizen, das kurzfristig entlastet, die Angst aber langfristig aufrechterhält.
Vernachlässigung
Andauerndes oder wiederholtes Unterlassen der körperlichen, emotionalen, gesundheitlichen oder erzieherischen Fürsorge durch Sorgeverantwortliche, das die Entwicklung des Kindes gefährdet.
Versagensangst
Erwartungsangst vor einem erneuten sexuellen Misserfolg. Sie verstärkt über vegetative Anspannung und Selbstbeobachtung die Funktionsstörung im Sinne eines Teufelskreises.
Versagungsgrund
Gesetzlich festgelegter Umstand, bei dessen Vorliegen eine beantragte Erlaubnis nicht erteilt werden darf. Für die Heilpraktikererlaubnis sind die Versagungsgründe in § 2 Abs. 1 der 1. DVO-HeilprG abschließend aufgeführt.
Verschreibungspflicht
Gesetzliche Regelung nach § 48 AMG, wonach bestimmte Arzneimittel nur nach Vorlage einer ärztlichen, zahnärztlichen oder tierärztlichen Verschreibung abgegeben werden dürfen.
Verstärkerplan
Verhaltenstherapeutisches Instrument, bei dem erwünschtes Verhalten systematisch, z. B. mit Punkten oder Symbolen, belohnt wird.
Verwechslungsfähige Bezeichnung
Bezeichnung, die einer geschützten Berufsbezeichnung so ähnlich ist, dass sie beim Publikum denselben Eindruck erweckt; sie ist nach § 132a Abs. 2 StGB der geschützten Bezeichnung gleichgestellt.
Vetorecht des Minderjährigen
Recht eines einwilligungsfähigen Minderjährigen, eine von den Eltern gewünschte, nicht dringend gebotene Behandlung abzulehnen.
Video-EEG-Monitoring
Zeitgleiche, meist mehrtägige Aufzeichnung von Videobild und Hirnstromkurve zur Zuordnung anfallsartiger Ereignisse.
Vollzeitpflege
Hilfe zur Erziehung nach § 33 SGB VIII, bei der ein Kind zeitlich befristet oder auf Dauer in einer anderen Familie lebt.
Vorbewusstes
Psychische Inhalte, die aktuell nicht bewusst sind, aber ohne Überwindung von Widerstand bewusst gemacht werden können.
Vorsorgevollmacht
Vollmacht, mit der eine Person eine Vertrauensperson ermächtigt, sie für den Fall eigener Handlungsunfähigkeit in bestimmten Angelegenheiten wie der Gesundheitssorge zu vertreten.
Vulnerabilität
Individuelle Anfälligkeit einer Person, unter Belastung psychisch zu erkranken. Bei F62.0 muss die Belastung so extrem sein, dass diese Anfälligkeit zur Erklärung nicht erforderlich ist.
Vulnerabilitäts-Stress-Modell
Erklärungsmodell, nach dem eine psychische Störung entsteht, wenn eine individuelle Verletzlichkeit mit Belastungen zusammentrifft und eine persönliche Schwelle überschritten wird.
Wahn
Krankhaft entstandene Fehlbeurteilung der Realität, die mit subjektiver Gewissheit vertreten wird und durch Erfahrung oder Gegenargumente nicht korrigierbar ist.
Waterhouse-Friderichsen-Syndrom
Foudroyant verlaufende Meningokokken-Sepsis mit Gerinnungsstörung, Hautblutungen und Nebennierenversagen.
Weiterbildung (Kammerrecht)
Nach Erteilung der Approbation absolvierte, von der Heilberufekammer geregelte Qualifizierung, die zum Führen einer Fachbezeichnung berechtigt.
Wernicke-Enzephalopathie
Akute, durch Thiaminmangel verursachte Hirnschädigung mit Verwirrtheit, Ataxie und Augenmotilitätsstörungen. Sie ist ein medizinischer Notfall.
Werther-Effekt
Nachahmungseffekt, bei dem es nach medialer Berichterstattung über einen Suizid zu einem Anstieg weiterer Suizide kommt.
Wesensänderung
Anhaltende Veränderung der bisherigen Persönlichkeit, etwa in Antrieb, Affekt, Sozialverhalten oder Impulskontrolle. Bei Erstmanifestation im Erwachsenenalter ist sie ein Warnzeichen für eine hirnorganische Erkrankung.
Widerruf der Einwilligung
Erklärung, mit der eine erteilte Einwilligung für die Zukunft aufgehoben wird. Bereits erfolgte Weitergaben bleiben rechtmäßig, weitere sind ab dem Widerruf unzulässig.
Wirklatenz
Zeitraum zwischen Beginn der Einnahme eines Arzneimittels und dem Eintreten der therapeutischen Wirkung; bei Antidepressiva meist zwei bis vier Wochen.
Wissenschaftlich anerkanntes Verfahren
Psychotherapeutisches Verfahren, dessen Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist; in Deutschland begutachtet der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie die Anerkennung.
Wochenbett (Puerperium)
Zeitraum nach der Entbindung, in dem sich die schwangerschaftsbedingten körperlichen Veränderungen zurückbilden. Er umfasst etwa sechs bis acht Wochen.
Wunderfrage
Lösungsorientierte Frage, bei der sich der Klient vorstellt, sein Problem sei über Nacht durch ein Wunder gelöst. Er beschreibt dann, woran er und andere dies bemerken würden.
Zeitliche Orientierung
Wissen um Datum, Wochentag, Monat, Jahr und Jahreszeit. Sie ist bei organischen Störungen meist als erste beeinträchtigt.
Zentrales anticholinerges Syndrom
Vergiftungsbild durch Blockade muskarinischer Acetylcholinrezeptoren. Es zeigt sich durch Delir und Halluzinationen sowie periphere Zeichen wie Mydriasis, trockene Haut, Tachykardie und Harnverhalt.
Zirkuläres Fragen
Systemische Fragetechnik, bei der eine Person nach ihrer Sicht auf Beziehungen, Verhaltensweisen oder Gedanken anderer Systemmitglieder gefragt wird. Sie macht Wechselwirkungen und Beziehungsmuster sichtbar.
Zönästhesie
Leibhalluzination: abnorme Körpergefühle wie Brennen, Durchströmtwerden oder Verändertsein von Organen. Sie werden häufig als von außen gemacht erlebt und kommen vor allem bei Schizophrenie vor.
Z-Substanzen
Gruppe von Hypnotika (Zolpidem, Zopiclon, Zaleplon), die chemisch keine Benzodiazepine sind, aber an deren Bindungsstelle am GABA-A-Rezeptor wirken.
Zumutbarkeit
Voraussetzung der Hilfspflicht nach § 323c StGB; Hilfe ist nicht geschuldet, wenn sie nur unter erheblicher eigener Gefahr oder unter Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich wäre.
Zurücknehmen
Aktive Beendigung einer Übung des autogenen Trainings, z. B. durch Armbeugen, tiefes Atmen und Augenöffnen. Muskeltonus und Kreislauf werden dadurch wieder auf Wachniveau gebracht.
Zwangsgedanken
Sich wiederholt aufdrängende, als quälend und unsinnig erlebte Gedanken, die als eigene Gedanken erkannt werden und gegen die die Person Widerstand leistet.
Zwischenblutung
Blutung außerhalb der regulären Entzugsblutung unter hormoneller Verhütung. Sie kann auf zu niedrige Hormonspiegel hinweisen.
Zyanose
Bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten infolge eines Sauerstoffmangels im Blut.
Zyklothymia
Anhaltende affektive Störung (F34.0) mit chronischer Stimmungsinstabilität, bei der sich leicht depressive und leicht gehobene Perioden abwechseln, ohne das Ausmaß einer depressiven oder (hypo-)manischen Episode zu erreichen.