Lexikon der Begriffe
Kassenzulassung
Zulassung zur vertragsärztlichen bzw. vertragspsychotherapeutischen Versorgung nach § 95 SGB V, die zur Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung berechtigt.
Katalepsie
Katatones Symptom, bei dem passiv vorgegebene Körperhaltungen auch bei Unbequemlichkeit über lange Zeit beibehalten werden.
Katalogstraftat
Straftat, die in einer gesetzlichen Aufzählung ausdrücklich genannt ist und dadurch besondere Rechtsfolgen auslöst, etwa die Anzeigepflicht nach § 138 StGB.
Katalogtat
Straftat, die in einer abschließenden gesetzlichen Aufzählung genannt ist, etwa in § 138 StGB, und an die besondere Rechtsfolgen wie eine Anzeigepflicht geknüpft sind.
Katastrophisieren
Kognitive Verzerrung, bei der aus einem harmlosen Reiz die schlimmstmögliche Folge abgeleitet wird. Ein Beispiel ist der Gedanke, ein Kopfschmerz bedeute einen Hirntumor.
Kindeswohlgefährdung
Gegenwärtige, in einem solchen Maß vorhandene Gefahr für das körperliche, geistige oder seelische Wohl eines Kindes, dass sich bei weiterer Entwicklung eine erhebliche Schädigung mit ziemlicher Sicherheit voraussehen lässt.
Kleines Sorgerecht
Mitentscheidungsbefugnis eines Stiefelternteils in Angelegenheiten des täglichen Lebens des Kindes nach § 1687b BGB.
Kleptomanie
Störung der Impulskontrolle mit wiederholtem Stehlen von Gegenständen, die weder dem persönlichen Gebrauch noch der Bereicherung dienen. Typisch sind Spannung vor und Befriedigung während bzw. nach der Tat (ICD-10 F63.2).
Kognitive Fluktuation
Spontane, deutliche Schwankungen von Aufmerksamkeit, Wachheit und kognitiver Leistungsfähigkeit innerhalb von Stunden oder Tagen.
Kognitive Verzerrungen
Systematisch verzerrte Denkmuster. Im Kontext sexueller Übergriffe sind es etwa Rechtfertigungen oder Verharmlosungen, die die Hemmschwelle für eine Tat senken.
Kombinationsbehandlung
Gleichzeitige Anwendung von Psychotherapie und Pharmakotherapie, die insbesondere bei mittelgradigen und schweren depressiven Episoden empfohlen wird.
Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen
ICD-10-Kategorie F92 für das gemeinsame Auftreten von anhaltend dissozialem, aggressivem oder aufsässigem Verhalten mit deutlichen Symptomen von Depression, Angst oder anderen emotionalen Störungen.
Kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten
Kategorie der ICD-10 (F81.3) für die gleichzeitige deutliche Beeinträchtigung von Rechen- sowie Lese- oder Rechtschreibfertigkeiten, die nicht durch Intelligenzminderung oder unangemessene Beschulung erklärbar ist.
Kommentierende Stimmen
Akustische Halluzinationen in Form von Stimmen, die das Verhalten der betroffenen Person begleitend bewerten oder beschreiben. Sie gelten nach ICD-10 als charakteristisches Symptom der Schizophrenie.
Komplexe schlafbezogene Verhaltensweisen
Handlungen wie Schlafwandeln, Essen oder Autofahren im nicht vollständig wachen Zustand mit anschließender Erinnerungslücke; bekannte Nebenwirkung von Z-Substanzen.
Komplex-fokaler Anfall
Ältere Bezeichnung für einen fokalen Anfall mit Bewusstseinsstörung, häufig mit Automatismen und anschließender Amnesie.
Konfabulation
Ausfüllen von Gedächtnislücken mit erfundenen Inhalten, die der Betroffene selbst für wahr hält.
Konversionsbehandlung
Maßnahme, die auf die Veränderung oder Unterdrückung der sexuellen Orientierung oder der selbstempfundenen geschlechtlichen Identität gerichtet ist. In Deutschland ist sie bei Minderjährigen gesetzlich verboten.
Konzentrationsstörung
Verminderte Fähigkeit, die Aufmerksamkeit über längere Zeit auf eine Tätigkeit oder einen Gegenstand gerichtet zu halten.
Körperdysmorphe Störung
Anhaltende, übermäßige Beschäftigung mit einem vermeintlichen oder geringfügigen Makel des äußeren Erscheinungsbildes. In der ICD-10 ist sie der hypochondrischen Störung (F45.2) zugeordnet.
Korsakow-Syndrom
Amnestisches Syndrom mit schwerer Störung des Kurzzeit- und Neugedächtnisses, Desorientierung und Konfabulationen, meist infolge eines Thiaminmangels bei Alkoholabhängigkeit.
K.-o.-Tropfen
Umgangssprachliche Bezeichnung für Substanzen wie GHB, die Betroffenen heimlich verabreicht werden, um sie zu betäuben und wehrlos zu machen.
Krankenrolle
Soziale Rolle einer als krank anerkannten Person, die mit Zuwendung, Versorgung und Entlastung von Pflichten verbunden ist. Ihr Erlangen gilt als vermutetes Ziel bei der artifiziellen Störung.
Krankheitswahn
Wahnhafte, unkorrigierbare Überzeugung, an einer schweren Krankheit zu leiden (hypochondrischer Wahn). Er tritt z. B. bei schwerer Depression mit psychotischen Symptomen, Schizophrenie oder wahnhafter Störung auf.
Kreatinkinase (CK)
Enzym der Muskelzellen. Eine starke Erhöhung im Blut weist auf eine Schädigung oder einen Zerfall von Muskelgewebe hin.
Kreuz-Stern-System
Verschlüsselungssystem der ICD-10. Die Grunderkrankung erhält ein Kreuz (†), die Manifestation in einem Organsystem einen Stern (*), z. B. B22† und F02.4*.
Kreuztoleranz
Toleranz gegenüber einer Substanz, die sich auch auf andere Substanzen mit gleichem Wirkmechanismus erstreckt.
Krisenintervention
Zeitlich begrenzte, auf die akute Situation ausgerichtete Hilfe bei psychischen Krisen. Ziel ist es, die Betroffenen zu stabilisieren, Gefährdungen abzuwenden und Ressourcen zu aktivieren.
Krisenplan
Gemeinsam mit dem Patienten erstellte schriftliche Vereinbarung, die individuelle Frühwarnzeichen, Ansprechpartner und Maßnahmen für den Fall einer drohenden Krise festlegt.
KVT-I
Kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie; mehrkomponentiges Verfahren mit Schlafhygiene, Stimuluskontrolle, Schlafrestriktion, Entspannung und kognitiven Techniken.