Lexikon der Begriffe
Face-to-face-Kontakt
Im EE-Konzept die Zeit, die Patient und Angehöriger pro Woche im direkten persönlichen Kontakt miteinander verbringen. Mehr als etwa 35 Stunden pro Woche gilt bei hohem EE-Status als zusätzlicher Risikofaktor.
Facharztstandard bzw. fachlicher Standard
Nach § 630a Abs. 2 BGB geschuldeter, zum Zeitpunkt der Behandlung allgemein anerkannter fachlicher Sorgfaltsmaßstab.
Fachkreise (HWG)
Nach § 2 HWG Angehörige der Heilberufe oder des Heilgewerbes, Gesundheitseinrichtungen und Personen, die beruflich mit Arzneimitteln oder Medizinprodukten umgehen. Werbung an sie unterliegt weniger strengen Beschränkungen als Publikumswerbung.
Fahrlässige Körperverletzung
Straftat nach § 229 StGB, bei der eine Person durch Außerachtlassen der gebotenen Sorgfalt die Gesundheit eines anderen schädigt.
Familienskulptur
Aktionsorientierte systemische Methode, bei der ein Familienmitglied die anderen im Raum aufstellt. So werden Beziehungen, Nähe und Distanz nonverbal dargestellt.
FAST-Schema
Merkhilfe zur Schlaganfallerkennung durch Laien: Face, Arms, Speech, Time. Ein positiver Befund erfordert den sofortigen Notruf.
Fazialisparese
Lähmung der vom Nervus facialis versorgten Gesichtsmuskulatur, zum Beispiel ein herabhängender Mundwinkel.
Febrile (perniziöse) Katatonie
Lebensbedrohliche Verlaufsform eines katatonen Syndroms mit hohem Fieber, Stupor oder Erregung und schwerer vegetativer Entgleisung. Sie wurde bereits vor Einführung der Antipsychotika beschrieben.
Feindseligkeit (Expressed Emotion)
EE-Komponente, bei der der Patient als Person generalisiert abgewertet oder abgelehnt wird, statt dass nur einzelne Verhaltensweisen kritisiert werden.
Ferritin
Eisenspeicherprotein, dessen Konzentration im Blut als Maß für die Eisenreserven des Körpers dient. Ein erniedrigter Wert weist auf einen Eisenmangel hin.
Fetischistischer Transvestitismus
Störung der Sexualpräferenz, bei der das Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung hauptsächlich der sexuellen Erregung dient (ICD-10 F65.1).
Fixierung
Starke Bindung der Libido an eine bestimmte frühere Entwicklungsstufe, zu der bei späteren Belastungen eine Regression erfolgen kann.
Flexibilitas cerea
Wächserne Biegsamkeit; die Gliedmaßen lassen sich gegen einen leichten, gleichmäßigen Widerstand wie Wachs in Positionen bringen, in denen sie verbleiben.
Fluency Shaping
Therapieansatz beim Stottern, der eine neue, flüssigere Sprechweise, etwa durch weiche Stimmeinsätze und gedehntes Sprechen, systematisch einübt.
Flumazenil
Kompetitiver Antagonist an der Benzodiazepin-Bindungsstelle des GABA-A-Rezeptors; Gegenmittel bei Benzodiazepin- und Z-Substanz-Vergiftungen.
Fokus
In der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie der umschriebene, aktuell wirksame unbewusste Konflikt, auf den sich die Behandlung konzentriert.
Folie à deux
Französische Bezeichnung für die induzierte wahnhafte Störung, bei der zwei eng verbundene Personen denselben Wahn teilen.
Forcierte Normalisierung
Auftreten psychischer Störungen, insbesondere Psychosen, bei Normalisierung des EEG und Anfallsfreiheit; klinisch auch Alternativpsychose genannt.
Forschungskriterien der ICD-10
Präzisere, operationalisierte Diagnosekriterien der ICD-10 (Diagnostic Criteria for Research), die vor allem in Studien und strukturierter Diagnostik verwendet werden.
Frascati-Kriterien
International verwendete Forschungskriterien von 2007 zur Einteilung HIV-assoziierter neurokognitiver Störungen in ANI, MND und HAD.
Frei flottierende Angst
Angst, die nicht an bestimmte Objekte oder Situationen gebunden ist, sondern anhaltend und ungerichtet besteht; typisch für die generalisierte Angststörung.
Freiheitsentziehende Unterbringung
Aufenthalt in einer geschlossenen Einrichtung, die die Bewegungsfreiheit gegen den Willen der betroffenen Person einschränkt. Sie bedarf bei Minderjährigen der familiengerichtlichen Genehmigung.
Fremdanamnese
Erhebung der Krankheitsvorgeschichte durch Befragung von Angehörigen oder anderen Bezugspersonen statt des Patienten selbst.
Fremdeln
Normales Entwicklungsphänomen etwa ab dem 6. bis 8. Lebensmonat, bei dem ein Säugling auf unbekannte Personen mit Zurückhaltung oder Angst reagiert.
Frontalhirnkontusion
Prellungsherd mit Gewebsschädigung im Stirnhirn infolge eines Schädel-Hirn-Traumas. Häufige Ursache einer frontalen Wesensänderung.
Frontalhirnsyndrom
Folge einer Schädigung des Stirnhirns mit Antriebsstörung, Enthemmung, Distanzlosigkeit, Kritik- und Urteilsschwäche sowie Persönlichkeitsveränderung.
Frontallappenepilepsie
Fokale Epilepsieform mit Anfallsursprung im Stirnhirn, deren Anfälle häufig im Schlaf auftreten und mit heftigen, stereotypen Bewegungen einhergehen. Sie wird leicht mit Parasomnien verwechselt.
Frontotemporale Demenz
Neurodegenerative Demenzform mit bevorzugter Atrophie des Frontal- und Temporallappens. Sie beginnt oft im mittleren Lebensalter mit Persönlichkeitsveränderungen oder Sprachstörungen.
Frühdyskinesie
Akut auftretende, unwillkürliche Muskelverkrampfung, besonders an Augen, Zunge, Schlund und Hals. Sie tritt in den ersten Tagen einer Behandlung mit Dopaminantagonisten auf.
Frühwarnzeichen
Meist unspezifische psychische und Verhaltensänderungen, die einem psychotischen Rezidiv vorausgehen, z. B. Schlafstörungen, Unruhe oder Rückzug.
Fütterstörung
Im frühen Kindesalter beginnende Störung mit Nahrungsverweigerung oder extrem wählerischem Essverhalten ohne organische Ursache, oft verbunden mit unzureichender Gewichtszunahme.