Lexikon der Begriffe
Ich-dyston
Bezeichnung für Erleben, das von der betroffenen Person als nicht zu sich gehörig, fremd und unsinnig empfunden wird, typisch für Zwangsgedanken.
Ichdystone Sexualorientierung
ICD-10-Diagnose F66.1, bei der die sexuelle Orientierung selbst nicht gestört ist, die betroffene Person sich aber wegen begleitender psychischer Probleme eine andere Orientierung wünscht.
Ich-Funktionen
Psychische Fähigkeiten des Ich, etwa Realitätsprüfung, Urteilsvermögen, Impulskontrolle, Affektregulation und Abwehr. Ihr Zustand bestimmt maßgeblich die Ich-Stärke.
Ich-Ideal
Teil des Über-Ichs, der die verinnerlichten Idealvorstellungen und Vorbilder enthält, an denen sich das Ich misst.
Ich-Stärke
Psychoanalytischer Begriff für die Fähigkeit des Ich, Triebimpulse, Affekte und Anforderungen der Realität zu integrieren. Er umfasst unter anderem Realitätsprüfung, Impulskontrolle, Angst- und Frustrationstoleranz.
Ich-Störung
Störung des Erlebens der Abgrenzung zwischen eigener Person und Umwelt, etwa Gedankeneingebung, Gedankenentzug, Gedankenausbreitung oder Fremdbeeinflussungserleben.
Ich-Zustände
In der Transaktionsanalyse zusammenhängende Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens. Unterschieden werden Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich.
Idealisierung
Abwehrvorgang, bei dem eine Person übermäßig positiv und frei von Mängeln wahrgenommen wird; häufig im Wechsel mit Entwertung.
Ideenflucht
Formale Denkstörung mit beschleunigtem Gedankengang, bei dem der Patient ständig von einem Gedanken zum nächsten springt und das Ziel des Gedankengangs verliert; typisch für die Manie.
Illusion
Wahrnehmungsstörung, bei der ein real vorhandener Sinnesreiz verfälscht wahrgenommen oder umgedeutet wird.
Illusionäre Verkennung
Wahrnehmungsstörung, bei der ein real vorhandener Reiz falsch gedeutet wird, etwa ein Mantel im Dunkeln als Person.
Immaterielle Interessen
Nicht vermögensbezogene, etwa persönliche oder emotionale Belange von Angehörigen. Ein Beispiel ist der Wunsch, die Umstände des Todes eines nahestehenden Menschen nachzuvollziehen.
Immersionsverbrühung
Verbrühung durch Eintauchen eines Körperteils in heiße Flüssigkeit, typischerweise mit scharfer, gleichmäßiger Begrenzung und ohne Spritzer.
Imperative Stimmen
Akustische Halluzinationen, die dem Betroffenen Befehle erteilen. Sie gelten als Hinweis auf eine erhöhte Selbst- und Fremdgefährdung.
Impulskontrollstörung
Wiederholte Unfähigkeit, einem Impuls zu einer schädlichen Handlung zu widerstehen, etwa zu Glücksspiel, Kaufen oder sexuellem Verhalten. Sie kann unter dopaminergen Medikamenten auftreten.
Indexpatient
In der systemischen Therapie das Familienmitglied, das die Symptome zeigt und meist der Anlass für die Behandlung ist. Das Symptom wird als Ausdruck des gesamten Systems verstanden.
Induzierte wahnhafte Störung
Wahnhafte Störung (ICD-10 F24), bei der eine Person mit enger emotionaler Bindung den Wahn einer psychotisch erkrankten Person übernimmt. Auch als Folie à deux bezeichnet.
Infantizid
Tötung eines Kindes, insbesondere eines Säuglings. Im Wochenbett ist das Risiko bei psychotischen Störungen der Mutter erhöht.
Inklusivum
In der ICD-10 aufgeführter Begriff, der ausdrücklich unter einer bestimmten Kategorie zu verschlüsseln ist, etwa ein älteres Synonym oder eine verwandte Zustandsbeschreibung.
Innerfamiliärer sexueller Missbrauch
Sexueller Missbrauch eines Kindes oder Jugendlichen durch ein Familienmitglied oder eine Person aus dem engen häuslichen Umfeld, etwa einen Elternteil oder Stiefelternteil.
Inobhutnahme
Vorläufige Schutzmaßnahme des Jugendamts nach § 42 SGB VIII. Ein Kind oder Jugendlicher wird bei dringender Gefahr für sein Wohl vorübergehend außerhalb der Familie untergebracht.
INR
International Normalized Ratio. Standardisierter Laborwert zur Kontrolle der Blutgerinnung unter Vitamin-K-Antagonisten.
Insoweit erfahrene Fachkraft
Speziell qualifizierte Fachkraft im Kinderschutz, die Berufsgeheimnisträger und Einrichtungen bei der Einschätzung einer möglichen Kindeswohlgefährdung berät. Ihre Beratung erfolgt in der Regel anonymisiert oder pseudonymisiert.
Intellektualisierung
Abwehrmechanismus, bei dem konflikthafte Themen abstrakt und rational behandelt werden, um die damit verbundenen Gefühle zu vermeiden.
Interozeptive Exposition
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der angstbesetzte Körperempfindungen absichtlich ausgelöst werden. Der Patient soll so erfahren, dass diese Empfindungen ungefährlich sind.
Intoxikation
Vergiftung durch Aufnahme einer Substanz in einer Menge, die zu körperlichen oder psychischen Funktionsstörungen führt.
Introvertiertheit
Nach innen gerichtete Grundhaltung mit Zurückhaltung im sozialen Kontakt und vorrangiger Beschäftigung mit der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt.
Intrusion
Sich unwillkürlich aufdrängende, belastende Erinnerungen an ein traumatisches Ereignis, etwa in Form von Bildern, Gedanken oder Nachhallerinnerungen.
Irreführende Werbung
Werbung, die durch unwahre oder zur Täuschung geeignete Angaben falsche Vorstellungen über Wirkung, Erfolg oder Qualifikation hervorruft. Im Heilwesen ist sie nach § 3 HWG verboten und nach § 14 HWG strafbar.
Isolierung des Affekts
Abwehrmechanismus, bei dem eine Vorstellung bewusst bleibt, aber von dem zugehörigen Gefühl getrennt wird.