Lexikon der Begriffe

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Dämmerzustand
Qualitative Bewusstseinsstörung mit Einengung des Bewusstseins, bei der äußerlich geordnetes Handeln möglich ist und meist eine anschließende Amnesie besteht.
Dantrolen
Direkt am Skelettmuskel wirkendes Muskelrelaxans. Es wird bei maligner Hyperthermie und beim malignen neuroleptischen Syndrom eingesetzt.
Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
EU-Verordnung zum Schutz personenbezogener Daten, die u. a. Gesundheitsdaten als besonders schutzwürdig einstuft und Betroffenenrechte wie das Recht auf Löschung regelt.
Debriefing
Einmalige, strukturierte Gesprächsintervention kurz nach einem Trauma, bei der das Ereignis detailliert nacherzählt wird; als Routinemaßnahme zur Prävention nicht empfohlen.
Deeskalation
Gesamtheit verbaler und nonverbaler Interventionen, die eine Zuspitzung aggressiven Verhaltens verhindern oder eine bestehende Erregung abbauen sollen, ohne Zwang anzuwenden.
Dehydratation
Verminderung des Körperwassers, z. B. durch Erbrechen, Durchfall, Fieber, Schwitzen oder zu geringe Trinkmenge.
Déjà-vu-Erlebnis
Gedächtnistäuschung, bei der eine neue Situation fälschlich als bereits erlebt empfunden wird; typische Aura bei Temporallappenepilepsie.
Delir
Akut auftretendes, meist organisch bedingtes Syndrom mit Störungen von Bewusstsein, Aufmerksamkeit, Orientierung, Wahrnehmung, Psychomotorik und Schlaf-Wach-Rhythmus. Es erfordert eine dringende ärztliche Abklärung.
Delirium tremens
Alkoholentzugsdelir mit Bewusstseinsstörung, Desorientierung, Halluzinationen, Tremor und vegetativer Entgleisung; ein lebensbedrohlicher Notfall.
Demaskierung
Sichtbarwerden einer bereits bestehenden, zuvor durch ein Medikament unterdrückten Symptomatik nach Dosisreduktion oder Absetzen.
Depersonalisation
Störung des Ich-Erlebens, bei der die betroffene Person sich selbst, ihren Körper oder Körperteile als fremd, unwirklich oder verändert erlebt.
Depersonalisations-/Derealisationssyndrom
Störung (ICD-10 F48.1) mit anhaltender oder wiederkehrender Entfremdung von sich selbst und/oder der Umwelt. Die Einsicht in die Unwirklichkeit dieses Erlebens bleibt erhalten.
Depressive Episode (F32)
Affektive Störung mit gedrückter Stimmung, Interessen- oder Freudverlust und Antriebsminderung über mindestens zwei Wochen, begleitet von weiteren Symptomen wie Schlafstörungen oder Schuldgefühlen.
Depressive Pseudodemenz
Kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen im Rahmen einer Depression, die eine Demenz vortäuschen und sich mit Besserung der Depression meist zurückbilden.
Depressiver Stupor
Maximalform der depressiven psychomotorischen Hemmung mit weitgehender Bewegungs- und Reaktionslosigkeit sowie Mutismus.
Derealisation
Störung des Erlebens, bei der die Umgebung als unwirklich, fremdartig, entfernt oder verändert wahrgenommen wird. Die Einsicht in die Abnormität dieses Erlebens bleibt meist erhalten.
Dermatozoenwahn
Wahnhafte Überzeugung, von Parasiten oder kleinen Tieren in oder auf der Haut befallen zu sein. Typisch ist das Vorzeigen vermeintlicher Beweise in Behältnissen.
Desintegrative Störung des Kindesalters
Tiefgreifende Entwicklungsstörung, bei der es nach mindestens zwei Jahren normaler Entwicklung zu einem deutlichen Verlust bereits erworbener Fähigkeiten in mehreren Bereichen kommt (F84.3).
Desorientierung
Mangelhaftes oder fehlendes Wissen um Zeit, Ort, Situation oder die eigene Person. Sie wird nach den betroffenen Qualitäten unterschieden.
Diabetische Ketoazidose
Akute, lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung bei absolutem Insulinmangel. Sie geht mit Hyperglykämie, Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper und Flüssigkeitsverlust einher.
Diabetische Polyneuropathie
Schädigung mehrerer peripherer Nerven als Folge eines Diabetes mellitus. Sie verursacht häufig brennende Schmerzen und Missempfindungen, vor allem an den Füßen.
Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT)
Von Marsha Linehan entwickelte, verhaltenstherapeutisch fundierte Behandlung für Menschen mit schweren Störungen der Emotionsregulation, die Veränderungsstrategien mit Akzeptanz und Achtsamkeit verbindet.
Differenzialdiagnose
Abgrenzung von Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik, um die zutreffende Diagnose zu stellen.
Digoxin
Herzglykosid zur Behandlung von Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern mit geringer therapeutischer Breite.
Diskrepanzkriterium
Diagnostische Forderung, dass eine Leistung deutlich unter dem Niveau liegt, das aufgrund von Alter und allgemeiner Intelligenz zu erwarten wäre.
Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2) mit Missachtung sozialer Normen und der Gefühle anderer, geringer Frustrationstoleranz, Neigung zu Aggression und fehlendem Schuldbewusstsein.
Dissoziation
Teilweiser oder vollständiger Verlust der normalen Integration von Erinnerungen, Identitätsbewusstsein, Empfindungen und Kontrolle von Körperbewegungen, häufig als Reaktion auf überwältigende Belastung.
Dissoziative Amnesie
Psychogener Erinnerungsverlust, meist für belastende oder traumatische Ereignisse, ohne organische Ursache.
Dissoziative Fugue
Zielgerichtete Ortsveränderung über die alltägliche Umgebung hinaus mit Amnesie und äußerlich geordnetem Verhalten im Zusammenhang mit seelischer Belastung (ICD-10 F44.1).
Dissoziativer Anfall
Anfallsartiges Ereignis, das einem epileptischen Anfall ähneln kann, aber nicht auf epileptischer Hirnaktivität beruht, sondern psychisch bedingt ist (ICD-10 F44.5).
Dissoziativer Stupor
Psychogen bedingter Stupor ohne erklärende körperliche oder andere psychische Erkrankung, meist in Zusammenhang mit belastenden Ereignissen (ICD-10 F44.2).
Distanzierungsfähigkeit
Fähigkeit einer suizidalen Person, sich glaubhaft und verlässlich von suizidalen Handlungen abzugrenzen. Fehlt sie, spricht dies für akute Suizidgefahr.
Distanzlosigkeit
Fehlendes Gespür für angemessene soziale Nähe und Grenzen, etwa durch unbefangenes Zugehen auf und Körperkontakt mit fremden Personen.
Disulfiram-Alkohol-Reaktion
Unverträglichkeitsreaktion bei Alkoholkonsum unter Disulfiram durch Anreicherung von Acetaldehyd, unter anderem mit Flush, Tachykardie, Übelkeit und Blutdruckabfall, im Extremfall mit Kreislaufversagen.
Dokumentationspflicht
Gesetzliche Pflicht des Behandelnden nach § 630f BGB, eine Patientenakte zu führen und darin alle wesentlichen Behandlungsmaßnahmen, Befunde und Aufklärungen zeitnah festzuhalten.
Dopaminagonist
Arzneistoff, der Dopaminrezeptoren direkt stimuliert. Dopaminagonisten werden unter anderem beim Morbus Parkinson und beim Restless-Legs-Syndrom eingesetzt.
Doppeln
Psychodramatische Technik, bei der ein Mitspieler unausgesprochene Gefühle und Gedanken des Protagonisten in der Ich-Form äußert.
Doppelte Buchführung
Nebeneinander von wahnhaftem Erleben und zutreffender Orientierung in der realen Welt, typisch bei schizophrenen Psychosen.
Double Depression
Zusammentreffen einer chronischen leichten depressiven Verstimmung (Dysthymia) mit einer zusätzlich auftretenden depressiven Episode; Sonderform der chronischen Depression.
Doxylamin
Sedierendes Antihistaminikum, das als frei verkäufliches Schlafmittel angeboten wird und stark anticholinerg wirkt.
Drama-Dreieck
Von Stephen Karpman beschriebenes Modell psychologischer Spiele mit den Rollen Verfolger, Retter und Opfer, zwischen denen die Beteiligten wechseln.
Drei-Stufen-Theorie
Vom BGH entwickelte Abstufung, wann bei gemeinsamer Sorge die Einwilligung des anwesenden Elternteils genügt und wann die Zustimmung des anderen Elternteils sicher feststehen muss.
Dysarthrie
Störung der Sprechmotorik mit verwaschener, undeutlicher Artikulation.
Dysexekutives Syndrom
Störung der höheren Kontrollfunktionen wie Planen, Problemlösen, Handlungsüberwachung und flexibles Umstellen. Sie tritt typischerweise nach Schädigung des präfrontalen Kortex auf.
Dysgeusie
Störung der Geschmackswahrnehmung, etwa ein anhaltender bitterer oder metallischer Geschmack.
Dysmorphophobie
Ältere Bezeichnung für die übermäßige Furcht bzw. Überzeugung, körperlich entstellt oder hässlich zu sein. Nach ICD-10 wird die nicht wahnhafte Form unter F45.2, die wahnhafte Form unter F22.8 verschlüsselt.
Dyspareunie
Schmerzen im Genitalbereich während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Sie können bei Frauen und Männern auftreten.
Dysphorie
Missmutige, mürrische und übellaunige Verstimmung, häufig mit Gereiztheit verbunden.
Dyssomnie
Nach ICD-10 primär psychogene Schlafstörung, bei der Dauer, Qualität oder Zeitpunkt des Schlafs gestört sind, etwa Insomnie, Hypersomnie oder Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus.
Dysthymia
Anhaltende affektive Störung (F34.1) mit chronischer, über mehrere Jahre bestehender depressiver Verstimmung, die meist nicht die Kriterien einer leichten oder mittelgradigen rezidivierenden depressiven Störung erfüllt.
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