Lexikon der Begriffe
GABA-A-Rezeptor
Ionenkanal-Rezeptor für den hemmenden Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure; Angriffspunkt von Benzodiazepinen, Z-Substanzen und Alkohol.
Gastrokolischer Reflex
Reflektorische Steigerung der Dickdarmbewegung nach Nahrungsaufnahme, die etwa 15 bis 30 Minuten nach dem Essen Stuhldrang auslösen kann.
GBL (Gamma-Butyrolacton)
Industrielles Lösungsmittel, das im Körper rasch zu GHB verstoffwechselt wird und deshalb missbräuchlich als Rauschmittel konsumiert wird.
Gedankeneingebung
Ich-Störung, bei der die betroffene Person ihre Gedanken als von außen eingegeben und nicht als eigene erlebt. Sie gilt als Symptom ersten Ranges der Schizophrenie.
Gedeihstörung
Unzureichende Gewichts- und Längenzunahme eines Säuglings oder Kleinkindes im Vergleich zur Altersnorm, die organische oder psychosoziale Ursachen haben kann.
Gefährdungseinschätzung
Strukturierte fachliche Bewertung, ob und in welchem Ausmaß gewichtige Anhaltspunkte auf eine Gefährdung des Kindeswohls hinweisen.
Gefahrenabwehrprüfung
Charakter der Heilpraktikerüberprüfung: Sie stellt fest, ob von der Tätigkeit eine Gefahr für die Volksgesundheit ausgeht, und prüft keinen Ausbildungsstand im Sinne einer Fachprüfung.
Gefahr im Verzug
Situation, in der ein Abwarten bis zur regulären Entscheidung zu einem Schaden führen würde; sie erlaubt ausnahmsweise ein eigenständiges Handeln.
Geformtes Hämatom
Bluterguss, der die Form des verursachenden Gegenstands oder der Hand erkennen lässt, z. B. Griffmarken, Striemen oder Abdruck eines Gürtels.
Gefühl der Gefühllosigkeit
Subjektiv erlebter, quälender Verlust der Fähigkeit, Gefühle zu empfinden. Das Symptom ist typisch für schwere depressive Episoden.
Gegenwärtige Gefahr
Zustand, in dem der Eintritt eines Schadens unmittelbar bevorsteht oder bei ungestörtem Fortgang der Dinge ohne sofortiges Handeln sehr wahrscheinlich ist.
Gekreuzte Transaktion
Transaktion, bei der die Antwort aus einem anderen als dem angesprochenen Ich-Zustand kommt oder sich an einen anderen Ich-Zustand richtet. Dadurch wird die Kommunikation typischerweise gestört.
Gemeinsame Entscheidungsfindung
Partizipatives Vorgehen (Shared Decision Making), bei dem Behandler und Patient Behandlungsentscheidungen auf Grundlage gemeinsam besprochener Informationen treffen.
Gemischte affektive Episode
Gleichzeitiges Vorliegen oder rascher Wechsel manischer und depressiver Symptome innerhalb einer Episode.
Gemischte Episode
Affektive Episode von mindestens zwei Wochen Dauer, in der manische bzw. hypomanische und depressive Symptome gleichzeitig vorliegen oder rasch, meist innerhalb von Stunden, wechseln.
Generalisierte Angststörung
Angststörung nach ICD-10 F41.1 mit anhaltender, frei flottierender Angst und Sorgen über alltägliche Ereignisse, begleitet von vegetativen Symptomen.
Generalisierter tonisch-klonischer Anfall
Epileptischer Anfall mit Bewusstseinsverlust, initialer Versteifung (tonische Phase) und anschließenden rhythmischen Zuckungen (klonische Phase) beider Körperhälften.
Genogramm
Grafische Darstellung einer Familie über mehrere Generationen mit standardisierten Symbolen. Sie zeigt Personen, Lebensdaten, wichtige Ereignisse und Beziehungsmuster.
Gesamtvertretung
Grundsatz, nach dem gemeinsam sorgeberechtigte Eltern ihr Kind rechtlich nur gemeinschaftlich vertreten (§ 1629 Abs. 1 BGB).
Geschäftsunfähigkeit
Fehlende Fähigkeit, wirksame Willenserklärungen abzugeben; Willenserklärungen Geschäftsunfähiger sind nichtig (§§ 104, 105 BGB).
Geschlechtsidentität
Das innere, subjektive Erleben, einem bestimmten Geschlecht anzugehören. Es kann vom bei Geburt zugewiesenen Geschlecht abweichen.
Gesichtsfeldausfall
Teilweiser Verlust des Gesichtsfelds, zum Beispiel als homonyme Hemianopsie. Er kann bei Durchblutungsstörungen der Sehbahn oder der Sehrinde auftreten.
Gestufte Exposition
Verhaltenstherapeutisches Verfahren, bei dem sich ein Patient schrittweise und wiederholt angstauslösenden Situationen aussetzt, ohne sie zu vermeiden, bis die Angst nachlässt.
Gestützte Kommunikation
Methode, bei der eine Hilfsperson Hand oder Arm einer nicht sprechenden Person beim Tippen führt. Sie gilt als widerlegt, da die Äußerungen nachweislich von der Hilfsperson beeinflusst werden.
Geteilte Aufmerksamkeit (Joint Attention)
Fähigkeit, die Aufmerksamkeit gemeinsam mit einer anderen Person auf einen Gegenstand zu richten, etwa durch Zeigen oder Blickfolgen. Sie entwickelt sich normalerweise gegen Ende des ersten Lebensjahres.
GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure)
Zentral dämpfende Substanz, die in niedriger Dosis euphorisierend und enthemmend, in höherer Dosis sedierend bis narkotisch wirkt. Als Natriumoxybat ist sie zur Behandlung der Narkolepsie zugelassen.
Glossopharyngealkrampf
Zungen-Schlund-Krampf als Form der akuten Dystonie mit Verkrampfung von Zungen- und Schlundmuskulatur. Er kann zu Sprech- und Schluckstörungen sowie Atemnot führen.
Glukagon
Blutzuckersteigerndes Hormon, das bei schwerer Hypoglykämie als Notfallmedikament injiziert oder nasal verabreicht werden kann.
Grand-mal-Anfall
Generalisierter tonisch-klonischer epileptischer Anfall mit Bewusstseinsverlust, Muskelversteifung und anschließenden rhythmischen Zuckungen.
Gruppendelinquenz
Strafbares oder normverletzendes Verhalten, das gemeinsam mit einer Gruppe Gleichaltriger begangen wird; typisch für die Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen.