Lexikon der Begriffe

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Rapid Cycling
Verlaufstyp der bipolaren affektiven Störung mit mindestens vier depressiven, manischen, hypomanischen oder gemischten Episoden innerhalb von zwölf Monaten.
Rationalisierung
Abwehrmechanismus, bei dem für Verhalten oder Gefühle nachträglich logisch erscheinende Begründungen gefunden werden, die die eigentlichen, unbewussten Motive verdecken.
Ratlosigkeit
Psychopathologisches Symptom, bei dem die betroffene Person ihre Situation, ihr Erleben oder ihre Umgebung nicht mehr versteht und hilflos-staunend wirkt.
Reaktionsbildung
Abwehrmechanismus, bei dem ein unannehmbarer Impuls durch eine entgegengesetzte, häufig übersteigerte Haltung oder Verhaltensweise abgewehrt wird.
Reaktionsverhinderung
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der Betroffene nach der Konfrontation mit einem auslösenden Reiz auf neutralisierende Handlungen wie Kontrollieren, Rückversichern oder Waschen verzichten.
Reaktive Depression
Älterer Begriff für eine depressive Episode, die in zeitlichem Zusammenhang mit einem belastenden Ereignis auftritt. Nach ICD-10 wird sie bei erfüllten Kriterien unter F32 verschlüsselt.
Realitätsprüfung
Ich-Funktion, die es ermöglicht, innere Vorstellungen von äußerer Wirklichkeit zu unterscheiden. Bei Psychosen ist sie typischerweise aufgehoben.
Rebound-Insomnie
Vorübergehende Verstärkung der Schlafstörung über das Ausgangsniveau hinaus nach dem Absetzen eines Hypnotikums.
Rebound-Manie
Rasches Wiederauftreten einer manischen Episode nach plötzlichem Absetzen eines stimmungsstabilisierenden Medikaments.
Rebound-Phänomen
Verstärktes Wiederauftreten der ursprünglich behandelten Symptome, etwa Schlafstörung oder Angst, nach dem Absetzen eines Medikaments.
Rechtfertigender Notstand
Nach § 34 StGB gerechtfertigte Verletzung eines Rechtsguts, etwa der Schweigepflicht, zur Abwendung einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für ein höherrangiges Rechtsgut.
Red Flags
Warnzeichen, die auf eine ernsthafte körperliche Erkrankung hinweisen und eine umgehende ärztliche Abklärung erfordern.
Refeeding-Syndrom
Potenziell lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung bei zu rascher Wiederernährung nach längerer Mangelernährung. Sie geht mit Elektrolytverschiebungen, Flüssigkeitsretention und kardialer Dekompensation einher.
Reflektierendes Zuhören
Gesprächstechnik, bei der der Therapeut die vermutete Bedeutung einer Klientenäußerung in eigenen Worten als Feststellung zurückspiegelt, um Verständnis zu zeigen und die Selbstexploration zu fördern.
Reframing
Systemische Technik der Umdeutung, bei der ein Verhalten oder Ereignis in einen neuen Bedeutungs- oder Kontextrahmen gestellt wird. Das Verhalten erhält dadurch eine andere, oft ressourcenorientierte Bedeutung.
Regression
Psychoanalytischer Begriff für das Zurückgehen auf frühere Entwicklungsstufen des Erlebens und Verhaltens. In der Therapie kann Regression gezielt gefördert werden, bei geringer Ich-Stärke birgt sie jedoch die Gefahr einer Destabilisierung.
Regression im Dienste des Ichs
Von Ernst Kris beschriebene kontrollierte, vorübergehende Regression, etwa bei kreativen Prozessen, die vom Ich gesteuert wird und nicht pathologisch ist.
REM-Rebound
Kompensatorische Zunahme von REM-Schlaf nach dessen vorheriger Unterdrückung, etwa durch Alkohol, Benzodiazepine oder bestimmte Antidepressiva. Er geht häufig mit lebhaften Träumen und Albträumen einher.
REM-Schlaf
Schlafstadium mit schnellen Augenbewegungen, lebhaftem Traumerleben und weitgehendem Verlust des Muskeltonus. Er überwiegt in der zweiten Nachthälfte.
REM-Schlaf-Verhaltensstörung
Parasomnie, bei der die normale Muskelerschlaffung im REM-Schlaf fehlt, sodass Betroffene Trauminhalte durch Sprechen, Schlagen oder Treten ausagieren.
Renale Elimination
Ausscheidung eines Stoffes über die Nieren mit dem Urin.
Renarkotisierung
Erneutes Auftreten der Opioidwirkung, insbesondere der Atemdepression, nachdem die Wirkung eines kürzer wirksamen Antagonisten wie Naloxon abgeklungen ist.
Reorientierung
Technik, mit der eine dissoziierende Person über Sinnesreize, Ansprache oder Körperwahrnehmung in die Gegenwart zurückgeholt wird (auch Grounding genannt).
Respiratorische Alkalose
Anstieg des Blut-pH-Werts durch vermehrte Abatmung von Kohlendioxid, typischerweise bei Hyperventilation.
Restkategorie
Diagnostische Kategorie, die nur verwendet wird, wenn die Kriterien spezifischerer Diagnosen nicht erfüllt sind.
Restless-Legs-Syndrom
Neurologische Erkrankung mit Bewegungsdrang der Beine, meist begleitet von Missempfindungen, die in Ruhe und abends bzw. nachts auftreten und sich durch Bewegung bessern. Häufig resultieren Ein- und Durchschlafstörungen.
Retardpräparat
Arzneiform, die ihren Wirkstoff verzögert über einen längeren Zeitraum freisetzt und so die Wirkdauer verlängert.
Retrograde Amnesie
Erinnerungslücke für einen Zeitraum vor einem schädigenden Ereignis, etwa einem Schädel-Hirn-Trauma.
Rezidivierende kurze depressive Störung
Affektive Störung (F38.1) mit etwa monatlich auftretenden depressiven Episoden, die die Symptomkriterien einer depressiven Episode erfüllen, aber jeweils weniger als zwei Wochen dauern.
Rezidivprophylaxe
Vorbeugende Weiterbehandlung nach Abklingen einer Krankheitsepisode, um das Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern.
Rhabdomyolyse
Zerfall quergestreifter Muskelzellen mit Freisetzung von Myoglobin und Kreatinkinase ins Blut. Sie kann ein akutes Nierenversagen verursachen.
Rhinorrhö
Vermehrte wässrige Nasensekretion („laufende Nase“).
Ribot’sche Regel
Erfahrungsregel, nach der bei fortschreitenden Gedächtnisstörungen die zuletzt erworbenen Inhalte zuerst verloren gehen. Früh Erlerntes bleibt am längsten erhalten.
Richtlinienverfahren
Psychotherapieverfahren, die der Gemeinsame Bundesausschuss in der Psychotherapie-Richtlinie für die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt hat.
Rigor
Erhöhter Muskeltonus mit gleichbleibendem, wächsernem Widerstand bei passiver Bewegung der Gliedmaßen.
Risperidon
Atypisches Antipsychotikum. Es wird bei Kindern unter anderem zur kurzzeitigen Behandlung anhaltender schwerer Aggressivität eingesetzt; typische Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme und Prolaktinerhöhung.
Rollentausch
Psychodramatische Technik, bei der der Protagonist die Rolle seines Gegenübers übernimmt. Er erlebt die Situation dadurch aus dessen Perspektive.
Rote-Hand-Brief
Behördlich abgestimmtes Informationsschreiben pharmazeutischer Unternehmen an Fachkreise über neu erkannte, bedeutsame Arzneimittelrisiken.
Rückfallprophylaxe
Gesamtheit der Maßnahmen, die nach Entgiftung und Entwöhnung das Risiko eines erneuten Substanzkonsums verringern sollen.
Rückfallsignatur
Individuelles, bei einem Patienten wiederkehrendes Muster von Frühwarnzeichen, das sich vor einem Rezidiv zeigt.
Rücknahme der Erlaubnis
Behördliche Aufhebung einer erteilten Heilpraktikererlaubnis. Sie ist vorzunehmen, wenn nachträglich Tatsachen eintreten oder bekannt werden, die eine Versagung gerechtfertigt hätten.
Rumination
Wiederholtes Hochwürgen bereits geschluckter Nahrung, die erneut gekaut und wieder geschluckt oder ausgespuckt wird, ohne Übelkeit oder organische Ursache.
Rumpfataxie
Störung der Koordination der Rumpfmuskulatur mit Gang- und Standunsicherheit, meist infolge einer Schädigung des Kleinhirns oder seiner Bahnen.
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