Lexikon der Begriffe
Tacrolimus
Immunsuppressivum zur Verhinderung von Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantation. Es wird über CYP3A4 abgebaut.
Tagesschläfrigkeit
Erhöhte Einschlafneigung während des Tages bis hin zum ungewollten Einschlafen. Sie ist von bloßer Müdigkeit oder Erschöpfung ohne Einschlaffähigkeit abzugrenzen.
Talk-down
Beruhigendes, orientierendes Gespräch in reizarmer Umgebung zur Begleitung von Menschen in einem substanzbedingten Angst- oder Erregungszustand. Ziel ist die Reduktion der Angst ohne medikamentöse Intervention.
Technik des leeren Stuhls
Gestalttherapeutische Methode, bei der der Klient eine vorgestellte Person oder einen inneren Anteil auf einem freien Stuhl direkt anspricht. Oft wechselt er dabei auch selbst in deren Rolle.
Temporallappenepilepsie
Fokale Epilepsie mit Anfallsursprung im Schläfenlappen. Sie geht häufig mit psychischen Begleitstörungen einher.
Teratogenität
Eigenschaft eines Stoffes, beim ungeborenen Kind Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen hervorzurufen.
Terminalschlaf
Tiefer Schlaf, in den Betroffene häufig im Anschluss an einen generalisierten tonisch-klonischen Anfall fallen.
Tetrabenazin
Wirkstoff, der die Speicherung von Dopamin und anderen Monoaminen in Nervenzellen hemmt (VMAT2-Hemmer). Er wird zur Behandlung hyperkinetischer Bewegungsstörungen wie Spätdyskinesien eingesetzt.
Textform
Gesetzliche Formvorschrift nach § 126b BGB, die eine lesbare Erklärung auf einem dauerhaften Datenträger verlangt, etwa Papier oder E-Mail, ohne eigenhändige Unterschrift.
Therapeutische Breite
Abstand zwischen der wirksamen und der toxischen Dosis eines Arzneimittels. Je geringer die therapeutische Breite, desto größer ist das Vergiftungsrisiko bei Überdosierung.
Therapieresistente Depression
Depression, die auf mindestens zwei ausreichend dosierte und ausreichend lange Behandlungen mit Antidepressiva nicht hinreichend angesprochen hat.
Therapieresistente Schizophrenie
Schizophrenie, bei der mindestens zwei ausreichend dosierte und lange genug durchgeführte Behandlungen mit unterschiedlichen Antipsychotika keine ausreichende Besserung erbracht haben.
Thiamin
Vitamin B1. Wasserlösliches Vitamin, das als Koenzym im Kohlenhydratstoffwechsel, insbesondere des Nervensystems, benötigt wird.
Thiaziddiuretika
Harntreibende Arzneimittel (z. B. Hydrochlorothiazid), die die Natriumrückresorption im distalen Tubulus der Niere hemmen; häufig bei Bluthochdruck eingesetzt.
Thrombolyse
Medikamentöse Auflösung eines Blutgerinnsels, beim ischämischen Schlaganfall meist mit rt-PA (Alteplase), innerhalb eines engen Zeitfensters.
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Psychoanalytisch begründetes Richtlinienverfahren, das sich auf aktuell wirksame unbewusste Konflikte konzentriert. Es findet meist im Sitzen mit einer Sitzung pro Woche statt.
Tiefgreifende Entwicklungsstörung
Gruppe von Störungen (ICD-10 F84) mit qualitativen Beeinträchtigungen der sozialen Interaktion und Kommunikation sowie eingeschränkten, stereotypen Interessen und Aktivitäten, die das gesamte Funktionsniveau prägen.
Tiefschlaf
Stadium des Non-REM-Schlafs mit langsamen, hohen Hirnstromwellen und schwerer Erweckbarkeit. Er überwiegt im ersten Drittel der Nacht, aus ihm entstehen Schlafwandeln und Pavor nocturnus.
Titelmissbrauch (§ 132a StGB)
Straftatbestand des unbefugten Führens geschützter Titel, Berufsbezeichnungen oder Abzeichen, etwa der Bezeichnungen Arzt oder Psychotherapeut.
Todd-Parese
Vorübergehende Lähmung nach einem fokalen motorischen Anfall, die sich meist innerhalb von Stunden zurückbildet.
Toleranz
Nachlassen der Wirkung eines Stoffes bei wiederholter Einnahme, sodass für den gleichen Effekt höhere Dosen nötig werden.
Topisches Modell
Freuds frühes Modell des psychischen Apparats mit den Systemen Unbewusstes, Vorbewusstes und Bewusstes.
Torsade de pointes
Lebensbedrohliche ventrikuläre Tachykardie mit spindelförmig um die Grundlinie schwankenden QRS-Komplexen. Sie tritt typischerweise bei verlängerter QT-Zeit auf und kann in Kammerflimmern übergehen.
Transaktionales Stressmodell
Modell nach Lazarus, nach dem Stress aus der Bewertung einer Situation und der eigenen Bewältigungsmöglichkeiten entsteht.
Transdermales therapeutisches System
Wirkstoffpflaster, das ein Arzneimittel über einen längeren Zeitraum kontinuierlich durch die Haut abgibt, etwa Fentanylpflaster zur Schmerztherapie.
Transgenerationale Weitergabe
Weitergabe von Beziehungsmustern, Aufträgen, Konflikten oder Verhaltensweisen über mehrere Generationen einer Familie, die oft unbewusst erfolgt.
Transiente globale Amnesie
Plötzlich auftretende, vorübergehende anterograde Amnesie von meist mehreren Stunden Dauer bei erhaltener persönlicher Identität. Sie bildet sich vollständig zurück.
Transitorische ischämische Attacke (TIA)
Vorübergehende, durch eine Durchblutungsstörung bedingte neurologische Funktionsstörung ohne bleibenden Gewebeschaden. Sie gilt als Warnzeichen eines drohenden Schlaganfalls.
Transsexualismus
Nach ICD-10 der anhaltende Wunsch, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Er geht meist mit Unbehagen über das eigene anatomische Geschlecht und dem Wunsch nach körperangleichender Behandlung einher (F64.0).
Transtheoretisches Modell
Von Prochaska und DiClemente entwickeltes Modell der Verhaltensänderung, das Veränderung als Abfolge von Stadien beschreibt (Absichtslosigkeit, Absichtsbildung, Vorbereitung, Handlung, Aufrechterhaltung).
Trauerausschlusskriterium
Regel im DSM-IV, nach der depressive Symptome in den ersten zwei Monaten nach einem Todesfall in der Regel nicht als Major Depression diagnostiziert wurden. Sie wurde im DSM-5 gestrichen.
Trauerreaktion
Natürliche emotionale Reaktion auf den Verlust einer nahestehenden Person mit Schmerz, Sehnsucht und Traurigkeit. Sie hat in ihrer kulturell üblichen Form keinen Krankheitswert.
Traumakonfrontation
Therapeutische Technik, bei der sich die Patientin gezielt und kontrolliert mit Erinnerungen an das traumatische Ereignis auseinandersetzt, um dessen Verarbeitung zu ermöglichen.
Trennungsangst
Angst eines Kindes vor der Trennung von seinen Hauptbezugspersonen; als Störung gilt sie, wenn sie in Ausmaß und Dauer deutlich über das entwicklungstypische Maß hinausgeht.
Treponema pallidum
Spiralförmiges Bakterium, das die Syphilis (Lues) verursacht. Im Spätstadium kann es das Nervensystem befallen.
Tresorübung
Imaginative Distanzierungstechnik der Traumatherapie, bei der belastende Erinnerungen in der Vorstellung in einem sicheren Behälter verschlossen werden, um sie vorübergehend kontrollierbar zu machen.
Trichobezoar
Aus verschluckten Haaren gebildeter Fremdkörper im Magen oder Darm. Er kann zu Schmerzen, Erbrechen, Darmverschluss oder Perforation führen.
Trichophagie
Verschlucken ausgerissener Haare, das häufig zusammen mit einer Trichotillomanie auftritt.
Trichotillomanie
Störung der Impulskontrolle mit wiederholtem, nicht unterdrückbarem Ausreißen der eigenen Haare und deutlichem Haarverlust. Typisch sind Spannung vor und Erleichterung nach der Handlung (ICD-10 F63.3).
Triptane
Serotonin-5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten zur Behandlung akuter Migräneattacken, z. B. Sumatriptan.
TSH
Thyreoidea-stimulierendes Hormon der Hypophyse; zentraler Laborwert zur Beurteilung der Schilddrüsenfunktion.
Tyramin
Biogenes Amin, das in gereiften und fermentierten Lebensmitteln vorkommt. Es setzt Noradrenalin frei und wird normalerweise durch die Monoaminooxidase abgebaut.