Lexikon der Begriffe

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z Alle anzeigen
Saisonales Muster
Verlaufsform affektiver Störungen, bei der depressive Episoden regelmäßig zu einer bestimmten Jahreszeit, meist im Herbst und Winter, beginnen und sich zu einer anderen Jahreszeit zurückbilden.
Schizoaffektive Störung
Episodische Störung (ICD-10 F25), bei der eindeutig schizophrene und eindeutig affektive Symptome gleichzeitig oder innerhalb weniger Tage in derselben Krankheitsepisode ausgeprägt vorhanden sind.
Schizoide Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung mit emotionaler Kühle, Rückzug von sozialen Kontakten und eingeschränkter Fähigkeit, Gefühle auszudrücken, ohne psychotische Symptome (ICD-10 F60.1).
Schizophrenes Residuum
Chronisches Stadium einer Schizophrenie mit überwiegend negativen Symptomen wie Affektverflachung, Antriebsminderung und Sprachverarmung.
Schizophrenia simplex
Seltene Schizophrenieform (ICD-10 F20.6) mit schleichend progredienter Negativsymptomatik und Leistungsabfall ohne vorausgehende eindeutige psychotische Symptome.
Schizophrenie-Spektrum
Gruppe von Störungen, die mit der Schizophrenie genetisch und psychopathologisch verwandt sind, etwa die schizotype Störung.
Schizophreniform
Einer Schizophrenie im klinischen Bild ähnlich, ohne dass die Diagnose einer Schizophrenie gestellt wird, etwa wegen einer nachgewiesenen organischen Ursache.
Schizophrenogene Mutter
Historisches, heute widerlegtes Konzept (Fromm-Reichmann), nach dem ein bestimmtes mütterliches Verhalten eine Schizophrenie verursache.
Schizotype Störung
Störung mit exzentrischem Verhalten sowie Anomalien des Denkens und der Affektivität, die schizophren wirken, ohne dass je eindeutige schizophrene Symptome aufgetreten sind (ICD-10 F21).
Schlafrestriktion
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der die Bettzeit vorübergehend auf die tatsächliche Schlafzeit begrenzt wird, um den Schlafdruck zu erhöhen.
Schütteltrauma-Syndrom
Durch heftiges Schütteln eines Säuglings verursachte Hirnverletzung mit subduralen und retinalen Blutungen sowie Enzephalopathie; häufig mit bleibenden Schäden oder tödlichem Verlauf.
Schwangerschaftsverhütungsprogramm
Behördlich vorgeschriebene Maßnahmen bei teratogenen Arzneimitteln wie Valproat, darunter Aufklärung, Schwangerschaftstests, zuverlässige Verhütung und jährliche Überprüfung der Behandlung.
Schwebende Unwirksamkeit
Zustand eines Rechtsgeschäfts, dessen Wirksamkeit von einer noch ausstehenden Genehmigung abhängt.
Schweigepflichtentbindung
Einwilligung des Patienten, mit der er den Behandelnden berechtigt, bestimmte geschützte Informationen an Dritte, etwa an mitbehandelnde Ärzte, weiterzugeben.
Screening
Suchtest zur frühen Erkennung von Verdachtsfällen, dessen auffälliges Ergebnis eine weiterführende Diagnostik erfordert.
Sedierung
Medikamentös bewirkte Beruhigung und Dämpfung bis hin zur Schläfrigkeit.
Sektorale Heilpraktikererlaubnis
Auf ein bestimmtes Fachgebiet beschränkte Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde nach dem Heilpraktikergesetz, etwa für Psychotherapie. Sie berechtigt nur zu Tätigkeiten innerhalb dieses Gebiets.
Selbstbestimmungsaufklärung
Aufklärung über Art, Risiken, Erfolgsaussichten und Alternativen einer Behandlung, die eine wirksame Einwilligung der Patientin oder des Patienten erst ermöglicht.
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Antidepressiva, die die Wiederaufnahme von Serotonin in die präsynaptische Nervenzelle hemmen, z. B. Fluoxetin, Sertralin oder Citalopram.
Sensate Focus
Von Masters und Johnson entwickeltes paartherapeutisches Stufenprogramm aus Berührungsübungen mit anfänglichem Koitusverbot, das Leistungsdruck abbauen und die sinnliche Wahrnehmung fördern soll.
Serial Sevens
Kurztest, bei dem fortlaufend 7 von 100 abgezogen wird. Er prüft Konzentration und Aufmerksamkeit und ist Bestandteil der Mini-Mental-State-Examination.
Serotonerges Syndrom
Potenziell lebensbedrohliche Überstimulation des Serotoninsystems mit Unruhe, Verwirrtheit, Fieber, Schwitzen, Tremor, Myoklonien und Hyperreflexie, häufig durch Kombination serotonerger Substanzen.
Serotoninsyndrom
Potenziell lebensbedrohliche Überstimulation serotonerger Rezeptoren, meist durch Kombination serotonerger Arzneimittel. Typisch sind Verwirrtheit, autonome Überaktivität und neuromuskuläre Übererregbarkeit.
Sexualisiertes Verhalten
Sexuell getöntes Verhalten oder Wissen eines Kindes, das deutlich über das für sein Alter und seinen Entwicklungsstand übliche Maß hinausgeht.
Sexuell übertragbare Krankheit
Infektionskrankheit, die überwiegend durch sexuelle Kontakte übertragen wird, z. B. Syphilis, Gonorrhö, Chlamydieninfektion oder HIV-Infektion.
Sharing
Abschlussphase im Psychodrama, in der die Gruppenmitglieder dem Protagonisten persönliche Erfahrungen und Gefühle mitteilen, die das Spiel bei ihnen ausgelöst hat. Bewertungen und Deutungen sind dabei nicht vorgesehen.
Sicherheitsverhalten
Verhaltensweisen, mit denen Betroffene befürchtete Katastrophen abwenden oder Angst kurzfristig reduzieren wollen, die die Angst langfristig jedoch aufrechterhalten.
Signalangst
Nach Freud eine vom Ich erzeugte Angst geringer Intensität, die auf eine drohende innere oder äußere Gefahr hinweist und Abwehrvorgänge auslöst.
Simulation
Bewusstes Vortäuschen oder Übertreiben von Krankheitssymptomen zur Erlangung eines erkennbaren äußeren Vorteils, etwa einer Rente oder der Vermeidung einer Strafverfolgung. Simulation ist keine psychische Störung im Sinne des ICD-10-Kapitels F.
Sinusbradykardie
Verlangsamter Herzschlag (in der Regel unter 60/min) bei regulärer Erregungsbildung im Sinusknoten.
Sinusvenenthrombose
Thrombotischer Verschluss venöser Blutleiter des Gehirns, der unter anderem im Wochenbett gehäuft auftritt. Typische Zeichen sind Kopfschmerzen, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen.
Sittliche Zuverlässigkeit
Persönliche Eignung, die die Gewähr dafür bietet, dass eine Person ihren Beruf ordnungsgemäß und ohne Gefährdung anderer ausübt. Sie fehlt insbesondere bei schweren strafrechtlichen oder sittlichen Verfehlungen.
Situative Orientierung
Fähigkeit, die gegenwärtige Situation zu erfassen, z. B. zu wissen, weshalb man sich an einem Ort befindet und welche Rolle die anwesenden Personen haben.
Skabies
Durch die Krätzmilbe verursachte, ansteckende Hauterkrankung mit starkem, nachts betontem Juckreiz und typischen Milbengängen, etwa in den Fingerzwischenräumen.
Skalierungsfrage
Frage, bei der der Klient seine Situation, seine Zuversicht oder seinen Fortschritt auf einer Skala, meist von 0 bis 10, einschätzt.
Skills
Erlernbare Fertigkeiten zur Regulation von Anspannung und Gefühlen, z. B. starke Sinnesreize, ursprünglich aus der dialektisch-behavioralen Therapie.
Skillstraining
Strukturiertes Training von Fertigkeiten zur Bewältigung von Anspannung und Gefühlen, etwa Stresstoleranz, Achtsamkeit und zwischenmenschliche Fertigkeiten, als Alternative zu selbstschädigendem Verhalten.
SNRI
Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Sie erhöhen die Konzentration beider Botenstoffe im synaptischen Spalt, ohne wesentliche anticholinerge Wirkung.
Somatisierungsstörung
Somatoforme Störung mit multiplen, wiederholt auftretenden und häufig wechselnden körperlichen Symptomen über mindestens zwei Jahre ohne ausreichende organische Erklärung (ICD-10 F45.0).
Somatoforme autonome Funktionsstörung
Störung nach ICD-10 F45.3, bei der Körperbeschwerden eines vegetativ innervierten Organsystems, etwa des Herzens, wie bei einer körperlichen Erkrankung geschildert werden, ohne dass sich eine ausreichende organische Ursache findet.
Somatoforme Störung
Wiederholte Darbietung körperlicher Symptome mit hartnäckiger Forderung nach medizinischer Untersuchung trotz negativer Befunde. Die Symptome werden nicht bewusst erzeugt (ICD-10 F45).
Somnambulismus
Fachbegriff für Schlafwandeln: Zustand veränderter Bewusstseinslage, in dem Phänomene von Schlaf und Wachsein kombiniert sind und die Person aus dem Tiefschlaf heraus aufsteht und umhergeht.
Sorgeerklärung
Öffentlich zu beurkundende Erklärung nicht miteinander verheirateter Eltern, die elterliche Sorge gemeinsam übernehmen zu wollen (§§ 1626a ff. BGB).
Spaltung
Unreifer Abwehrmechanismus, bei dem gegensätzliche positive und negative Vorstellungen über das Selbst oder andere Menschen getrennt gehalten und nicht zu einem Gesamtbild verbunden werden.
Spätdyskinesie
Nach längerer Behandlung mit Dopaminantagonisten auftretende unwillkürliche Bewegungsstörung, häufig mit Schmatz-, Kau- und Zungenbewegungen. Sie kann irreversibel sein.
Spontanremission
Rückbildung einer Störung ohne gezielte Behandlung.
Squeeze-Technik
Verhaltenstherapeutische Übung, bei der der Ejakulationsreflex durch kurzen Druck unterhalb der Eichel unterbrochen wird, um die Ejakulationskontrolle zu trainieren.
SSRI
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; Antidepressiva, die gezielt die Wiederaufnahme von Serotonin in die Nervenzelle hemmen, z. B. Sertralin, Citalopram oder Paroxetin.
Stabile Seitenlage
Lagerung eines bewusstlosen, aber atmenden Menschen auf der Seite, damit die Atemwege frei bleiben und Erbrochenes abfließen kann.
Stadiengerechte Intervention
Therapeutisches Vorgehen, das an das jeweilige Stadium der Veränderungsbereitschaft eines Klienten angepasst ist, etwa Informationsvermittlung bei fehlender Änderungsabsicht und Handlungsplanung bei bestehender Änderungsabsicht.
Stadienmodell nach Pöldinger
Modell der suizidalen Entwicklung in drei Stadien: Erwägung, Ambivalenz mit häufigen Hilferufen und Entschluss, in dem Betroffene oft auffallend ruhig wirken.
Standardisierter Extrakt
Pflanzenauszug, dessen Herstellung und Gehalt an bestimmten Inhaltsstoffen festgelegt sind, um eine gleichbleibende Qualität zu sichern.
Status epilepticus
Lebensbedrohlicher, anhaltender epileptischer Anfall oder Serie von Anfällen ohne zwischenzeitliche Erholung des Bewusstseins.
Stauungspapille
Schwellung der Sehnervenpapille am Augenhintergrund als Zeichen eines erhöhten Hirndrucks.
Steady State
Fließgleichgewicht, bei dem sich Aufnahme und Elimination eines Arzneimittels die Waage halten und die Konzentration im Blut weitgehend konstant bleibt.
Stevens-Johnson-Syndrom
Seltene, lebensbedrohliche Arzneimittelreaktion mit Blasenbildung und Ablösung von Haut und Schleimhäuten, meist mit Fieber.
Stimmungsinkongruent
Bezeichnung für psychotische Inhalte, die nicht aus der vorherrschenden Stimmung ableitbar sind, z.B. Gedankeneingebung bei einer Manie.
Stimmungskongruenter Wahn
Wahninhalt, der zur vorherrschenden Stimmung passt, z.B. Schuld-, Verarmungs- oder Krankheitswahn bei schwerer Depression.
Stimmungslabilität
Rascher, oft durch geringe Anlässe ausgelöster Wechsel der Stimmungslage, etwa zwischen Traurigkeit und Heiterkeit.
Stimmungsstabilisierer
Arzneimittel zur Akutbehandlung und Rückfallverhütung affektiver Episoden bei bipolaren Störungen, z. B. Lithium, Valproat, Lamotrigin.
Stimuluskontrolle
Verhaltenstherapeutische Technik, bei der ein Verhalten (hier das Sorgen) an festgelegte Zeiten oder Orte gebunden und dadurch begrenzt wird.
Störung des Sozialverhaltens
Psychische Störung des Kindes- und Jugendalters (ICD-10 F91), gekennzeichnet durch ein wiederholtes und anhaltendes Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens, das altersübliche soziale Erwartungen deutlich überschreitet.
Störung mit Krankheitswert
Psychische Störung, die über alltägliche Belastungen hinausgeht und behandlungsbedürftig ist; ihre Feststellung und Behandlung ist Ausübung der Heilkunde.
Stottermodifikation
Therapieansatz nach Van Riper, bei dem Betroffene lernen, Stotterereignisse angstfrei wahrzunehmen und sie in lockerere, weniger auffällige Unflüssigkeiten umzuformen.
Stottern
Redeflussstörung mit unwillkürlichen Wiederholungen, Dehnungen oder Blockierungen von Lauten und Silben, die den Sprechfluss deutlich beeinträchtigen.
Stroke Unit
Spezialisierte Schlaganfallstation zur Akutdiagnostik und Akuttherapie mit kontinuierlicher Überwachung der Vitalfunktionen.
Strukturniveau
Ausmaß der Verfügbarkeit psychischer Funktionen wie Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, Kommunikation und Bindung. In der OPD wird es von gut integriert bis desintegriert eingestuft.
Struma
Vergrößerung der Schilddrüse, umgangssprachlich Kropf.
Stupor
Zustand weitgehender Bewegungs- und Reaktionslosigkeit mit Mutismus bei meist erhaltenem Bewusstsein.
Subarachnoidalblutung
Blutung in den mit Liquor gefüllten Raum zwischen Arachnoidea und Pia mater, meist durch Ruptur eines Hirnarterienaneurysmas. Leitsymptom ist ein plötzlicher Vernichtungskopfschmerz.
Subdurales Hämatom
Blutansammlung zwischen harter Hirnhaut und Spinngewebshaut, häufig durch Einriss von Brückenvenen.
Subkortikale Demenz
Demenzform mit Schädigung vorwiegend tiefer Hirnstrukturen. Typisch sind Verlangsamung, Antriebsstörung und Aufmerksamkeitsdefizite bei geringer ausgeprägter Aphasie oder Agnosie.
Sublimierung
Reifer Abwehrmechanismus, bei dem Triebenergie auf sozial anerkannte, nicht unmittelbar triebhafte Ziele umgelenkt wird.
Substitutionsbehandlung
Ärztliche Behandlung einer Opioidabhängigkeit mit einem Ersatzopioid wie Methadon oder Buprenorphin.
Suggestivfrage
Frage, die eine bestimmte Antwort nahelegt oder bereits Informationen vorgibt und dadurch die Aussage der befragten Person beeinflussen kann.
Suizidalität
Gesamtheit aller Gedanken, Impulse und Handlungen, die auf eine Selbsttötung ausgerichtet sind, von Todeswünschen über konkrete Suizidpläne bis zum Suizidversuch.
Suizidvorbereitung
Konkrete Handlungen zur Umsetzung eines Suizids, etwa Sammeln von Tabletten oder Beschaffen von Mitteln, die auf eine stark erhöhte akute Suizidgefahr hinweisen.
Sulfonylharnstoffe
Orale Antidiabetika (z. B. Glibenclamid, Glimepirid), die die Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse anregen. Wichtigste Nebenwirkung ist die Hypoglykämie.
Sustain Talk
Klientenäußerungen, die für die Beibehaltung des bisherigen Verhaltens sprechen; Gegenstück zum Change Talk.
Switch
Umschlagen einer depressiven in eine hypomanische oder manische Phase, etwa unter antidepressiver Behandlung bei bipolarer Störung.
Sympathomimetika
Substanzen, die die Wirkung des sympathischen Nervensystems nachahmen oder verstärken, etwa durch Freisetzung von Noradrenalin.
Sympathomimetisch
Wirkung, die der Aktivierung des sympathischen Nervensystems entspricht, etwa mit Pulsanstieg, Blutdruckanstieg und Pupillenerweiterung.
Symptomverschreibung
Paradoxe Intervention, bei der der Klient angewiesen wird, das Symptom absichtlich und gezielt zu zeigen. Dadurch soll der unwillkürliche Charakter des Symptoms aufgehoben werden.
Synästhesie
Verknüpfung verschiedener Sinnesqualitäten, etwa das Sehen von Farben beim Hören von Tönen. Unter Halluzinogenen häufig auftretendes Wahrnehmungsphänomen.
Synkope
Plötzlicher, kurz andauernder Bewusstseinsverlust durch eine vorübergehende Minderdurchblutung des Gehirns. Er kann unter anderem durch Herzrhythmusstörungen verursacht werden.
Diese Website verwendet Cookies für die Anmeldung und Benutzereinstellungen.