Lexikon der Begriffe
Magisches Denken
Überzeugung, durch Gedanken, Worte oder Handlungen Ereignisse auf nicht kausal erklärbare Weise beeinflussen zu können.
Magnetischer Gang
Gangbild, bei dem die Füße kaum vom Boden abgehoben werden und wie am Boden festgeklebt wirken. Er ist typisch für den Normaldruckhydrozephalus.
Maligne Hyperthermie
Genetisch bedingte, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung der Skelettmuskulatur, ausgelöst durch bestimmte Narkosemittel. Sie geht mit Muskelrigidität und rasch ansteigender Körpertemperatur einher.
Maligne Regression
Von Michael Balint beschriebene destruktive Form der Regression. Der Patient verharrt dabei in Abhängigkeit und fordert anhaltend Bedürfnisbefriedigung vom Therapeuten, ohne einen therapeutischen Neubeginn zu erreichen.
Malignes neuroleptisches Syndrom
Seltene, potenziell tödliche Nebenwirkung von Neuroleptika. Sie ist gekennzeichnet durch Rigor, Hyperthermie, autonome Instabilität, Bewusstseinsstörung und eine erhöhte Kreatinkinase.
Manische Episode
Affektive Störung (ICD-10 F30) mit gehobener oder gereizter Stimmung, gesteigertem Antrieb, vermindertem Schlafbedürfnis, Rededrang und oft Selbstüberschätzung, die mindestens eine Woche anhält.
MAO-Hemmer
Antidepressiva, die das Enzym Monoaminoxidase hemmen und so den Abbau von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin vermindern. Ein Beispiel ist Tranylcypromin.
Mathematische Basiskompetenzen
Grundlegende Fähigkeiten wie Mengenerfassung, Zählen, Zahlverständnis und Stellenwertverständnis, auf denen das Erlernen der Grundrechenarten aufbaut.
MDMA
3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin, Wirkstoff von „Ecstasy“; Amphetaminderivat mit stimulierender und entaktogener Wirkung.
MECP2
Gen auf dem X-Chromosom, das ein für die Regulation der Genaktivität in Nervenzellen wichtiges Protein kodiert. Mutationen darin sind die Hauptursache des Rett-Syndroms.
MECP2-Gen
Auf dem X-Chromosom gelegenes Gen, dessen Mutationen die häufigste Ursache des Rett-Syndroms sind.
Meningismus
Schmerzhafte Nackensteifigkeit bei passiver Kopfbeugung als Zeichen einer Reizung der Hirnhäute.
Merkfähigkeit
Fähigkeit, sich neue Eindrücke über einen kurzen Zeitraum von etwa zehn Minuten zu merken und sie anschließend wiederzugeben.
Metabolisches Syndrom
Kombination aus abdomineller Adipositas, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und gestörtem Glukosestoffwechsel. Es erhöht das Risiko für Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Methodenrestriktion
Suizidpräventive Strategie, bei der der Zugang zu häufig genutzten Suizidmitteln wie Medikamenten, Schusswaffen oder gefährlichen Orten eingeschränkt wird.
Methylphenidat
Psychostimulans zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, das als Betäubungsmittel nur auf ärztliches Betäubungsmittelrezept verschrieben werden darf.
Mikrozephalie
Abnorm kleiner Kopfumfang, der beim Rett-Syndrom durch eine nach anfänglich normalem Wachstum einsetzende Verlangsamung des Kopfwachstums entsteht.
Mini-Mental-State-Examination (MMSE)
Standardisierter kognitiver Kurztest mit maximal 30 Punkten zum Screening auf kognitive Beeinträchtigungen, insbesondere bei Verdacht auf Demenz.
Miosis
Verengung der Pupillen. Stecknadelkopfgroße Pupillen sind ein typisches Zeichen der Opioidwirkung.
Mirtazapin
Noradrenerg und spezifisch serotonerg wirksames Antidepressivum (NaSSA) mit ausgeprägt sedierender Wirkung. Zu den Nebenwirkungen gehören Gewichtszunahme, Müdigkeit und die Auslösung oder Verstärkung eines Restless-Legs-Syndroms.
Mischintoxikation
Vergiftung durch den gleichzeitigen Konsum mehrerer psychotroper Substanzen, deren Wirkungen sich gegenseitig verstärken können.
Mischkonsum
Gleichzeitige oder zeitnahe Einnahme mehrerer psychotroper Substanzen, deren Wirkungen sich verstärken oder unvorhersehbar verändern können.
Mitbewegungen
Unwillkürliche Begleitbewegungen von Gesicht, Kopf oder Körper, die beim Stottern während der Sprechunflüssigkeiten auftreten.
Monoaminooxidase
Enzym, das Monoamine wie Serotonin, Noradrenalin, Dopamin und Tyramin abbaut. Es kommt in den Formen MAO-A und MAO-B vor.
Morbus Hirschsprung
Angeborenes Fehlen von Nervenzellen in einem Abschnitt der Darmwand, das zu schwerer chronischer Verstopfung führt und organisch behandelt werden muss.
Moria
Krankhaft heitere, läppische Gestimmtheit mit Neigung zu flachen Witzeleien (Witzelsucht). Sie tritt typischerweise bei Frontalhirnschädigungen auf.
Motivierende Gesprächsführung
Von Miller und Rollnick entwickelter klientenzentrierter, zugleich zielorientierter Gesprächsstil (Motivational Interviewing), der die eigene Veränderungsmotivation des Klienten durch Erkunden und Auflösen von Ambivalenz stärkt.
Multisystemische Therapie
Intensives, aufsuchendes Behandlungsprogramm für Jugendliche mit schwerem dissozialem Verhalten, das gleichzeitig an Familie, Schule, Gleichaltrigen und Nachbarschaft ansetzt.
Münchhausen-by-proxy-Syndrom
Form der Kindesmisshandlung, bei der eine Bezugsperson bei einem Kind Krankheitssymptome vortäuscht oder herbeiführt und so medizinische Behandlungen veranlasst. International wird es auch als fabricated or induced illness bezeichnet.
Muskelrelaxation
Herabsetzung des Muskeltonus; bei Benzodiazepinen und Z-Substanzen eine Wirkung, die bei älteren Menschen zu Gangunsicherheit und Stürzen beitragen kann.
Mutismus
Verstummen bzw. Nichtsprechen bei intakten Sprechorganen und erhaltener Sprachfähigkeit.
Mutmaßlicher Wille
Wille, den eine Person nach ihren früheren Äußerungen, Wertvorstellungen und Lebensumständen vermutlich hätte. Er ist maßgeblich, wenn sie sich selbst nicht mehr äußern kann.
Mutter-Kind-Einheit
Stationäres psychiatrisches Behandlungsangebot, in dem Mütter gemeinsam mit ihrem Säugling aufgenommen werden, um Behandlung und Mutter-Kind-Beziehung gleichzeitig zu fördern.
Mydriasis
Erweiterung der Pupillen.
Myoglobinurie
Ausscheidung des Muskelfarbstoffs Myoglobin mit dem Urin. Sie färbt den Urin dunkel und kann die Nieren schädigen.
Myoklonie
Plötzliche, kurze, unwillkürliche Zuckung eines Muskels oder einer Muskelgruppe.
Myoklonien
Plötzliche, kurze, unwillkürliche Zuckungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen.